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Ein Storch.

Tiere

Störche bleiben Frankfurt treu

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Im vierten Jahr hintereinander macht es sich ein Paar auf dem Harheimer Nest gemütlich.

Was ist der Unterschied zwischen einem Hahn, also einem Hühnerhahn, und einem Storch? Ganz einfach: Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist. Landet jedoch der Storch auf seinem Nest, ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass jetzt die schöne Jahreszeit anbrechen wird. Garantiert.

Im Frankfurter Norden ist seit knapp zwei Wochen die Welt wieder in Ordnung, denn da kamen Frau und Herr Storch und bezogen das Nest im Harheimer Feld nahe der Nidda. Ob es dieselben Störche sind, die schon im vorigen Jahr dort sehr erfolgreich brüteten (drei Junge), ist nicht sicher. „Sie sind unberingt“, sagt Naturschützer Ingolf Grabow, der beliebteste Mensch bei den Vögeln weit und breit. Auch 2018 trugen Herr und Frau Adebar keine Ringe an den Füßen. Das heißt, entweder sind sie’s, vielleicht auch eines ihrer Kinder, obwohl, die sind zu jung, oder es sind ein bis zwei ganz andere, ganz neue Störche. Die schlüpfen schließlich generell alle ohne Ring aus dem Ei.

Meist sieht man zurzeit einen Storch durchs Feld stapfen und Kleingetier jagen, während der andere auf dem Nest liegt. Brüten die etwa schon? Von unten kann man’s ja nicht sehen. „Nein, das wäre eindeutig zu früh“, sagt Dagmar Stiefel, die Leiterin der Staatlichen Vogelschutzwarte. „Da würde ja alles erfrieren.“ Wenn doch, passiere das nur den Unerfahrenen. „Wenn sie jung sind und noch üben, machen sie manchmal verrückte Dinge“, verrät Dagmar Stiefel: „Legen Eier und wissen dann nicht, was sie damit machen sollen.“

Im Kreis Groß-Gerau, wo die Rotschnäbel in rauen Mengen quasi in Mehrfamilienhäusern wohnen, kann man noch bei den Nachbarn schauen, wie die das machen. Wenn man im Eierlegen unerfahren ist. In Frankfurt sind die Störche noch nicht so zahlreich. Aber sollten es die zwei vom vorigen Jahr sein, dann haben sie ohnehin den Bogen raus. Sie kamen damals im Februar bei Eiseskälte und gefrorenem Boden, die Fachwelt machte sich schon Sorgen, ob sie genug zu fressen finden – und dann brachten sie drei prächtige Küken durch bis zum Abflug im Sommer Richtung Süden.

„Die sammeln sich jetzt und bauen an ihrem Nest“, sagt Grabow. „Eier legen sie dann etwa Anfang April, je nach Wetter.“

Apropos Nachbarn: Gerüchteweise sollen Störche auch wieder in Bonames gesichtet worden sein, und zwar auf dem Nest am Alten Flugplatz, das vor Jahren als erste Adresse für die Wiederansiedlung der Art galt, doch nie feste Bewohner anzog. Grabow ist skeptisch. „Die Nestauflage, die wir dort hingebracht haben“, also Zweige und alles, was Storchenkinderzimmer gemütlich macht, „hat der Wind inzwischen weggeweht.“ Eher rechnet er damit, dass das Nest im Harheimer Naturschutzgebiet bezogen wird. Dort machten Paare in vergangenen Jahren auch schon Fortpflanzungsübungen, blieben aber letztlich nicht.

Die Störche in Harheim sind so besonders, weil sie 2016 eine 48-jährige Frankfurter Durststrecke beendeten. So lang war es her, dass die letzten ihrer Art den Schornstein einer Bonameser Bäckerei für immer verließen. Seit der Wiederkehr ist jedes Jahr ein Paar in Harheim zu Gast, bisher stets wechselnde Tiere, und jedes Jahr gibt es Nachwuchs, dem man bei den ersten mutigen Flugversuchen zuschauen kann. Erwartet wird, dass sich bald mehr Störche in Frankfurt niederlassen – darauf weist der „Siedlungsdruck“ hin, der entsteht, weil rund um die Stadt immer mehr der schönen Vögel brüten. Ein weiteres Nest in Fechenheim hat aber noch keinen Gefallen bei der Zielgruppe gefunden.

Bis die Stadt zur Storchenhochburg wird, kann es jedenfalls nur eine Frage der Zeit sein. Hier sind immerhin sieben Adebärchen seit 2016 geschlüpft. Und wer in Frankfurt aufgewachsen ist, der will bekanntlich immer wieder nach Frankfurt zurück.

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