Stromhungrige Daten

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Ausfallsicherheit hat Priorität.

Auch wenn im Datenzentrum alles statisch aussieht – die Daten liegen hier nicht einfach in Speicherschränken. Vielmehr sind sie permanent in Bewegung. Hier geht die Antwort auf eine Suchanfrage raus, da schlängeln sich die Daten für einen gestreamten Film in Windeseile durch die Glasfaserkabel.

Jede Datenbewegung braucht Energie und produziert Wärme. Um die Technik am Laufen zu halten, braucht es vor allem eins: Kühlung. Ist es kälter als 20 Grad, wird mit Außenluft oder einer speziellen Regenwasserkühlung gearbeitet. Steigt das Thermometer draußen höher, laufen die Kältemaschinen an. Und die brauchen viel Energie. Beim Rechenzentrumsbetreiber Interxion kommt die von der Mainova.

Energie für 27 000 Menschen

Die Rechenzentren in der Stadt sind inzwischen die größte Abnehmergruppe der Mainova: Rund 20 Prozent des von ihr im Stadtgebiet vertriebenen Stroms geht laut dem Energieversorger inzwischen an die Datenfarmen – das ist mehr als der Flughafen an Strom verbraucht.

Bei Interxion kommt der Strom, der die Datenspeicher am Laufen und auf Betriebstemperatur hält, mit einer Spannung von 110 000 Volt durch sechs zehn Zentimeter dicke Kabel an, erläutert Ingenieur Stefan Seifert. Erst beim Unternehmen selbst wird er transformiert. Erstmals überhaupt hat die Mainova-Tochter Netzdienste Rhein-Main (NRM) ein Umspannwerk für einen Kunden errichtet. Interxion hat dafür rund 25 Millionen Euro investiert. Die Anlage stellt genügend Strom bereit, um eine Stadt mit rund 27 000 Einwohnern zu versorgen. Und zwar gleich doppelt: Sollte das System ausfallen, gibt es die gleiche Technik noch einmal – zur Sicherheit.

Laut Sprecherin Mareike Jacobshagen bezieht Interxion nur Strom aus erneuerbaren Energien. Im Umspannwerk wird der Strom mehrfach transformiert. Je geringer die Spannung wird, desto dünner werden die Kabel. Eine große Verteileranlage teilt schließlich jedem Rechenzentrum Strom zu. Fällt sie aus, springt die Zwillingsanlage ein.

Doch auch für deren Ausfall hat Interxion vorgesorgt. Jedes Gebäude hat Dieselgeneratoren, die ständig in Bereitschaft sind, um im Notfall sofort einsetzbar zu sein. Mit dem Dieselvorrat von 320 000 Litern kann das gesamte Datenzentrum 48 Stunden lang unter Volllast betrieben werden.

Vermieden werden soll so, was im April 2018 passiert ist: dass ein Rechenzentrum ausfällt. Damals hatte der Dieselzufluss trotz ausreichenden Kraftstoffs versagt, mehrere Stunden hatten Kunden dadurch Probleme mit Whatsapp, der Bahnauskunft, Netflix und anderen Diensten. Doch das ist extrem selten. 

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