Frankfurt

Streitgespräche um Europas Zukunft

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Eine neue Konferenz soll Politiker, Wissenschaftler, Künstler und andere Bürger zusammenbringen, um über Europa und die EU zu diskutieren. Auch Skeptiker und Kritiker sollen mitreden.

Es soll eine der führenden Veranstaltungen zum Thema Europa werden: Drei Institutionen wollen ab dem kommenden Jahr jährlich eine europäische Konferenz in Frankfurt veranstalten. Das Center for Applied European Studies, die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung sowie der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität kooperieren bei dem Projekt.

„Alle Partner hatten das Gefühl, dass so eine Veranstaltung kreiert werden muss“, sagte Michel Friedman, geschäftsführender Direktor des Center for Applied European Studies. Auch Frankfurt als Veranstaltungsort habe sich angeboten, weil es die internationalste und europäischste Stadt Deutschlands sei.

Die erste Konferenz soll am 4. und 5. Juni 2020 über die Bühne gehen und den Titel „Europe’s Future: Democracy“ tragen. Dass die Demokratie essentiell für die Zukunft des Kontinents und der Europäischen Union ist, sei für alle drei Institutionen klar. „Wir sind bekennend proeuropäisch“, sagte Friedman stellvertretend für die Partner.

Der Direktor machte deutlich: „Es geht aktuell um die Zukunft Europas.“ Substanzfragen der Europäischen Union würden derzeit diskutiert und man wolle dem Rechnung tragen. Der mögliche Austritt der Briten, Uneinigkeit zwischen den EU-Mitgliedern, die Beschneidung von Presse-, Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit sowie eine Abnahme der Kompromissbereitschaft seien Zeichen der Zeit. Die momentane konfrontative Politik sei destruktiv.

Bei den geplanten Konferenzen sollen Wissenschaftler, Intellektuelle, Politiker, Künstler und weitere Entscheidungsträger zu Wort kommen. Wichtig seien aber auch Streitgespräche mit den Bürgern. Es sollen keine Eliten sprechen, deren Antworten man nicht verstehe. Friedman betont, dass es aber nicht um Selbstbeweihräucherung oder ein Loblied auf die EU gehe. Vielmehr sei es wichtig, auch Europaskeptiker und -gegner zu Wort kommen zu lassen. Die Veranstaltungen sollen interdisziplinär, pluralistisch, kontrovers und ergebnisoffen sein. Es brauche überraschende und nonkonforme Denkansätze.

Gäste für die erste Konferenz 2020 wollte Friedman noch nicht nennen. „Es werden Menschen kommen, die etwas zu sagen haben und denen man zuhören will, egal welche Meinung sie haben“, deutete Friedman an. Somit könnte sogar ein Hardliner wie Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban auf der Konferenz sprechen.

Michel Friedman zog den Vergleich zur Münchner Sicherheitskonferenz. Man wolle ein zuverlässiger, jährlicher Termin werden für Menschen, die sich sonst nicht treffen würden.

Die Partner

Das Center for Applied European Studies, das Zentrum für angewandte europäische Studien, ist Teil der Fachhochschule University of Applied Sciences. Es initiiert Forschungsvorhaben und Beratungen. Zudem organisiert es Vorträge, Streitgesprächen und Symposien.

Die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung ist Teil des Leibniz-Instituts. Sie analysiert die Ursachen gewaltsamer internationaler sowie innerer Konflikte und erforscht die Bedingungen des Friedens.

Der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ gehört zur Goethe-Universität. Das Forschungsnetzwerk analysiert gegenwärtige soziale Auseinandersetzungen mit Blick auf normative Vorstellungen, die dabei eine Rolle spielen.

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