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Etwas Metallpolitur und schon glänzt das Denkmal wieder. 

9. November

Stolpersteine: Gedenken auf der Straße

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Vor 81 Jahren setzen die Nationalsozialisten jüdische Geschäfte und Wohnhäuser in Brand, misshandelten, verschleppten und ermordeten Menschen. In Erinnerung an die Progromnacht werden in Frankfurt Stolpersteine geputzt.

Schon bevor der Rundgang am Samstag begonnen hat, kniet Claudia Michel vor den Messing-Oberflächen und wischt sie mit einer Metall-Politur glänzend. Ein Schaumstoffkissen hat die 56-Jährige zwischen ihre Knie und den kalten Asphalt geschoben.

Vor dem Haus in der Hebelstraße Nummer 13, neben der Isaak-Emil-Lichtigfeldschule, sind 22 Stolpersteine mit den Namen der ehemaligen jüdischen Bewohner des Hauses in den Bordstein eingelassen. In Erinnerung an die Progromnacht vor 81 Jahren, in der Nationalsozialisten jüdische Geschäfte und Wohnhäuser in Brand setzten, Menschen misshandelten, verschleppten und ermordeten, hat die „Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main“ wieder zu ihren alljährlichen Rundgängen in mehrere Stadtteile eingeladen. Auch das „Stolperstein-Putzen“ ist dann fester Bestandteil der Würdigung.

Claudia Michel zündet an jeder Stelle Grabkerzen an und stellt sie neben die Gedenksteine, auch an der Ecke Kosel-/Weberstraße vor einem Gemüseladen, vor dem eine Kundin ungeniert weiter einkauft und sich mit der Verkäuferin unterhält, während die 25-köpfige Gruppe der Toten gedenkt. „Heute Abend werden sie sehr schön leuchten“, sagt Michel und weiter: „Viele im Viertel nehmen das wahr und gehen bewusst damit um.“ Eine Teilnehmerin legt gelbe Chrysanthemen zwischen die Aufschriften mit den Namen der Verstorbenen.

Michels Mann, Hartmut Schmidt, führt als Vorsitzender der Stolperstein-Initiative durch das Viertel, an dem alle paar Hundert Meter die quadratischen Denkmäler vor den Häusern zu sehen sind. Vor 15 Jahren hat die Initiative die ersten Steine verlegen lassen. Heute sind es 1500, in der gesamten Stadt verteilt. „Seit 2012 verlegen wir Steine für alle Opfer des Nationalsozialismus, auch für diejenigen, die die Lager überlebt haben und fliehen konnten“, berichtet Schmidt. So finden sich neben den fast zwei Dutzend Steinen in der Hebelstraße 13 weitere sechs mit einem Familiennamen. „Die Familie Selka konnte nach Palästina fliehen“, sagt Schmidt.

Mada Mevissen, die in dem Haus lebt, hat dafür gesorgt, dass an die ehemaligen Bewohner erinnert wird. Sie habe in der Rundschau zu Beginn von der Initiative gelesen, sei daraufhin ins Jüdische Museum sowie ins Stadtarchiv gegangen und habe so die Namen der Ermordeten herausgefunden. „Ich war völlig schockiert, dass es so viele waren“, sagt die 64-Jährige. Seitdem hat sie Kontakt mit Verwandten aufgenommen und sie nach Frankfurt eingeladen. Im Gegenzug ist Mevissen auch nach Israel gereist. Halinka Trepperman, die zufällig mit ihrem Hund zu dem Rundgang dazugestoßen ist, hat Besuchern die Stolpersteine gezeigt. Sie sagt: „Ich bin selbst jüdisch“ und weiter: „Der Besuch aus Israel war total beeindruckt.“ Oliver Berthold ist mit seinem Sohn Louis bei der Führung dabei. Der 13-Jährige, einer der wenigen ganz jungen Teilnehmer, berichtet, er habe die Stolpersteine bislang nicht gekannt. Vater Oliver dagegen schon: „Es ist etwas Besonderes und anders als eine Tafel an nur einem Ort.“ Für rund ein Drittel der etwa 600 Stolperstein-Stellen in der Stadt werden noch Paten gesucht, die die Gedenksteine pflegen.

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