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Geschichten aus dem Amtsgericht

Frankfurt: Streit um Hund auf Spielplatz eskaliert - Kinder haften nicht für ihre Eltern

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Auf einem Spielplatz in Frankfurt wird beschimpft, gestritten und gedroht. Der Konflikt wird vor dem Amtsgericht fortgeführt.

Frankfurt - Die Anklage, die am Montagmorgen vor dem Amtsgericht verlesen wird, ist von der Art, bei der man sich am Ende fragt: Wer macht denn so etwas? Und sie geht so: Am frühen Abend des 2. Juni 2019 beginnt Nabila M., die mit ihrer fünfjährigen Tochter einen Spielplatz nahe einer Sossenheimer Hochhaussiedlung besucht, einen Disput mit einer Hundehalterin.

Eine Dreiviertelstunde später taucht deren Sohn Ibrahim A. auf, um ihn zu beenden: Er filmt die Frau mit seinem Handy, beleidigt sie und droht, den Film mit Nennung ihrer Adresse ins Internet zu stellen und dafür zu sorgen, dass einige mit ihm befreundete Beischlaferzwinger ihr einen Hausbesuch abstatten würden. Als M. die Polizei anruft, schlägt er sie nieder, spuckt ihr ins Gesicht und nimmt ihr das Handy ab, ihre Tochter schleudert er gegen einen Zaun.

Frankfurt: Hat der Hund Kinder auf dem Spielplatz attackiert?

Wer macht denn so etwas? Er jedenfalls nicht, sagt der 36 Jahre alte A., der alle Anklagepunkte leugnet, ansonsten aber den ganzen Prozess über schweigt. Das kann man von M. nicht behaupten. Die 34-Jährige ist mit Temperament, Selbstbewusstsein und stählernen Stimmbändern gesegnet, und lautstark und wortreich berichtet sie ihre Version: Sie habe sich bei A.s Mutter darüber beklagt, dass deren unangeleinter Köter Kinder belästige.

Das sei halb so wild, habe die Frau geantwortet, der Hund attackiere Kinder nur, wenn die mit dem Fahrrad oder auf Rollschuhen unterwegs seien, das könne er nicht leiden. Und außerdem verrichteten ja auch die Kinder regelmäßig ihre Notdurft auf der Wiese – und niemand käme auf die Idee, sie deshalb anzuleinen. Sie habe daraufhin versprochen, diese originelle Sichtweise dem Ordnungsamt mitzuteilen, sagt M, und damit sei der Streit für sie erledigt gewesen. Kurz darauf habe Ibrahim A. vorbeigeschaut, um Amok zu laufen.

Amtsgericht Frankfurt: Auf dem Spielplatz werden Schimpfwörter ausgetauscht

Die nächste Zeugin, eine enge Freundin M.s, bestätigt diese Version und weiß wenig Gutes über A. zu berichten. Außer vielleicht, dass der in Frankfurt geborene türkische Staatsbürger die Höflichkeit besessen habe, die Marokkanerin M. auf Arabisch zu beschimpfen, so dass auch der Rest der Spielplatzbesucher habe mitverfolgen können, was da diskutiert werde. Wobei das so interessant nun auch wieder nicht war: Zwar habe A. einen bunten Strauß von Verbalinjurien überreicht, aber so verschieden die einzelnen Wörter auch klingen mögen, im Deutschen hätte sie alle ein und dieselbe Bedeutung, nämlich „Hure“.

Die nächste Zeugin, keine enge Freundin M.s, sagt hingegen, sie habe nur gehört, wie M. den schweigenden A. aus Leibeskräften angebrüllt habe, und gesehen, dass sie diesen, als er in ruhigere Gefilde habe flüchten wollen, daran gehindert hätte. Schläge, Spucken oder einen Handyraub habe sie nicht beobachtet. Seit sie das der Polizei erzählt habe, werde sie von der Nabila-Fraktion auf dem Spielplatz gemobbt.

Frankfurt: Verfahren vor dem Amtsgericht wird eingestellt

Dass eine solche existiere, bestätigt dann die nächste Zeugin. Der Vorfall sei wochenlang das beherrschende Thema in der Hochhaussiedlung und auf dem Spielplatz gewesen. Ebenso gebe es freilich eine Ibrahim-Fraktion. Beide Lager stünden sich unversöhnlich gegenüber, und richtig vom Tisch sei das Thema nicht.

Da will das Amtsgericht eine Chance bieten: Nach einem langen Verhandlungstag wird das Verfahren eingestellt – unter der Bedingung, dass M. und A. sich im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs zusammenraufen und versuchen, den Vorfall aufzuarbeiten. Zudem muss A. 5000 Euro als Wiedergutmachung an M. zahlen – weit mehr als in einem Adhäsionsverfahren herausgesprungen wäre.

„Wir haben heute viele sehr selbstbewusste Zeugen gehört“, stellt am Ende die Amtsrichterin etwas euphemistisch fest. Im Übrigen wolle sie „gar nicht wissen, was in dieser Hochhaussiedlung los ist“ und auf dem dazugehörigen Spielplatz, auf dem die Kinder heilfroh sein dürften, dass sie nicht für ihre Eltern haften.

Rubriklistenbild: © Daniel Reinhardt/dpa

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