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Susanne Feuerbach lächelt gerne und engagiert sich nachdrücklich für Kinder.
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Susanne Feuerbach lächelt gerne und engagiert sich nachdrücklich für Kinder.

PORTRÄT DER WOCHE

Streiterin für Kinderrechte

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Susanne Feuerbach leitet das Frankfurter Kinderbüro, lobt das bereits Erreichte und sieht noch viel Aufklärungsbedarf.

Wer in Susanne Feuerbachs Büro im ersten Stock des Gebäudes in der Schleiermacherstraße Platz nimmt, bemerkt fast augenblicklich, die große Tafel mit den bunten Magneten und nicht minder bunten Karten und Flyern darauf. Vieles thematisiert das Kinderbüro, dass die 55-Jährige leitet. Auf manchen stehen Sprüche wie „Wenn das die Lösung ist, will ich mein Problem zurück.“ oder „Einfach lächeln. Das verwirrt Menschen.“ Einige dieser Karten sind Geschenke, andere hat Feuerbach selbst gesammelt. Unermüdlich und fröhlich, wie einige der Botschaften auf der Tafel, wirkt auch Feuerbach. Sie lächelt während des Gesprächs, freut sich über manche Errungenschaft auf dem langen Weg der Umsetzung der Kinderrechte, aber wird auch ernst, wenn es um Dinge geht, die noch verbessert werden müssen.

Das Frankfurter Kinderbüro gibt es seit dem 15. Januar 1991 – Anfang des Jahres hatte es sozusagen den 30. Geburtstag. Gefeiert wurde wegen der Pandemie aber nicht. Susanne Feuerbach ist seit Januar 2010 an der Spitze der Institution. Damals noch als Leiterin der Stabsstelle, seit 2016 als Amtsleiterin. Denn genau das ist das Kinderbüro. Ein Amt der Stadt Frankfurt, gleichrangig wie das Gesundheits- oder Ordnungsamt. „Das ist einmalig in Deutschland“, sagt die 55-Jährige. Keine andere Stadt habe das Thema so breit aufgestellt wie Frankfurt.

Um die Bedeutung aber auch Existenz der Kinderrechte allgemein publik zu machen, gibt es seit Jahren den internationalen Tag der Kinderrechte. Dieser wird am 20. November begangen, weil an jenem Tag im Jahr 1989 die UN-Kinderrechtskonvention verabschiedet wurde. „Die Umsetzung der Rechte ist aber auch seit fast 30 Jahren Bundesgesetz“, sagt Feuerbach. Zwar stehe das Bundesgesetz über dem Landesgesetz, doch die Amtsleiterin weist darauf hin, dass die Grundrechte der Kinder auch sehr gut in der hessischen Verfassung verankert wurden.

Trotz all dieser Maßnahmen gehört aber auch zur Wahrheit, dass nicht jeder in Hessen oder Frankfurt über die Kinderrechte Bescheid weiß, geschweige denn alle 54 Artikel und die daraus abgeleiteten zehn Rechte kennt. „Da haben wir viel Lobbynachholbedarf.“ Dass die Kinderrechte nicht den höchsten Stellenwert haben, liege auch daran, dass die meisten Menschen die Kinderzeit aus den Augen verlieren, wenn sie erwachsen werden. „Aber die Kindheit eint uns, egal ob wir sie erlebt oder überlebt haben.“ Daraus aber Einstellungen abzuleiten wie „das hat mir als Kind auch nicht geschadet“, sei die falsche Herangehensweise. Eine gewaltfreie Kindheit oder auch das Recht gehört zu werden, habe jedes Kind. Das müssen nicht nur die Kinder wissen, sondern auch die Erwachsenen.

Genau darum kümmern sich Susanne Feuerbach und ihr Team. Mit Kampagnen, Flyern und Heften in denen die Rechte alters- und zielgruppengerecht aufbereitet sind, soll die Bekanntheit gesteigert werden. „Wer bis zur sechsten Klasse in Frankfurt lebt, hat in dieser Zeit vier Chancen etwas über Kinderrechte zu erfahren.“ Anfangs durch ein Heft im Begrüßungspaket, dass alle neugeborenen Kinder respektive ihre Eltern bekommen. Dann in der Kita, der zweiten Klasse und schließlich der sechsten Klasse. Mit jeder neuen Geburt geht die Arbeit also weiter.

Darüber hinaus ist das Kinderbüro auch Anlaufstelle für alle Frankfurter Familien. Es vermittelt an Beratungsstellen in allen wichtigen Fragen. Egal ob es um Kitaplätze, die Behinderung eines Kindes oder finanzielle Unterstützungen geht.

Das Team des Kinderbüros bemerkt aber auch, dass die Arbeit Früchte trägt. Bei Veranstaltungen in Schulen wissen häufig Kinder dass es die Rechte gibt und können viele auch aufzählen. Statistisch sind die Fälle schwerer körperlicher Übergriffe seitens der Eltern gegen Kinder zurückgegangen. Leichte körperliche Gewalt gebe es aber immer noch. Hier mal ein Klaps, dort eine Ohrfeige – das sei immer noch an der Tagesordnung, letztendlich aber gegen das Gesetz. Auch hier benötige es weiterer Arbeit.

„Natürlich soll man den Kindern nicht alles durchgehen lassen. „Es kommt aber auf das pädagogische Mittel an.“ Wenn sie mit Erwachsenen über Kinderrechte spreche, höre sie manchmal auch den Hinweis auf die Pflichten der Kinder. „Das Gegenteil von Recht ist aber nicht Pflicht, sondern Unrecht.“ Einem Kind erwachsen keinerlei Pflichten aus den Rechten, die es hat. Es muss sie sich nicht verdienen und kann sie auch nicht verlieren, wenn es etwas falsch macht.

Zum Moralapostel will sich Susanne Feuerbach nicht aufschwingen. „Ich weiß selbst von Situationen, wo ich bei der Erziehung meiner Tochter Fehler gemacht habe.“ Auch das gehöre dazu. Es komme dann darauf an, was gemacht werde. Können Eltern Fehler zugeben und zeigen, dass auch Scheitern Teil des Lebens ist?

Ihren Einsatz fürs Gemeinwohl habe sie bereits seit Kindertagen, sagt Feuerbach. „Das ist heute mein Hauptantrieb.“ Sie wollte immer mehr Gerechtigkeit. „Als es die erste Chance gab Klassensprecherin zu sein, war ich dabei.“ Als die gebürtige Frankfurterin Kind war, gab es die niedergeschriebenen Kinderrechte der Vereinten Nationen noch nicht. Sie habe sich geachtet gefühlt und nie Angst gehabt ihre Meinung zu sagen. Doch Feuerbach weiß, dass das keine Selbstverständlichkeit war und auch heute nicht ist. Vielleicht versucht sie deshalb alle Kinder zu ihrem Recht kommen zu lassen.

Großen Handlungsbedarf sieht sie in Frankfurt vor allem beim Thema Kinderarmut. Wenn rund 40 000 Kinder in der Stadt in Familien mit Sozialleistungsberechtigung leben, könne das nicht der bestmögliche Zustand sein. Besonders in der Anfangszeit der Pandemie hätten diese Familien es nochmals schwerer gehabt, etwa weil es keine Mittagstischangebote gab.

Auch fordert sie, dass sich die Kindeswohlprüfung im kommunalen Handeln durchsetzt. Bei allen Projekten müsse also auch das Wohl der Kinder im Blick behalten werden. Egal ob Verkehrs- oder Stadtplanung. „Eine Umwelt, die für Kinder gut ist, ist auch für Erwachsene gut.“

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