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Frankfurter Fans grüßen beim Spiel in Hannover den beim Polizeieinsatz verletzten Fan.

Eintracht Frankfurt

Streit um Polizeieinsatz ist ein Fall für das LKA

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Im Fall des Eintracht-Fans, der über die Bande gestoßen wurde, legt sich die Polizei öffentlich fest - und will dann noch ermitteln? Das kann nicht klappen. Ein Kommentar.

Es ist begrüßenswert, dass die Polizei in den sozialen Medien zum Einsatz vor dem Eintracht-Spiel vor einer Woche Stellung nimmt. In der Diskussion geht es nämlich um viel mehr als um die Politik eines Innenministers, der mit dem Umgang mit Fußball-Fans offenbar komplett überfordert ist. Es geht um das Verhältnis zwischen Eintracht-Anhängern und der Polizei. Dabei reden wir nicht in erster Linie von den Ultras. Weite Teile der Gruppe lehnen die Institution Polizei ab. Auch das muss in einem Rechtsstaat möglich sein. Doch auch die allermeisten anderen Fans empfanden das Auftreten der Polizisten als unangemessen. Ihnen teilen die Beamten jetzt mit, dass sie ihre Kritik ernstnehmen. Sie schaffen so die Basis für einen Dialog.

Weniger klug sind die Aussagen zur Sicherstellung des Banners. Auf Youtube können sich alle ein Bild davon machen, wie der Einsatz ablief. Sie werden dabei feststellen, dass der Fan mitnichten einfach über die Werbebande stürzte, wie es die Polizei darstellt. Der Mann wurde von einem Polizisten gestoßen.

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Schon die Aussagen von Polizeipräsident Gerhard Bereswill im Römer dazu waren befremdlich. Ja, die Fans wehrten sich gegen den Einsatz. Auch dieser Fan. Doch dann steht er eben an der Bande. Abseits des Geschehens. Und wird von einem Polizisten angegriffen. Wie kann Bereswill da pauschal sagen, es sei kein Übergriff zu erkennen?

Man mag dem Polizeipräsidenten zugute halten, dass er zuvor zwei Stunden lang einen sehr guten und fundierten Vortrag über Konsequenzen aus dem Skandal um mutmaßlich rechtsextreme Polizisten gehalten hatte. Sinnvoller wäre es sicher gewesen, er hätte danach zu dem Vorfall bei der Eintracht gar nichts mehr gesagt. So entsteht der Eindruck: Bevor die Polizei auch nur einen Zeugen gehört hat, hat sie sich darauf festgelegt, dass der Einsatz rechtlich in Ordnung war. Unter solchen Voraussetzungen lässt sich nicht vorbehaltslos ermitteln – schon gar nicht gegen die eigenen Kollegen. Es wäre deshalb sinnvoll, wenn sich jetzt das Landeskriminalamt einschalten und den Vorfall untersuchen würde. Denn wenn die Fans glauben, dass ein Angriff auf einen der ihren nicht ernstgenommen wird, dann hilft das schönste Video der Social-Media-Polizisten nichts.

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