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Abschied mit Nostalgie, aber Vorfreude auf das neue Domizil: letzte Führung im Struwwelpeter-Museum.

Neuer Standort am Hühnermarkt

Struwwelpeter-Museum zieht in Frankfurts neue Altstadt

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Das Struwwelpeter-Museum wird ab Ende August in der neuen Altstadt beheimatet sein. Dort hofft der Leiter auf deutlich mehr Besucher.

Das Knarzen des Holzbodens unter den Füßen wird Beate Zekorn-von Bebenburg fehlen. Kaum ein Schritt bleibt in dem Haus in der Schubertstraße 20 unbemerkt. Dort ist seit mehr als 40 Jahren das Struwwelpeter-Museum untergebracht. Am Sonntag hat es zum letzten Mal seine Türen für Besucher geöffnet. Zekorn-von Bebenburg leitet seit 28 Jahren das private Museum über den Mediziner und Schriftsteller Heinrich Hoffmann, der den Struwwelpeter erdacht hat.

In den nächsten Wochen werden alle Exponate in Kartons verpackt. Das Museum zieht um: von eher unscheinbarer Lage mitten im gutbürgerlichen Wohngebiet an prominente Stelle in der neuen Altstadt. Hinter dem Lämmchen 2-4, am Hühnermarkt, wird die neue Adresse des Struwwelpeter-Museums ab Ende August lauten. „Das liegt sehr viel zentraler, und wir erwarten sehr viel mehr Besucher“, sagt Zekorn-von Bebenburg, die Führungen neben Deutsch und Englisch auf Japanisch und Chinesisch anbieten möchte.

Von 14.000 Besuchern pro Jahr könnten die Zahlen auf das Vier- oder Fünffache steigen, schätzt sie. In zwei Gebäuden wird die Ausstellung untergebracht sein. Die Belegschaft, zu denen auch Mitarbeiter mit „psychischer Beeinträchtigung“ zählen, wird erhöht. „Das ist einzigartig in dieser Welt, dass Kultur- und soziale Arbeit so verbunden sind“, berichtet Zekorn-von Bebenburg, und das geschehe im Sinne des „Psychatriereformers“ Hoffmann.

Von 600 wird die Ausstellungsfläche auf 950 Quadratmeter steigen. Damit gebe es mehr Platz für Sonderausstellungen, für moderne Illustratoren und „Geschichten-Inseln“ mit analogen sowie digitalen Spielen für Kinder, sagt die 57-Jährige. Zwei Aufzüge sorgten für Barrierefreiheit, die es im alten Haus nicht gab.

Kann das Struwwelpeter-Flair in die neue Altstadt hinübergerettet werden?

Aber dieses Ambiente mit dem knarzenden Parkett aus Zeiten der Jahrhundertwende sowie die passenden hölzernen Fenster und -läden: Auch die Besucher, die Zekorn-von Bebenburg am Sonntagnachmittag zum letzten Mal durch das Haus führt, schwärmen. Besucherin Sonja Wilhelm sagt: „Das Flair mag ich sehr.“ Sie sei etwas skeptisch, ob es in die neu gestaltete Altstadt hinübergerettet werden könne.

Aus „reiner Nostalgie“ sind Kristina und Martin Wolf mit ihren beiden jungen Söhnen ein letztes Mal vorbeigekommen. Anton (6) und Jakob (4) könnten Struwwelpeters Verse durchs Vorlesen der Eltern auswendig, sagt Martin Wolf. Kristina Wolf freut sich über die Lage des neuen Museums. „Da wird man eher vorbeikommen“, sagt sie, etwa wenn die Familie Besuch habe. Das alte Haus in der Schubertstraße mit seiner roten, efeubewachsenen Fassade habe einen „verwunschenen Charakter“. Doch die Vorteile überwiegten beim Neubau, ergänzt ihr Mann.

„Die zwei neuen Häuser sind wirklich wunderschön, und hier sind wir ein wenig ab vom Schuss“, sagt Museumsleiterin Zekorn-von Bebenburg. Zudem seien die Holzfenster undicht. Trotzdem: „Mit ein bisschen Wehmut und Melancholie ist das schon verbunden“, sagt sie, bevor sie zum letzten Mal in den alten Räumen von dem Autor berichtet, dessen Figur so viel bekannter geworden ist als er selbst.

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