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Woche der Brüderlichkeit

Das Streben nach christlich-jüdischer Eintracht

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Am Sonntag wird die Woche der Brüderlichkeit feierlich eröffnet. In ganz Deutschland finden anschließend weitere Veranstaltungen statt, in Frankfurt allein etwa 70. Dabei wird auch Kritik an Luther geübt.

In der Frankfurter Paulskirche findet der Höhepunkt der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit statt. Am Sonntagvormittag gegen 11 Uhr beginnt die zentrale Eröffnungsfeier, bei der auch die Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen wird.

Die bundesweite Veranstaltung wird vom Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit organisiert und steht diesmal unter dem Motto „Nun gehe hin und lerne“. Ein Satz, der „fester Bestandteil im jüdischen Leben“ sei, so Petra Kunik, jüdische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Frankfurt. Das Lernen sei auch am Shabbat (auch Sabbat genannt, Ruhetag) ein zentrales Thema bei den Juden.

Seit 1952 findet die Woche der Brüderlichkeit deutschlandweit statt, seit 1968 wird bei der Eröffnungsfeier auch die Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen. In diesem Jahr wird sie die Konferenz Landeskirchlicher Arbeitskreise Christen und Juden (KLAK) erhalten. Obwohl die Eröffnungsveranstaltung als Höhepunkt gilt, werden noch bis Oktober knapp 70 Veranstaltungen in Frankfurt stattfinden. Eigentlich ist die Woche der Brüderlichkeit gar keine Woche, sie ist ein ganzes Jahr. „Unser Motto soll uns über das ganze Jahr tragen“, sagt Rudolf W. Sirsch, Generalsekretär des Deutschen Koordinierungsrats. Bei allen Veranstaltungen gehe es um das Hinhören und aufeinander Zugehen.

Filmvorführungen, Vorträge, Konzerte, Rundgänge, Studienreisen – das Programm der Woche der Brüderlichkeit ist vielfältig und spreche Menschen jeden Alters und eben auch jeder Religion an. Dass in diesem Jahr Frankfurt als zentraler Ort gewählt wurde, sei auch ein Impuls für die Basis – die Frankfurter Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, so Susanna Faust-Kallenberg, evangelische Vorsitzende der Frankfurter Gesellschaft.

Besonderer Gottesdienst

„Es wertet die Gesellschaft auf. Ohne den deutschen Koordinierungsrat wäre das alles gar nicht organisierbar“, lobt sie. Rudolf W. Sirsch weiß um die Wichtigkeit seiner Arbeit. „Die Erklärungen auf den Synoden sind richtig, aber kommen nicht immer ganz unten an.“ Hier müssten die Gedanken und Erkenntnisse nun weitergegeben werden, beispielsweise durch die Woche der Brüderlichkeit.

Ein Beispiel bietet sich anlässlich des Reformationsjahrs 2017. Martin Luther war in seinen späteren Lebensjahren antisemitisch eingestellt. Die evangelische Kirche hat sich im vergangenen Jahr davon distanziert und wird es bei einigen Veranstaltungen nun nochmals thematisieren. „Wir sollten Luther nicht als Übermenschen darstellen und alle seine Aussagen einfach übertragen“, sagt Faust-Kallenberg. Luther sei zwar weiter die prägende Figur, aber es sei wichtig gewesen, sich von seinen antisemitischen Aussagen zu distanzieren.

Dass die Auftaktveranstaltungen für die breite Öffentlichkeit geschlossen sind, bedauert Sirsch. Sicherheitsvorkehrungen seien noch unvermeidlich. „Erst wenn keine Polizeiautos mehr zum Schutz vor jüdischen Gemeinden stehen müssen, haben wir Normalität.“ Trotz dieses Umstandes werde der Dialog aber nicht behindert, so Kunik. Zwar wünschten sich Sirsch, Kunik, und Faust- Kallenberg, dass irgendwann Normalität herrsche, aber bis dahin sei es noch ein langer Weg.

Eine lohnenswerte offene Veranstaltung, so Faust-Kallenberg, sei die ökumenische Morgenfeier am Sonntag um 9 Uhr im Kaiserdom St. Bartholomäus. „Dort wird es auch einen jüdischen Beitrag beim Gottesdienst geben. Das ist schon etwas Besonderes im Dom“, sagt die evangelische Vorsitzende. Sie wirbt für den christlich-jüdischen Dialog und möchte sogar einen „Trialog“ ermöglichen. Dabei sollen auch Muslime mit eingebunden werden. „Wir wollen in die evangelischen Gemeinden gehen und zeigen, dass unsere Erklärungen nicht nur auf dem Papier stehen, sondern auch gelebt werden.“

Das Programm der Woche der Brüderlichkeit gibt es online: www.deutscher-koordinierungsrat.de/wdb-service-2017

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