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Streit über Frankfurter Sparkasse: „Es geht um Verantwortung“

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Von: Thomas Stillbauer

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Verstrickungen mit dem Nationalsozialismus: die 1822. Peter Jülich
Verstrickungen mit dem Nationalsozialismus: die 1822. Peter Jülich © Peter Jülich

Das Bankgeschichte-Institut IBF streicht das ausstehende Honorar für den 1822-Historiker. Eine jüdische Sparkassenmitarbeiterin äußert sich.

In der Auseinandersetzung um die Festschrift zum 200-jährigen Bestehen der Frankfurter Sparkasse hat das Institut für Bank- und Finanzgeschichte (IBF) den Werkvertrag mit dem Historiker Ralf Roth inzwischen auch förmlich gekündigt.

Wie die Vorsitzenden des IBF-Vorstands und des wissenschaftlichen Beirats des Vereins mitteilten, soll Roth auch die ausstehenden Honorare nicht erhalten; weitere Ansprüche behalte sich das IBF vor. Anlass seien „irreführende Aussagen in maßgeblichen Medien“, die das IBF als schweren Vertrauensbruch werte.

Roth war bei seinen Recherchen auf zahlreiche Belege für die Verstrickung der Sparkasse in Verbrechen des NS-Staats gegen die jüdische Bevölkerung gestoßen. Diese seien nach 1945 nie angemessen aufgearbeitet worden, arbeitete er heraus. Weil das IBF nach Roths Auffassung diese Erkenntnisse nicht genügend in der Chronik oder in anderer Form veröffentlich sehen wollte, ging er an die Öffentlichkeit.

Den Auftrag für die Arbeit über die Sparkasse hatte Roth vor mehr als zwei Jahren vom IBF erhalten. Er wies erneut darauf hin, dass er bereits im Juli 2021 die Sparkasse aufgefordert habe, sich den Befunden zu stellen und statt der Festschrift eine grundlegende Aufarbeitung zu veranlassen und sich außerdem mit der Jüdischen Gemeinde als Nachfolgerin der Opfer in Verbindung zu setzen.

Unterdessen hat eine Mitarbeiterin der Sparkasse, die der Jüdischen Gemeinde Frankfurt angehört, Stellung genommen. Elishewa Patterson-Baysal, Syndikusrechtsanwältin und Inklusionsbeauftragte der Frankfurter Sparkasse, äußerte sich betroffen und erschüttert. „Ich hatte mein erstes Sparbuch bei der Frankfurter Sparkasse, von dort meine erste Spardose bekommen und war stolzes Mitglied im Knaxx-Club“, berichtet sie der FR. Gleiches gelte für ihre Kinder. „Ich hätte und habe mir tatsächlich nicht vorstellen können, dass diese Sparkasse einmal von einem echten Nazi geführt wurde, der dann nach dem Krieg die Geschicke des Unternehmens sogar wieder lenken durfte.“ Gemeint ist der frühere Direktor Emil Emge, der nach Aktenlage maßgeblich an der Enteignung jüdischer Sparerinnen und Sparer in der NS-Zeit beteiligt war und 1950 zu allem Überfluss an die Spitze der Sparkasse zurückkehrte. „Dass die Banken und Sparkassen sich im Dritten Reich alle schuldig gemacht haben, war mir schon klar“, so Patterson-Baysal, „aber wenn es so nah einschlägt und mit solcher Wucht, dann haut einen das schon um.“

Es gehe bei der Aufarbeitung nicht um Schuld: „Die, die sich schuldig gemacht haben, leben alle nicht mehr.“ Es gehe vielmehr um Verantwortung – „und die tragen wir alle“.

Patterson-Baysal hatte sich persönlich an die Unternehmensführung gewandt und um die Übernahme von Verantwortung gebeten. Gleichzeitig kritisierte sie den Umgang mit dem Historiker Roth. In den letzten Tagen sei Bewegung in die Sache gekommen erklärt sie, der Vorstand stelle sich nun sehr viel klarer dieser Verantwortung. „Er hat sich hier sehr klar positioniert und deutlich erklärt, dass sich die damaligen Repräsentanten der Frankfurter Sparkasse schuldig gemacht haben und man sehr großen Wert auf die transparente und umfassende Aufarbeitung legt“, sagt sie. Sie vertraue daher darauf, „dass der Aufarbeitung dieses sehr belastenden Themas genug Raum eingeräumt wird“.

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