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Stromsparender Wolkenkratzer in Frankfurt

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Von: Oliver Teutsch

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FArbeiten mit Aussicht bietet das neue Bürohochhaus One zwischen Güterplatz und Messe. Monika Müller
FArbeiten mit Aussicht bietet das neue Bürohochhaus One zwischen Güterplatz und Messe. Monika Müller © Monika Müller

Deutschlands aktuell nachhaltigstes Hochhaus steht nun am Güterplatz /Öffentliche Skybar in 185 Metern Höhe

Es ist ein Hochhaus der Superlative, das am Donnerstag offiziell eröffnet wurde. In Sachen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit setzt das 195 Meter hohe „One“ bundesweit Maßstäbe. Der auf Büroimmobilien spezialisierte Investor CA Immo hat 430 Millionen Euro in das smarte Gebäude gesteckt, um umweltbewusste Unternehmen anzulocken. CA Immo hatte schon das hochmoderne Bürogebäude Cube in Berlin konzipiert. „Das One ist im Prinzip eine Weiterentwicklung des Cube“, sagt Unternehmenssprecher Markus Diekow.

Die Planungen für das smarte Hochhaus hatten bereits 2013 begonnen. Nach einem Architektenwettbewerb 2014 begannen Mitte 2018 die Bauarbeiten. Nach vier Jahren Bauzeit sind nun die ersten Unternehmen eingezogen. Alle verpflichten sich zu einem „grünen Mietvertrag“. Verbraucht werden zu 100 Prozent regenerativ erzeugte Energien, dazu kommen weitreichende Maßnahmen, die einen umweltschonenden Betrieb der 68 000 Quadratmeter Bürofläche gewährleisten sollen. Dazu zählt neben konsequenter Mülltrennung auch, die Beschäftigten zur Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad zu motivieren. Dafür stehen Duschen, 610 Fahrradstellplätze und 33 Ladestationen für E-Bikes zur Verfügung. Der Ausbau der Mietflächen soll zudem mit möglichst umweltschonenden Materialien erfolgen. Um die Energiesparmaßnahmen der Unternehmen zu befeuern, erhalten sie über 1600 im Gebäude verbaute Wärmesensoren Rückmeldungen zu ihrem Energieverbrauch und über ein Dashboard quasi eine Nebenkostenabrechnung in Echtzeit. Wie es sich für solch ein smartes Projekt gehört, sei der Einlass ins Gebäude über das Smartphone der Beschäftigten möglich.

Das Konzept hat mit Mietpreisen von bis zu 39 Euro pro Quadratmeter seinen Preis, scheint aber anzukommen. Zwar sind laut Diekow bislang erst 72 Prozent der Bürofläche vermietet, doch es gebe aktuell viele Anfragen, bei denen man kaum nachkäme. Gefragt sei das smarte Gebäude nicht nur bei klassischen Hochhausmietern wie Banken und Rechtsanwaltkanzleien, sondern auch bei Unternehmen, die sonst eher nicht in Bürohochhäusern zu finden seien, wie etwa Cloud Imperium Games.

Der Computerspiele-Entwickler ist in der vergangenen Woche aus der Europaallee in die Brüsseler Straße gezogen und hat zwei Stockwerke im „One“ angemietet. Dort wird den derzeit 90 Beschäftigten jedweder Komfort geboten. Belüftete Schreibtische, schalldichte Kabinen und Ruheräume für den Powernap. Dazu kommt eine riesige Entertainment-Area mit Kaffeebar, Müsliküche, Großbildleinwand, Tischtennis, Tischkicker, Billard und Kinosesseln, um die Aussicht aus dem 23. Stock über den Hauptbahnhof genießen zu können. Im Zeitalter des Homeoffice setzt das stark wachsende Unternehmen also einiges dagegen. „Man konkurriert heute mit dem Zuhause der Mitarbeiter“, begründet Unternehmenssprecherin Inez Mathern das Engagement für die Beschäftigten. Ein Grund für dem Umzug sei auch gewesen, sich mit den anderen Unternehmen im Haus vernetzen und austauschen zu können. Womöglich auch mit denjenigen, die das riesige Coworking-Angebot im One nutzen. Auf fünf Etagen stehen rund 650 Arbeitsplätze zur Verfügung, die auch von den Hotelgästen im Haus genutzt werden können. Denn die Stockwerke 1 bis 14 sind Gästen des Hotels Nhow vorbehalten, einem Ableger der Hotelkette NH für ein jüngeres Publikum.

Für die Öffentlichkeit interessant wird es im 47. Stock. Denn dort soll im Herbst die „Skybar“ eröffnen, die riesige Ausmaße hat. Die Gäste können einen Rundumblick aus 185 Metern Höhe genießen. Die Aussichtsterrasse ist umlaufend. Die Gefahr, sich dort auf den Füßen zu stehen, ist relativ gering. Denn aus feuerpolizeilichen Gründen sind nur maximal 199 Personen auf dem riesigen Dach zugelassen. Ab 200 Personen hätte es eines weiteren separaten Aufzugs bedurft. Das Motto des Hotels ist „Geld“, Bei dem Nhow-Ableger in Berlin sei es Musik, bei der Filiale in Amsterdam Kultur, verrät Hoteldirektor Hermann Spatt. Schon der Lobbybereich des durchdesignten Hotels ist in einem gewöhnungsbedürftigen Goldton gehalten.

Transparenzhinweis: In einer früheren Version des Textes hatten wir geschrieben, in der „Skybar“ könne man mit Bitcoins bezahlen. Tatsächlich werden aber nur herkömmliche Zahlungsmittel akzeptiert.

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