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Warten auf Wohnraum: Studenten im provisorischen Schlafsaal des Studierendenhauses

Goethe-Uni in Frankfurt

Studenten ohne Bude - vom Feldbett in den Hörsaal

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Mit dem Beginn des Wintersemesters ziehen viele Studenten nach Frankfurt. Doch dort ist bezahlbarer Wohnraum knapp. Deswegen müssen Notlösungen her.

Feldbetten, bunte Schlafsäcke und Kühlschränke voller Brot und Salat – im Studierendenhaus auf dem Campus Bockenheim arbeiten normalerweise die Vertreter der Frankfurter Studierendenschaft. Während der Aktionswoche „mieten? ja wat denn?“ beherbergen die Büros über 50 Studenten, die keine Wohnungen in Frankfurt gefunden haben.

Florine Mahmud schläft seit Montag auf einem der Feldbetten im Studierendenhaus. Die 20-Jährige beginnt ein Studium der Politikwissenschaften. Wenn sie mit ihren neuen Kommilitonen spreche, gebe es nur ein Thema, erzählt sie: „Klar, die Wohnungssuche – manche meiner Freunde wohnen zur Zwischenmiete oder sind bei Verbindungen untergekommen.“ Andere Studenten müssen pendeln. „Viele kommen täglich aus Karlsruhe und könnten mit ihren Fahrtkosten auch eine Wohnung bezahlen“, sagt Valentin Fuchs, Sprecher des Asta der Goethe-Universität.

Der Wohnraum in Frankfurt ist knapp. Mehr als 7000 Erstsemester strömen mit Beginn des Wintersemesters an die Frankfurter Hochschulen. Doch Wohnungen und WG-Zimmer sind teuer. „Die Situation auf dem Wohnungsmarkt ist nicht hinnehmbar“, sagt Fuchs. Die Suche nach bezahlbarem Wohnraum sei oft hoffnungslos. Auch Zimmer in Wohnheimen sind ein seltenes Gut: Nur etwa 4400 Studierende können sich über ein Wohnheimplatz freuen. Mit einer Versorgungsquote von rund sieben Prozent liegt Frankfurt im deutschlandweiten Vergleich weit hinten.

„Die Stadt Frankfurt hat eine wichtige Rolle, die sie nicht einnimmt“, sagt Fuchs. Sie sei viel zu unentschlossen und mache wenig, um den Wohnungsmangel zu bekämpfen. Auch das Land Hessen sei verantwortlich: „Die Zahl der Studierenden hat sich verdoppelt, aber die finanziellen Mittel wurden nicht erhöht.“ Seine Kollegin Fatma Keser stimmt ihm zu: „Es kann nicht sein, dass Studierende auf dem Wohnungsmarkt mit gesellschaftlich marginalisierten Gruppen konkurrieren müssen.“ Bund, Land und Stadt müssten dringend Wohnraum schaffen. „Zumal jede Partei im Wahlkampf mit bezahlbarem Wohnraum für sich geworben hat“, sagt Keser.

Vor sechs Jahren hatte der Asta die Notunterkunft zum ersten Mal anbieten müssen. „Seit 2011 haben wir jedes Jahr einen neuen Negativrekord“, sagt Fatma Keser. Auch sie sei damals auf die Notunterkunft angewiesen gewesen. „Ein Jahr später haben ich begonnen, Hochschulpolitik zu machen“, sagt Keser.

Auch dem Frankfurter Studentenwerk macht die Wohnungsnot Sorgen. Anfang September hatte es Bürger dazu aufgerufen, jungen Menschen ein Zimmer oder eine Wohnung anzubieten. „So finden sich mehrere 100 Plätze jedes Jahr“, sagt Geschäftsführer Konrad Zündorf. Die Aktionswoche des Asta finde er gut, auch wenn das Bettenlager natürlich keine dauerhafte Lösung sei. Er unterstütze die Forderung der Studenten nach neuem Wohnraum. „Das Problem ist, geeignete Flächen zu finden“, sagt Zündorf.

Am Freitag werden die Feldbetten im Studierendenhaus zusammengeklappt. Den Studenten drohe dann aber nicht die Obdachlosigkeit, so Keser. „Im Notfall nehmen solidarische Studenten die Wohnungssuchenden auf“, sagt die Asta-Sprecherin, „oder das Haus bleibt offen.“ Florine Mahmud wird ihr Feldbett auf jeden Fall räumen. „Meine Eltern leihen mir ihren Campingwagen“, sagt sie. Der stehe zwar etwas außerhalb der Stadt, aber sei immerhin beheizbar. „Voll okay, wenn auch nur eine Notlösung.“

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