Die CDU und SPD streiten weiterhin darüber, ob der Frankfurter Mainkai zukünftig wieder autofrei sein soll oder nicht.
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Mainkai: Keine Autos, dafür eine Bühne. Am Aktionstag der Linken spalten sich die Meinungen zu der autofreien Zone in Frankfurt.

Verkehrsversuch

Der Streit geht weiter: „Wiederöffnung des Frankfurter Mainkais ist peinlich“

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Am Aktionstag der Linken am Frankfurter Mainkai gibt es Kritik an der Stadtpolitik und Verwirrung an den Fußgängerampeln. Kann Frankfurt zukünftig zu einer autofreien Stadt werden oder bleibt alles beim Alten?

  • CDU und SPD streiten viel über die Zukunft des Frankfurter Mainkais.
  • Aktionstag in Frankurt: „Für gutes Klima – Mainkai bleibt autofrei“.
  • Andere Städte machen es den Frankfurtern vor: Autofreie City ist möglich.

Frankfurt – Am Samstag ist auf dem Mainkai plötzlich vieles wieder wie eine Woche zuvor. Aber nicht alles. Es fahren keine Autos. Das ist so, wie es seit August 2019 war. Aber die Leute stehen trotzdem an der wiedererweckten Fußgängerampel vor dem Eisernen Steg und warten auf Grün. „Ja, kurios“, sagt einer der Ordner, die den Radverkehr vorbei an der Bühne leiten. Denn auch das ist an diesem Samstag anders: Es gibt eine Bühne – mitten auf der Fahrbahn.

„Das hätten wir uns vor eineinhalb Jahren nicht träumen lassen“, sagt Martin Kliehm, Stadtverordneter der Linken, die zum Aktionstag „Für gutes Klima – Mainkai bleibt autofrei“ eingeladen hat. Das Motto ist ein politisches Ziel, denn seit Dienstag ist die autofreie Zeit vorbei. „Weil die CDU gegen eine Sperrung für Kraftfahrzeuge ist“, fasst Kliehm zusammen, „und weil die SPD der CDU das bei der Kommunalwahl vorwerfen will.“

Die Möglichkeiten des Mainkais in Frankfurt wurden nicht ausgeschöpft

Auf der Bühne spricht er am Samstag mit zwei Fachleuten über Verkehrskonzepte. „Der Mainkai hatte das Potenzial, mögliche Veränderungen aufzuzeigen“, sagt der Stadtplaner Alexander Breit, Mitglied der Initiative Radentscheid Frankfurt. „Die Idee war: Wir probieren was aus, und wenn es der Mehrheit gefällt, dann bleibt es so.“ Leider seien der entstandene Raum und sein Potenzial nicht optimal genutzt worden. „Aber den Versuchscharakter fand ich sehr gut.“

„Es zählt hier offenbar immer noch das Recht des Stärkeren“, sagt Janina Albrecht, Mobilitätsdesignerin von der Offenbacher Hochschule für Gestaltung. Sie nennt es erstaunlich, dass „so wenige Menschen aus Sachsenhausen so viel Aufmerksamkeit bekommen“, weil sie unter der Sperrung auf der anderen Mainseite leiden: „Dabei wünscht sich die Mehrheit die Veränderung.“

Die Mehrheit in Frankfurt war dafür

57 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, den Mainkai dauerhaft für Menschen ohne Motor zu reservieren, erinnert Breit – und zwar im Dezember. Inzwischen könnten es noch mehr sein, mutmaßt er. Schilder am Straßenrand urteilen sarkastisch: „1:0 für die CDU. Leider hat sie gegen Frankfurt gespielt.“

„Egal, was man macht – es ist immer jemand dagegen“, sagt Janina Albrecht. „Die ganze Stadt muss sich überlegen: Wie wollen wir leben, wie wollen wir uns fortbewegen?“ Das Auto, gibt sie zu bedenken, „ist das ineffizienteste Verkehrsmittel“.

Eine autofreie Zone erschreckt viele Frankfurter noch

Eine autofreie City sei möglich, ist sich das Podium einig. Andere Städte – Paris, Kopenhagen – machten vor, wie man dem Ziel mit großen Schritten näherkomme. „Die Angst vor den Wählern, wenn man den Autoverkehr beschneidet, erschließt sich mir nicht“, sagt Breit. Zahlen aus anderen Städten zeigten, dass der Einzelhandel vom Wandel zu autofreien Zonen eher profitiere.

„Die Wiederöffnung des Mainkais für Autos ist ziemlich peinlich“, sagt Breit. Dasselbe gelte für die Radweglücke auf der Friedberger Landstraße: „Da war wieder die Angst, den Autos zu viel wegzunehmen.“ So könne es nicht weitergehen: „Keine halben Sachen mehr“, fordert der Stadtplaner, „wir haben keine Zeit mehr.“ – „Wir haben große Ziele, die erreichen wir am besten mit vielen kleinen Schritten“, hält Janina Albrecht dagegen. Autofrei erschrecke viele. „Man muss sorgfältig vorgehen, um alle mitzunehmen, die Angst haben.“

CDU und SPD sind sich uneinig über die Zukunft des Mainkais

Der Mainkai hat sich mittlerweile gefüllt, ohne Autolärm. CDU und SPD streiten sich gerade sehr viel im Römer. Was wäre eigentlich, wenn sie sich ganz verkrachen, und plötzlich gäbe es eine parlamentarische Mehrheit für eine dauerhaft autolose Zone zwischen Untermain- und Alter Brücke? Martin Kliehm glaubt nicht daran.

Zwar hätten sich die Grünen jüngst zum Mainkai bekannt, sagt er der FR. „Aber es ist wohl Kalkül von Klaus Oesterling, dass er die CDU im Wahlkampf bei dem Thema schlecht dastehen lassen will.“ Sonst hätte der Frankfurter Verkehrsdezernent einen Weg gefunden, den Mainkai autofrei zu halten: „Oesterling ist ja ein fantasievoller Mensch.“

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