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Streit um KZ-Gedenkstätte in Frankfurt-Gallus: Makabrer Konflikt

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Um das Gedenken an das frühere Lager Katzbach auf dem Adler-Gelände in Frankfurt-Gallus wird ein künstlicher Streit aufgebaut, findet FR-Redakteur Claus-Jürgen Göpfert.

Es mutet makaber an angesichts der rechtsextremen Gewalttaten der Gegenwart. Nicht einmal über die Formen des Gedenkens an die nationalsozialistischen Verbrechen der Vergangenheit kann sich die schwache und zerstrittene Römer-Koalition im Frankfurter Rathaus einigen.

Tatsächlich ist der Gegensatz, der nun zwischen SPD und CDU/ Grünen aufgebaut wird, ein total künstlicher. Richtig ist: Die Gedenkarbeit steht im Umbruch, weil die letzten noch lebenden Zeitzeugen der NS-Gewaltherrschaft in den nächsten Jahren sterben werden.

Das aber bedeutet keineswegs, dass feste Orte des Gedenkens wie etwa Mahnmale keinen Sinn mehr machen. Auch das Argument von CDU und Grünen, junge Menschen ließen sich für solche Gedenkformen nicht mehr gewinnen, geht fehl. Im Gegenteil: In Deutschland zeigt die Praxis von NS-Gedenkstätten, dass Jugendliche meist keineswegs gezwungen werden müssen, sie aufzusuchen. In der Regel wird dort eine gute bis sehr gute Bildungsarbeit geleistet.

Genau darauf zielen auch Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) und der Verein, der sich in Sachen Katzbach seit langem engagiert: nicht nur auf einen Gedenk-, sondern auch auf einen Bildungsort.

Anderen Formen des Gedenkens, wie etwa künstlerischen Aktionen im öffentlichen Raum, steht dies keineswegs entgegen. Man sollte das eine tun, ohne das andere zu lassen.

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