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Kaweh Nemati ist der neue Vorsitzende der Interessengemeinschaft Untere Berger.
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Kaweh Nemati ist der neue Vorsitzende der Interessengemeinschaft Untere Berger.

Nordend

„Die Straße soll schön und lebendig sein“

  • Miriam Keilbach
    vonMiriam Keilbach
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Der Vorsitzende der IG Untere Berger, Kaweh Nemati wünscht sich weniger Auflagen seitens der Stadt. Damit bleibe die Berger attraktiv und eine Alternative zu Zeil und Onlineshops.

Kaweh Nemati ist seit April 2016 Vorsitzender der Interessengemeinschaft Untere Berger. Sein Geschäft Escatira am Merianplatz betreibt er seit 15 Jahren. Zuvor hatte er zwei Läden für Schmuck und Bekleidung. Das Bergerstraßenfest findet am 10. und 11. Juni statt – von Höhe Bethmannpark bis zur Höhenstraße. msk

Herr Nemati, die Stadt wollte die Sommergärten einschränken, Gastwirte fürchteten um ihre Existenz. Nun gab es eine Einigung – wie sehen Sie das?
Was am Dienstag an Konsens erzielt wurde, war vorhersehbar, weil die Amtsleitung Fehler einräumte. Es ist sehr unbürokratisch abgelaufen. Es gibt ein paar schwarze Schafe, die stellen ihre Schilder mitten auf den Gehweg, mit denen haben wir auch oft versucht zu reden. Die Straße soll schön sein, soll aber auch lebendig bleiben. Die Berger Straße hat fast schon mediterranes Flair. Das kann man schnell zerstören, wenn man für jede Kleinigkeit eine Regelung beschließt.

Wie ist der Kontakt zu den schwarzen Schafe?
Es sind nicht unbedingt die Gastronomen, die den ganzen Gehweg blockieren. Man darf nicht vergessen, dass es an einem sonnigen Tag voll ist und die Kunden da auch mal einen Stuhl beiseite stellen. Die Gastronomen sind dann in der Pflicht, aber diese Routine muss auch erstmal kommen.

Es gibt aber durchaus Stellen, an denen man anderen Verkehrsteilnehmern und Schildern ausweichen muss.
Das stimmt, das muss man. Aber ist das so ein Drama? Die zehn Sekunden, die man wartet, damit Eltern mit Kinderwagen durchgehen? Dafür hat man halt die Atmosphäre. Es ist nirgendwo so eng, dass gar kein Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer durchkommt. Die Alternative wäre, man beschneidet die Gastronomie komplett. Aber wegen drei Tischen wird kein Gastronom draußen aufmachen. Die Leute kommen nicht zum Essen und gehen danach nicht in die Geschäfte, und so stirbt auch irgendwann die Straße.

Es gibt für die Gastronomen individuelle Lösungen. Das wird allseits gelobt, aber birgt es nicht auch Konfliktpotenzial?
Natürlich, derjenige, der mehr Einschränkungen hinnehmen muss, wird sich darüber ärgern. Aber es ist keine Ungleichbehandlung, die Berger Straße hat auf der rechten Seite einen deutlich breiteren Gehweg. Das ist halt so, damit muss man leben.

Welche Ideen hat die IG, um die untere Berger zu beleben?
Ideen sind die eine Sache, die Umsetzung ist deutlich schwieriger. Ich hab mir das beim Amtsantritt vor einem Jahr auch einfacher vorgestellt. Man hat eine Idee und braucht zig Genehmigungen und muss erstmal herausfinden, wo man sich die holt. Was uns im Vorstand sehr am Herzen liegt, ist, dauerhaft einen Weihnachtsmarkt am Merianplatz zu etablieren. Einen alternativen Weihnachtsmakt mit Bioprodukten, hochwertigem Glühwein und Händlern, die schöne Sachen verkaufen und nicht diese ganzen Made-in-China-Sachen. Ob wir es noch dieses Jahr schaffen, das ist die andere Frage.

In Frankfurt gab es zuletzt ein Straßenfest-Sterben – ist das Bergerstraßenfest gefährdet?
2016 sind die Kosten wegen der Sicherheitsanforderungen erstmals immens gestiegen, auf 35 000 Euro. Das hat uns finanziell fast das Genick gebrochen. Wir haben bei den Standpreisen ein Limit erreicht. Wir verdienen unser Geld nur am Straßenfest, wir können nicht mehr dafür ausgeben als wir einnehmen. Und wenn wir nicht eine großzügige Unterstützung von der Stadt bekommen, könnte es nächstes Jahr kritisch sein.

Worauf legen Sie als IG-Vorsitzender den Fokus?
Ich liebe die Berger, ich arbeite und wohne hier. Die Straße ist meine Heimat. Die Berger zeichnet sich durch den Mix von schönen Läden und hochwertiger Gastronomie aus. Wir haben es geschafft, dass wir uns gut ergänzen mit dem Angebot, wir arbeiten gut zusammen. Wir müssen zeigen, dass man bei uns gut beraten wird, man auch Ware bekommt, die es nicht überall gibt. Die Berger ist eine Alternative zur Zeil, zu Einkaufszentren und Onlineshops.

Vor einigen Jahren gab es Kritik, als sich zunehmend Billig-Bäckereien und Handyshops angesiedelt haben. Wie wurde das Problem gelöst?
Wir mussten nichts machen. Die sind alle weg, weil sie von den Leuten nicht angenommen wurde. Wir haben hier ein Publikum, das bestimmte Ansprüche hat, und die Ansprüche erfüllen diese Billig-Bäckereien nicht.

Die Kritik richtete sich auch an die Mietpreis – bei den steigenden Mieten, hieß es, könnten nur noch Ketten überleben. Ist das eine Herausforderung?
Auf jeden Fall. Wir reden nicht von 20 Prozent Mietsteigerung in 20 Jahren, sondern von mindestens 100 Prozent. Das hat einige Einzelhändler die Existenz gekostet. Ich wüsste nicht, was man dagegen machen kann. Das ist freie Marktwirtschaft. Aber die Hausbesitzer sollten sich Gedanken machen, dass sie eine Straße durch sehr hohe Mieten sterben lassen und sie somit auch an Attraktivität verliert.

Interview: Miriam Keilbach

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