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Lange wurden in Frankfurt Schutzstreifen für Radfahrer markiert, nun sollen vermehrt baulich getrennte Radwege folgen.

Interview

„Der Straßenraum muss besser strukturiert werden“

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FDP-Chef Thorsten Lieb spricht über Radwege, den zweiten City-Tunnel und Hyperloops.

Thorsten Lieb ist seit drei Jahren Vorsitzender der Frankfurter FDP. Der promovierte Rechtsanwalt ist verheiratet und hat vier Kinder. Bei der Europawahl verpasste er den Einzug ins EU-Parlament nur knapp.  Die Frankfurter FDP hat ein progressives Mobilitätskonzept beschlossen. Der Kreisvorsitzende Thorsten Lieb erklärt, worum es geht.

Herr Lieb, die Frankfurter FDP will die Innenstadt weitgehend autofrei machen, so steht es im neuen Mobilitätskonzept. Wie stellen Sie sich das vor?
Wir wollen die Verkehrsträger nicht gegeneinander ausspielen. Aber wir müssen uns bemühen, deutlich weniger Autoverkehr in die Stadt zu bekommen. Das gelingt, wenn wir die anderen Verkehrssysteme ausbauen, vor allem den öffentlichen Nahverkehr.

Komplett autofrei soll die Innenstadt nicht werden?
Nein, die Zufahrt zu den Parkhäusern muss erhalten bleiben, Anwohner und Wirtschaftsverkehr müssen weiterhin in die Innenstadt kommen. Wir wollen auch keine Innenstadt, die nur von Freizeitangeboten bestimmt ist. Zu einer attraktiven Innenstadt gehört ein attraktiver Handel.

Bislang beanspruchen fahrende und parkende Autos in der Stadt oft vier Fünftel des Platzes, die anderen Verkehrsträger teilen sich den Rest. Muss sich das ändern?
Der Straßenraum muss besser strukturiert werden. Dazu braucht es smarte Technologien. Aus vier Fahrspuren könnten man zum Beispiel drei Fahrspuren machen und je nachdem, wo der Schwerpunktverkehr ist, morgens in die Stadt herein und abends wieder hinaus, dem Verkehr jeweils zwei Spuren zur Verfügung stellen. Damit gewinnen wir Raum für andere Möglichkeiten.

Die FDP galt lange als Autofahrerpartei ...
Solche Stereotype ärgern mich. Abseits der Großstädte wird die individuelle Mobilität, der Autoverkehr, weiterhin die entscheidende Rolle spielen. Wir sollten den Autoverkehr nicht verteufeln. Auch wenn wir möglichst schnell drüber nachdenken sollten, wie wir den Verkehr möglichst emissionsfrei hinbekommen. Auch beim Warentransport könnte man neue Wege gehen, etwa mit Hyperloops.

So wie in der US-amerikanischen Serie Futurama ...
Die Frage ist, wie man die Logistikstandorte in den Randbezirken besser mit der Innenstadt verknüpfen kann. Dabei könnte auch der ÖPNV genutzt werden, möglicherweise ist eine Art Güterwaggon für die U-Bahn denkbar.

Vor der Hessenwahl 2018 haben FDP-Mitglieder noch gegen einen neuen Radweg auf der Friedberger Landstraße demonstriert. Demonstriert die FDP künftig für Radwege?
Die Aktion war nicht gegen den Radverkehr gerichtet, sondern sollte auf die schwierige Situation vor Ort aufmerksam machen. Wir sind weiterhin dafür, dass Radfahrer an dieser engen Stelle über Nebenstraßen fahren.

Grundsätzlich spricht sich die FDP nun für baulich getrennte Radwege aus?
An bestimmten Schneisen sollten die Verkehrsträger besser voneinander getrennt werden. Das wirkt beschleunigend und trägt zum Frieden auf den Straßen bei.

Die Öffnung des nördlichen Mainufers für Fußgänger und Radfahrer trägt die FDP mit?
Viele Städte in Europa haben gute Erfahrung damit gemacht, sich zu den Flüssen zu öffnen, etwa Amsterdam. Wohnen am Gewässer ist attraktiv. Eine Straße erzeugt hier eine trennende Wirkung, die wir nicht unterstützen.

Die FDP befürwortet im Konzept den zweiten S-Bahn-Tunnel, die Regionaltangenten West, Süd, Ost, die Ringstraßenbahn, U-Bahn-Verlängerungen, die Untertunnelung der Eschersheimer Landstraße – das entspräche Investitionen von mehreren Milliarden Euro. Wie realistisch ist das?
Es macht deutlich, wie groß die Herausforderung ist, auch wenn nicht alles auf einmal geht. In den letzten Jahren ist zu wenig passiert. Der Verkehrsdezernent sollte dringend den neuen Gesamtverkehrsplan vorlegen sowie die Vorlage für die U-Bahn-Verlängerung von Bockenheim nach Ginnheim.

Sie sprechen sich für den zentralen Halt auf dem Uni-Campus Westend aus, wie ihn der CDU-Verkehrspolitiker Frank Nagel vorgeschlagen hat.
Das wäre für die Studierenden am attraktivsten und würde den Campus Westend direkt an den Hauptbahnhof anbinden.

Bislang tritt die FDP im Römer bei Ausgaben oft auf die Bremse.
Die Stadt braucht Verkehrsprojekte, um sich entwickeln zu können. Konsumptive Ausgaben stellen wir auf den Prüfstand. Wir haben den Eindruck, dass in Frankfurt gerne der goldene Wasserhahn bestellt wird, wenn es auch ein günstigerer täte.

Mit dem Mobilitätskonzept blickt die FDP in die Zukunft. Wie kommen Sie in zehn Jahren zur Arbeit: mit Luftschiff, Drohne oder Flugtaxi?
Das Flugtaxi wird seine Nutzer finden. Für mich persönlich funktioniert der schienengebundene Nahverkehr heute schon fantastisch.

Interview: Florian Leclerc

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