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Er leitete den Franziskustreff von 2010 bis 2014: Bruder Paulus beim Frühstück, das Obdachlose für 50 Cent bekommen.

Franziskustreff

Stilvolles Frühstück seit 25 Jahren

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Obdachlose erhalten im Franziskustreff mehr als nur eine erste Mahlzeit.

Einfach, fröhlich, zugewandt, hoffnungsvoll: So geht es laut Bruder Paulus im Franziskustreff zu, wo Obdachlose für wenig Geld frühstücken können. Die mitten in der Innenstadt gelegene Einrichtung feierte am Montag ihr 25-jähriges Bestehen.

Bis zu 180 Menschen nehmen dort Tag für Tag ihre erste Mahlzeit ein. In „stilvoller Frühstücksatmosphäre“, wie Paulus im Gespräch mit der FR sagt, werden sie von Ehrenamtlichen am Tisch bedient. Die Obdachlosen sollen sich wie echte Gäste fühlen – und im Gegenzug einen Beitrag von 50 Cent leisten.

Dafür erhalten sie überwiegend Bio-Essen, dass von festangestellten Fachkräften zubereitet wird. Normalerweise gibt es Brot, Käse, Wurst, Aufstriche sowie Kaffee und Tee. An Feiertagen kommen Eier, Schinken und Lebkuchen hinzu. Je nach Jahreszeit.

Seit 1993 gibt es den Franziskustreff im Schärfchengäßchen, der in das Gebäude des Kapuzinerklosters integriert ist. Gegründet hat ihn Bruder Wendelin mit einem Startkapital von gerade einmal 1500 Mark. Heute verursacht allein schon jede Mahlzeit Kosten in Höhe von 4,80 Euro pro Person. Aufs Jahr gerechnet ergibt das eine Gesamtsumme von 300 000 Euro, finanziert von 1700 Spenderinnen und Spendern.

Doch wenn alle satt sind, hört die Arbeit des Franziskustreffs noch lange nicht auf. „Wir versuchen, jeden Einzelnen in seiner Persönlichkeit zu stärken“, sagt Paulus, der den Treff von 2010 bis 2014 leitete. Danach löste ihn Bruder Michael ab, bis heute ist Paulus aber im Vorstand der zugehörigen Stiftung aktiv. Der 59-Jährige plädiert dafür, Obdachlosen die Rückkehr in die Gesellschaft zu ermöglichen. Eine eigene Sozialberatung will genau das erreichen.

Gelegentlich werden die Mönche mit ihrer Stiftung sogar auf dem Wohnungsmarkt aktiv: Sie mieten Wohnungen an, um Obdachlose in Wohngemeinschaften unterzubringen. „Housing First“ nennt Paulus das: Obdachlose bekommen ein Dach über den Kopf, ohne dass sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen. Wenn die Menschen später ein festes Einkommen haben, können sie sich eine eigene Wohnung suchen. Mehrfach hat das laut Paulus schon geklappt.

„Heute begleiten wir obdachlos gewordene Menschen, wir sehen sie als Mitmenschen“, sagt Paulus. Vor 25 Jahren, als der Franziskustreff ins Leben gerufen wurde, ging es dagegen noch um ganz andere Dinge: vor allem Essen und Kleidung.

Bruder Paulus findet: Der Umgang mit Obdachlosen zeigt, wie stark sich eine Gesellschaft dem Gemeinwohl verpflichtet fühlt. „Wir müssen die freien Kräfte des Marktes zähmen, indem wir unser Herz einschalten“, erklärt er seinen Anspruch, dem Gedanken der sozialen Marktwirtschaft gerecht zu werden.

Gelingt das aktuell? Der 59-Jährige Mönch ist vorsichtig optimistisch: „Ich glaube, dass wir gerade wieder dabei sind, das zu entdecken.“

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