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Die Bänke auf dem Adlhochplatz in Sachsenhausen sind verschwunden.

Unterliederbach

Streit um Bänke

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Wegen nächtlichem Lärm baut die Stadt Sitzmöbel ab, Bürger und Ortsbeirat wollen sie zurück.

Katharina Nowak-Rautenberg ist empört. „Sitzbänke bedeuten Lebensqualität“, sagt sie. In der Anlage am Liederbach, am Astronomenweg, hat die Stadt Bänke entfernt. Sieben Stück, ärgert sich Nowak-Rautenberg in der Sitzung des Ortsbeirats 6. Drei seien zwar wieder aufgetaucht, berichtet die Unterliederbacherin. Ihr geht es aber ums Prinzip. Es wohnten eben nicht alle so privilegiert, dass sie einen Balkon oder Garten hätten. Die anderen seien auf öffentliches Grün angewiesen. Die Bänke seien keineswegs kaputt gewesen, vielmehr „in einer Nacht- und Nebel-Aktion verschwunden“.

Der Ortsbeirat zeigt sich verwundert. Zumindest Teile des Gremiums. „Ich kann mich gar nicht erinnern, dass wir einen Antrag beschlossen hätten, sieben Bänke abbauen zu lassen“, sagt Thomas Schlimme von den Grünen süffisant. Es bedürfe einer politischen Entscheidung, „ob wir Bänke in der Grünanlage haben wollen oder nicht“.

Offensichtlich wollen das nicht alle. „Wir haben auch andere Leute, die sagen, mit den Bänken ist es zu laut“, sagt etwa Hans-Christoph Weibler von der CDU. Denn auch abends träfen sich Leute an den Parkbänken. Weibler sieht sich „zwischen den Stühlen“. Die einen wollten Bänke, die anderen nicht. Den Verweis auf die Nachtruhe lässt Nowak-Rautenberg nicht gelten. „Den Krach hören wir auch“, sagt sie. Den müsse man in einer Stadt aushalten. Wer das nicht schaffe, möge in den Taunus ziehen, empfiehlt sie. Oder aber die Polizei rufen, dies habe sie bereits erfolgreich getan.

Das Grünflächenamt versucht derweil, den Streit zu entschärfen. Ein Teil der Bänke ist verschwunden, weil die Stadt schlicht bei der Erneuerung nicht nachkomme, erklärt Stephan Slachmuylders. Alle sieben Jahre müssten Bänke ausgetauscht werden, wegen natürlicher Verwitterung und Vandalismus. Indes: „Wir haben nicht die Mittel, um die vollumfängliche Ausstattung aufrechtzuerhalten.“ Auch andernorts fehlten Bänke, die Stadt müsse Prioritäten setzen. Und am Liederbach sei das Angebot noch gut.

Bei zwei Bänken hätten sich aber tatsächlich „Mandatsträger“ ans Amt gewandt mit der Bitte, die Sitzmöbel zu entfernen. Wegen nächtlicher Ruhestörung und aggressiven Jugendlichen. „Vor dem Hintergrund der guten Versorgung der Anlage“ habe das Amt den Bitten entsprochen.

Andere Mandatsträger seien nun wieder als Befürworter der Bänke aufgetreten. „Uns wird das eine Lehre sein“, sagt Slachmuylders. Künftig solle keine Bank mehr verschwinden ohne Beschluss aus den Gremien und einer Ortsbegehung.

Der Ortsbeirat sieht das auch so. Das Gremium hat eiligst einen gemeinsamen Antrag aller Fraktionen beschlossen. Das heißt, aller außer der CDU. Die stimmt zwar zu, dass die Bänke wiederkehren sollen. Bei der Abstimmung zu der Frage, wer den Abbau veranlasst hat, enthält sich die Union geschlossen.

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