Christliche Fundamentalisten halten in Frankfurt vor Pro Familia eine Mahnwache ab.
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Christliche Fundamentalisten halten in Frankfurt vor Pro Familia eine Mahnwache ab.

Schwangerschaft

Streit um Mahnwache vor Pro Familia

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Bei einer Podiumsdiskussion in Frankfurt treffen Abtreibungsgegner auf Bürger, die auf das Selbstbestimmungsrecht von Frauen pochen.

Es schien, als wäre ein Graben geschlagen zwischen die Menschen, die sich am Dienstagabend im Kirchsaal der evangelisch-reformierten Kirche im Westend eingefunden hatten. Auf der einen Seite Abtreibungsgegner, die das Recht auf Meinungsfreiheit und Versammlungsrecht hochhielten. Auf der anderen Seite Bürger, die auf das Selbstbestimmungsrecht des Menschen pochten.

Es ging um die Frage, wie mit der Mahnwache der Pro-Leben-Aktivisten „40 Tage für das Leben“ umzugehen sei. Die christlichen Fundamentalisten hatten vor Ostern 40 Tage lang vor der Beratungsstelle von Pro Familia in der Palmengartenstraße demonstriert, gebetet, gesungen, Plakate hochgehalten.

„Die Menschen, die zu uns in die Schwangerschaftskonfliktberatung oder zu anderen Beratungsangeboten kommen, wollen anonym bleiben, nicht fotografiert oder angesprochen werden“, sagte der Pränatalmediziner Frank Louwen, der auch Vorsitzender von Pro Familia Hessen ist. Frauen hätten ein Recht auf Schwangerschaftskonfliktberatung, die auch eine Pflicht vor einem Schwangerschaftsabbruch sei. Ausgebildete Fachkräfte von Pro Familia würden jeden ergebnisoffen beraten. „Die Demonstration hat die Gespräche in der Beratungsstelle gestört“, sagte Louwen, Termine seien verlegt worden.

Tapfer moderierte Birgit Weckler (CDU) durch die Veranstaltung, welche immer wieder von Zwischenrufen unterbrochen wurde: „Ist es ärztliche Aufgabe, Kinder zu töten?“, rief ein erboster Bürger. „Das Gebet im öffentlichen Raum ist die schärfste Waffe, die das Christentum kennt“, sagte Cornelia Kaminski, die Vorsitzende der Christdemokraten für das Leben in Hessen und stellvertretende Vorsitzende der Aktion „Lebensrecht für alle“.

Befremdliche Mahnwache

Bei einer Demonstration von „40 days for life“ in den Vereinigten Staaten habe sie erlebt, wie Schwangere durch die Ansprache und Gebete bekehrt worden seien nicht abzutreiben.

„Ich habe eine solche Mahnwache vor einer Frauenarztpraxis auf der Schweizer Straße erlebt, das war sehr befremdlich“, sagte die Pfarrerin Ursula Schoen, die Prodekanin des evangelischen Stadtdekanats Frankfurt ist. Sie verteidigte das Selbstbestimmungsrecht der Frauen, gleichzeitig hielt sie den Schutz des ungeborenen Lebens hoch. Abtreibung sei „ein Straftatbestand“.

„Als Christ ist es meine Überzeugung, dass Abtreibung eine schwere Sünde ist“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael zu Löwenstein. Die CDU-Fraktion im Römer hatte im März gegen einen FDP-Antrag gestimmt, zu prüfen, die Mahnwache von der Palmengartenstraße weg zu verlegen. Nach einer heftigen Diskussion im Römer stimmten die Koalitionspartner SPD und Grüne für den Antrag der FDP, gegen die CDU. Für die Verlegung der Mahnwache hatten sich auch der Ortsbeirat 2 und das Bündnis „Frankfurt für Frauenrechte“, unterstützt von 40 Organisationen und mehr als 100 Einzelpersonen, ausgesprochen. Das Bündnis hatte Gegenveranstaltungen zu der Mahnwache der Pro-Leben-Aktivisten organisiert.

Die Anonymität der Beratungssuchenden müsse gewahrt bleiben, sagte Frank Louwen. „Demos sollten dort stattfinden, wo viele sie hören, nicht da, wo sie andere bedrängen.“ Michael zu Löwenstein sagte, die Ordnungsbehörden hätten keine Handhabe, die Mahnwache zu verlegen. Ein Bürger wies darauf hin, dass es in den Vereinigten Staaten teilweise „bubble zones“, also Bannmeilen um die Beratungsstellen gäbe. „Wenn Abtreibung Menschenrecht ist, dann ist Töten Menschenrecht“, sagte Cornelia Kaminski. Die Mahnwache will wiederkommen, im Herbst und zu Ostern.

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