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Bahn

Streik bei der Deutschen Bahn: Chaos am Frankfurter Hauptbahnhof bleibt aus

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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Viele Reisende sind auf den erneuten Streik des Bahnpersonals vorbereitet, Ärger gibt es dennoch. Denn neben Verzögerungen und Ausfällen schade der Streik auch der Umwelt.

Frankfurt - Eine junge Frau rennt die Rolltreppen zu den S-Bahn-Gleisen am Montagmorgen fast so stürmisch hinunter, als wäre sie beim Casting für einen Actionfilm. Ein Herr, den sie überholt, ruft ihr hinterher: „Keinen Stress. Es kommt sowieso alles später.“ Gerannt wird auch an den Gleisen oben, dort, wo die Regional- und Fernzüge fahren. Und zwar immer dann, wenn mal ein Zug ankommt. Dann ist es auch kurz voll wie gegen 10 Uhr an den Gleisen 7 und 8 nach München und Hamburg. Voll ist es auch in den Zügen. Denn bundesweit hat die Bahn 75 Prozent ihrer Fernzüge gestrichen, im Regionalverkehr fallen 60 Prozent der Züge aus, es kommt zu Verspätungen. Aber das große Chaos am Frankfurter Hauptbahnhof bleibt am Montag aus.

Die meisten Reisenden sind auf den zweitägigen bundesweiten Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bei der Deutschen Bahn vorbereitet. „Ich wusste schon gestern, dass ich meinen Zug nach München erst eine Stunde später nehmen kann. Ich bekam eine Mail von der Bahn und buchte um“, sagt ein Herr, der auf Geschäftsreise ist. Er hat Verständnis für den Streik. „Das sind doch keine astronomischen Forderungen. Die Bahn sollte einlenken.“

Nur wenn ein Zug ankam oder losfuhr, war kurz viel los.

Streik bei der Bahn sorgt für Verständnis und Ärger: Weselsky „spielt sich auf wie ein Big Boss“

Die GDL streiken für höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. Unter anderem verlangt sie eine Corona-Prämie von 600 Euro sowie 3,2 Prozent mehr Gehalt in zwei Stufen. Die Bahn bot am Sonntag an, zusätzlich über eine Corona-Prämie für die Beschäftigten zu verhandeln. Die Lohnerhöhung will sie wegen der Corona-Verluste über längere Zeit strecken. Doch GDL-Chef Claus Weselsky fehlt es an konkreten Zugeständnissen. „Man muss doch wenigstens eine Zahl nennen“, sagt er am Montag.

Aber nicht alle Reisenden haben Verständnis für den Streik. Eine Rentnerin aus Gießen, die nach Ingolstadt will, ist nicht genervt, weil sie eine Stunde später fährt, sondern weil sie findet, dass Weselsky den Streik gerade für Berufspendler:innen und Reisende in der Ferienzeit hätte abwenden können. „Er muss doch auch bereit sein, sich an den Tisch zu setzen und zu verhandeln, ohne gleich zu streiken. Er spielt sich auf wie so ein Big Boss. Dabei geht es doch um Arbeitsplätze.“

Fährt mein Zug?

Der bundesweite Streik geht auch an diesem Dienstag noch weiter Bahnreisende sollten sich vor Fahrtantritt auf der Internetseite bahn.de über ihre Verbindungen informieren. Die Deutsche Bahn hat außerdem eine kostenfreie Hotline eingerichtet, unter der Nummer: 08000 996633.

Überfüllte Züge, verspätete Bahnen: Streik des Bahn-Personals schadet vor allem Pendlern

Die entnervtesten und müdesten Gesichter sieht man an den S-Bahn-Gleisen. Eine Offenbacherin ist schon seit 5.30 Uhr unterwegs, um zur Arbeit zu kommen. „Erst habe ich eine Stunde in Offenbach-Ost auf meine Bahn nach Frankfurt gewartet. Der Zug war schlimm überfüllt. Und jetzt sitze ich schon fast eine Stunde hier und hoffe, meine S-Bahn nach Weißkirchen/Steinbach kommt bald.“ Sie sagt: „Der Streik ist eine Unverschämtheit. Das ist bereits der zweite in diesem Monat. Für was zahle ich eigentlich so ein teures Monatsticket?“ Die meisten Linien des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) fahren nur alle 60 Minuten. Auf den Linien S7 und S9 sind nach Angaben der Deutschen Bahn gar keine Züge unterwegs. Alternativ fahren auf dieser Strecke Regionalzüge. Auch die Kapazität der U-Bahn-Züge wurde ausgeweitet.

Eine Frau lobt das Servicepersonal der Bahn, das umherläuft und Auskunft gibt, wo, wann und welcher Zug überhaupt fährt. Wenig los ist vor dem Infostand der Bahn. Zu den wenigen, die anstehen, gehören Benjamin (24) und Linda (21) aus Karlsruhe. „Wir wollen nach Holland. Am Schalter sagten sie uns: ‚Sucht euch den Zug aus, den ihr wollt‘“, erzählt Benjamin. „Ich dachte, der Streik würde stressiger. Aber wir kommen jetzt sogar früher als geplant an.“ Gestresst ist hingegen eine andere Reisende. „Ich wusste gar nicht, dass die Bahn streikt. Ich muss schnell zum Flughafen. Ich fliege heute nach Kasachstan.“ Ein Mann, der das hört, wundert sich: „Also, wie kann sie den Streik, der seit Tagen angekündigt ist, nicht mitbekommen haben? Pech gehabt. Echt.“

Reaktionen auf den Streik bei der Deutschen Bahn: Einige Reisende sind pragmatisch

Super entspannt hingegen sind Anke und Jörg Zinke aus Hofheim. Sie wollen an den Bodensee. Statt über Baden-Baden fahren sie nun über Basel und Zürich und kommen drei Stunden später an. „Aber wir machen uns nicht verrückt. Die Strecke ist das schönere Sightseeing“, sagt Jörg Zinke und lacht. Der Streik ärgert die beiden aus einem ganz anderen Grund: „Der Streik liegt in der Ferienzeit und geht auf Kosten der Umwelt, weil so nun doch viele ins Auto steigen, statt die Bahn zu nehmen. Das ist einfach Mist“, betont Anke Zinke. (Kathrin Rosendorff/dpa)

Rubriklistenbild: © Monika Müller

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