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Im Dunkeln kann die Werbesäule leuchten. 

Nordend

Störende Werbung am Merianplatz

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Eine moderne Litfaßsäule an der Berger Straße sorgt für Ärger. Ortsvorsteherin Karin Guder fordert, dass der fast fünf Meter Hohe Werbeträger wieder demontiert wird.

Werbung soll informieren und zum Kaufen anregen. Ob der Plan auch bei der Werbesäule aufgeht, die seit kurzem auf dem Merianplatz steht, ist fraglich. Der fast fünf Meter hohe Koloss stößt bei vielen Nordendlern vornehmlich auf Ablehnung.

Karin Guder (Grüne), Vorsteherin im Ortsbeirat 3, ist regelrecht entsetzt, dass die Werbesäule am Merianplatz aufgestellt worden ist. Sie fordert, dass die Stadt diese so schnell wie möglich wieder entfernt. Der Standort sei völlig ungeeignet. Die Säule missachte einerseits den Brunnen, den der Künstler Hans Steinbrenner 1981 im Auftrag der Stadt errichtet hat. Auch aus Gründen der Verkehrssicherheit und der Wahrung des öffentlichen Raums dürfe das „hässliche Riesenteil“ nicht bleiben.

Mehrere Bürger hätten sich bei ihr über die beleuchtete Litfaßsäule beklagt, sagt Guder. Diese aufzubauen, ohne die Stadtteilpolitiker zu fragen, konterkariere die Arbeit des Ortsbeirats. Das Gremium kämpfe um „jeden Zentimeter“ für Fußgänger und engagiere sich, dass das Nordend attraktiv bleibe. „Und dann wird uns die Säule mitten in den Weg gestellt.“ Bei der Standortwahl dürfe nicht nur das Ökonomische eine Rolle spielen, sagt Guder. Ihre Fraktion werde deshalb in der kommenden Sitzung des Ortsbeirat am 31. Oktober einen Antrag stellen, dass das Gremium künftig bei der Suche nach geeigneten Plätzen einbezogen wird.

Mitspracherecht wünscht sich auch Kaweh Nemati, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße. Die Säule verschandele den Platz mit dem denkmalgeschützten Merianbad und sei problematisch, da sie direkt am Zebrastreifen steht. „Das lenkt Autofahrer ab, das kann gefährlich werden.“ Ärgerlich sei zudem, dass sie mitten auf dem Fluchtweg für das Berger-Straßen-Fest stehe. Die IG, die die Party organisiert, müsse das Sicherheitskonzept nun überarbeiten, was viel Geld koste. Mehrere Stände könnten nicht mehr aufgebaut werden. Auch versperre die Säule die Sicht auf die Bühne.

Nach Ansicht von Sandra Trawny von der städtischen Stabsstelle Werberechte spricht nichts gegen die sogenannte City-Light-Säule am Merianplatz. Für diese sei eine Baugenehmigung erforderlich, für die alle betroffenen Behörden gehört worden seien. Das Verfahren sei nichtöffentlich, Gremien wie der Ortsbeirat oder Anwohner dürften daher nicht eingebunden werden.

Werbeanlagen seien auf dem Merianplatz zulässig, planungsrechtliche Vorgaben gebe es nicht, teilt Trawny mit, „auch ist der Standort denkmalschutzrechtlich unbedenklich“. Für Passanten und Radfahrer gebe es ausreichend Platz. Auch stehe die Säule unterhalb des Zebrastreifens und versperre Autofahrern nicht die Sicht auf die Passanten.

Wenig erfreut sind die Gewerbetreibenden der Einkaufsmeile, bei denen es sich vor allem um inhabergeführten Geschäfte handelt, dass auf den Säulen große Marken und Firmen werben, sagt Nemati. Diese stünden in Konkurrenz zum lokalen Einzelhandel, „den die Stadt eigentlich schützen will“. Auf einer Werbetafel vor einer Apotheke warb eine Internet-Apotheke für Online-Rezepte.

Erst vor kurzem hatten sich Anwohner über eine neue Säule an der Pfingstweidstraße beklagt. Sie monierten etwa die Nähe zum historischen Uhrtürmchen.

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