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Streik geht in die nächste Runde

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Frankfurt 22.3.2022 Ganztägiger Streik des Personals bei der Sicherheitsabfertigung (Security) am Flughafen: Leere Hallen ,gestrandete Passagiere, Streikende versammeln sich ab 11 Uhr am Flughafen auf dem Busparkplatz P36 und laufen einmal um den Flughafen bis zum ANKUNFT Terminal
Frankfurt 22.3.2022 Ganztägiger Streik des Personals bei der Sicherheitsabfertigung (Security) am Flughafen: Leere Hallen ,gestrandete Passagiere, Streikende versammeln sich ab 11 Uhr am Flughafen auf dem Busparkplatz P36 und laufen einmal um den Flughafen bis zum ANKUNFT Terminal © Monika Müller

Hunderte Sicherheitskräfte streiken für bessere Löhne, deshalb fallen viele Flüge am Flughafen aus.

Alles steigt um Euros, nur unsere Gehälter sollen im Centbereich steigen“, klagt eine Frau, die am Fraport an den Passagier- und Handgepäckkontrollen arbeitet. Sie ist gemeinsam mit ihren Kollegen:innen zum Streiken an den Flughafen gekommen.

Wegen Inflation und steigender Alltagskosten sei ein neuer Tarif logisch und vor allem nötig. „Wir haben unterm Strich nicht mal unbedingt mehr Geld, sondern das gleicht höhere Kosten bei Lebensmitteln oder Benzin lediglich aus“, erklärt ein Teilnehmer. Er wünscht sich Wertschätzung für seine Arbeit, gerade seitens der Chefetage. „Die wissen doch gar nicht, was bei uns abgeht“, sagt er. Die um ihn herum stehenden Kolleg:innen bestätigen ihn. Eine der Anwesenden weist auch auf den Frauenmangel in dem Berufsfeld hin.

Gewerkschaft und Arbeitgeber verhandeln bereits zum vierten Mal, bisher ohne Einigung. Dennoch sind die Sicherheitskräfte zuversichtlich, dass die Streiks Druck ausüben. „Wir werden hier so lange stehen, wie es nötig ist, bis sich etwas ändert. Bis auf einen Tag ohne Bezahlung haben wir nichts zu verlieren“, heißt es aus der Gruppe.

Sehr dankbar sind sie für die Unterstützung von direkten Vorgesetzten und Betriebsräten. Hierzu zählen auch Cetin Dügün und Saad Tantaoui. „Wir müssen an einem Strang ziehen, um etwas zu erreichen und die Forderungen durchzusetzen“, sagt Dügün. Die Kritik von Rainer Friebertshäuser, dem Verhandlungsführer des Bundesverbands der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS), wonach Verdi „den Luftverkehr durch völlig maßlose Streiks massiv schädigen wolle“, kann Dügün nicht nachvollziehen. Schließlich müssten Streiks ein wenig schmerzen, um die Rolle der Arbeitnehmer:innen zu verdeutlichen.

Außerdem gebe es einen Notbetrieb für Transitflüge, also solche, bei denen Passagiere von einem Flugzeug ins nächste umsteigen, ohne dass sie deswegen erneut kontrolliert werden müssen.

120 Flugausfälle

„Wir kämpfen hier für unsere Rechte und wollen eine bessere Bezahlung. Wir möchten einfach fair behandelt werden“, erklärt Tantaoui.

Durch den Streik fallen viele Flüge aus. Von den etwa 800 Flugbewegungen am Tag wurden 120 annulliert. Betroffen sind vor allem in Frankfurt startende Flüge. Zu beachten sei jedoch, dass viele Airlines Flugrouten kurzfristig bereits auf andere Flughäfen ohne Streiks umgelenkt hätten, teilt Maria Linden, Sprecherin bei Fraport mit.

Am Montag bat Fraport die Passagiere, die von Frankfurt aus losfliegen wollten, nicht zum Flughafen zu kommen und verwies an die Fluggesellschaften. Fluggäste, die hingegen nur umsteigen, sollten von den Einschränkungen weitgehend unbetroffen bleiben.

Die Realität zeichnet allerdings ein anderes Bild. „Ich komme gerade aus New York und wollte umsteigen nach Berlin, aber wir wurden aus dem Transitbereich gelotst. Ich hätte dann erneut kontrolliert werden müssen, was ja im Moment nicht geht“, erzählt Ulrike Müller. Auch bei der Gepäckausgabe herrsche Chaos. Damit sie nun doch noch nach Berlin gelangen konnte, bezahlte die Airline ihr ein ICE-Ticket.

So ist es auch bei Christine und Rudi Marvin. Das Ehepaar wollte von Stuttgart über Frankfurt nach Mexico fliegen. „Man sagte uns, dass der Flieger hier abhebt und hat uns deswegen das Zugticket bezahlt. Aber hier fliegt heute nichts“, ärgert sich die Rentnerin. Sie sucht mit ihrem Mann gerade nach einem Hotel, da das Ersatzflugzeug morgen starten soll. Die Übernachtungskosten muss das Paar selbst tragen. „Streiken ist ein gutes Recht und es gibt offensichtlich auch Gründe. Mich ärgern die Fehlinformationen an Flughäfen und bei den Airlines“, sagt Rudi Marvin.

Bei Joanna und ihrem Geschäftspartner ist unklar, ob sie die Nacht im Flughafen oder einem Hotel verbringen „Niemand will dafür bezahlen, weder unsere Firma, noch der Flughafen, noch die Airline“, erklärt sie.

Am Donnerstag wird erneut verhandelt, der Ausgang ist noch offen.

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