Industriepark Griesheim im Sonnenuntergang.

Griesheim

Frankfurt - Griesheim: Streit um Zukunft des Industrieparks

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Die Grünen werfen der CDU vor, die Gelegenheit zu einer Umwandlung in einen Gewerbepark zu verträumen. Der Standort sei schlicht zu klein für Chemiebetriebe.

Die Zukunft des Griesheimer Industrieparks beschäftigt die Stadt weiterhin. Der Entschluss der Firma Weylchem, die Chemieproduktion dort einzustellen, „eröffnet dem Umfeld des Industrieparks zahlreiche stadtplanerische Entwicklungsmöglichkeiten, die bislang aufgrund der dort ansässigen Störfallbetriebe nicht möglich waren“, teilen die Grünen im Römer mit.

Weiter fordern die Grünen, dass Unternehmen, die nicht mehr aktiv sind, wie die SGL Carbon oder Weylchem, ihre alten Anlagen zurückbauen. Bislang macht die Carbon keine Anstalten, das zu tun.

Die wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Römer, Christiane Loizides, teilt die Freude der Grünen nicht. „Es ist bedauerlich, wenn ein Unternehmen der chemischen Industrie in Frankfurt die Produktion einstellt. Wir brauchen die Industrie mit der Diversität ihrer Arbeitsplätze – sie ist eine tragende Säule der Wirtschaftskraft und des Wohlstandes unserer Stadt.“

Loizides weist „Unkenrufe“ zu einem absehbaren Ende des Industriestandortes Griesheim als voreilig zurück. Die Stadt habe mit dem Masterplan Industrie und der Seveso-Vereinbarungen Planungssicherheit für den Standort geschaffen. Dazu kommt, dass Industrieparkbetreiber Infrasite Griesheim zum 1. Juli die Abwasserpipeline zum Industriepark Höchst in Betrieb nimmt. Das werde Kosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes steigern, sagt Christiane Loizides.

Die Stadtverordnete geht davon aus, dass es auch in Zukunft in Griesheim Betriebe geben wird, die in den Anwendungsbereich der Störfall-Verordnung fallen und somit von der Stadt innerhalb der 500-Meter Abstandszone keine sogenannten Schutzobjekte wie Wohnungen, Schulen, Altersheime und Veranstaltungssäle genehmigt werden können. „Für die CDU-Fraktion hat die Sicherung industrieller Standortfaktoren, die Arbeitsplätze und Wertschöpfung bedeuten, hohe Priorität“, sagt Loizides.

Zu klein für Chemieunternehmen 

Thomas Schlimme, für die Grünen im Ortsbeirat 6, kann darüber nur mit dem Kopf schütteln. Er plädiert schon lange dafür, die Chemie in Griesheim aufzugeben und das Areal in einen konventionellen Gewerbepark ohne Störfallbetriebe umzuwandeln. „Seit Jahren wurde darum gerungen, neue Chemiebetriebe anzusiedeln. Erfolglos.“

Die Infrastrukturkosten seien zu hoch, das hat Weylchem angegeben. „Mit dem Weggang dieses Betreibers wird das aber noch schlechter“, sagt Schlimme. Der Griesheimer Industriepark sei schlicht zu klein, „Die chemische Industrie konzentriert sich weltweit immer mehr auf große Anlagen an großen Standorten.“ Der Industriepark Höchst umfasse 400 Hektar, ein zukunftsfähiges Umfeld. „Ganz im Gegensatz zu den 74 Hektar in Griesheim.“

Die letzte „sevesorelevante“ Anlage ist ein Gefahrstofflager. Ohne Chemiebetrieb am Standort brauche das aber keiner mehr. Stattdessen sei auch Fläche für Großgewerbe nötig, das keiner Seveso-Abstände bedarf. Dafür wäre die Fläche in Griesheim ideal. „Solche Betriebe zahlen genauso Gewerbesteuer wie Chemiebetriebe“, sagt Schlimme.

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