Thomas Winkler (hinten) erklärt den Teilnehmern vor Beginn der Führung das Kraftwerk.
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Thomas Winkler (hinten) erklärt den Teilnehmern vor Beginn der Führung das Kraftwerk.

Gutleut

Wo Strom und Wärme entstehen

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Bei den 3. Gutleut-Tagen schauen rund 30 Frankfurter im Heizkraftwerk hinter die Kulissen der Energieproduktion.

Wo Strom und Wärme herkommen, das konnten am Samstag Besucher im Mainova-Heizkraftwerk West an der Gutleutstraße 231 erfahren. Knapp 30 Interessierte waren bei einer Führung durch das Kraftwerk dabei, die von den Initiatoren der „Gutleut-Tage“ organisiert worden war.

Nach einer theoretischen Einführung wurden die Teilnehmer mit Bauhelmen, Warnwesten und Ohrenschutz ausgestattet, bevor die Tour über das Gelände startete. Die Route führte durch das Dampf- und Maschinenhaus und als Höhepunkt auf das 72 Meter hohe Dach eines der beiden Kesselhäuser – mit Blick über ganz Frankfurt und Umgebung.

Ellen Hasselbring, die um die Ecke am Westhafen wohnt, wollte wissen, „wie Strom und Wärme funktionieren und wie zukunftsorientiert sie produziert werden“. Zum Abschluss der Führung zeigte sich die 75-Jährige beeindruckt: „Das ist Hochleistung.“

In der Zwischenzeit zog Nadine Tannreuther, die die Gutleut-Tage mit ihrem ehemaligen Kommilitonen Yasar Honneth ehrenamtlich vor einem Jahr initiiert hat, Bilanz: „Die Führung durch das Heizkraftwerk hat immer die meiste Nachfrage“, berichtet sie. Zum dritten Mal, nach Januar und Sommer 2016, hatten sie ein Programm zusammengestellt, das an sechs Tagen Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten im Gutleut-Viertel bot.

Im Stadtteil und darüber hinaus herumgesprochen

Darunter waren dieses Mal der Laden „Transnormal“ am Baseler Platz, in dem sich Männer in Frauen verwandeln lassen können, ein Rundgang an der Marina des Westhafens und ein Pyrotechnik-Workshop auf dem Milchsackgelände. Insgesamt seien etwa 200 Teilnehmer dabei gewesen, so Tannreuther. Was als Projektarbeit zum Abschluss ihres Studiengangs „Leadership in creative industries“ einer Darmstädter Hochschule begonnen hatte, hat sich im Stadtteil und darüber hinaus herumgesprochen.

Kraftwerks-Besucher Francesco Piccione aus Sachsenhausen hatte über den Bürgersender Radio X von den Gutleut-Tagen erfahren. Bei einer Führung über das Milchsackgelände sowie durch das Briefzentrum sei er ebenfalls mitgelaufen. Außerdem war er bei einem Kurzfilmabend am Westhafen dabei. Im Gutleut sei dem 48-Jährigen vorher nur die Disco Tanzhaus West auf dem Milchsackgelände bekannt gewesen. Dass dort früher Farben hergestellt wurden und Milchsack der Name des Firmenbesitzers gewesen war, habe Piccione erst bei der Führung erfahren.

Mit der Veranstaltungsreihe wollen die beiden Macher die „Stadtteil-Identität“ eines Viertels fördern, das häufig gar nicht als eigenständiges Quartier wahrgenommen werde, sagt Tannreuther. „Lang gezogen“ sei es und beginne schon, wenn man den Hauptbahnhof über den Südausgang verlasse. „Wir wollen Räume schaffen und Gegensätze zusammenbringen“, ergänzt sie und verweist auf die ungleiche Sozialstruktur zwischen Arm und Reich. Damit jeder dabei sein könne, wollten sie die Veranstaltungen weiterhin kostenfrei halten. Nur durch Spenden finanzieren sie sich und müssen noch immer aus eigener Tasche drauflegen. „Wir nähern uns demnächst der Null“, sagt Tannreuther. Weiter machen wollen sie ohnehin. Die „positive Resonanz“ sei Antrieb genug.

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