1. Startseite
  2. Frankfurt

Steter Einsatz für Zivilcourage

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Georg Leppert

Kommentare

Frank Goldberg geht mit Wehmut.
Frank Goldberg geht mit Wehmut. © Andreas Arnold

Ganz am Schluss musste Frank Goldberg wieder zahlreiche Interviews aus traurigem Anlass geben. Ob Tugçe eine Heldin sei, wollten die Medien von Goldberg wissen. Der Leiter des Präventionsrats geht nach 20 Jahren in den Ruhestand.

#bigimage[0]

Ganz am Schluss musste Frank Goldberg wieder zahlreiche Interviews aus traurigem Anlass geben. Tugçe war gestorben, die Studentin, die in einem Schnellrestaurant einen Streit schlichten wollte und von einem jungen Mann niedergeschlagen wurde. Ob Tugçe eine Heldin sei, wollten die Medien von Goldberg wissen, und ob er erklären könne, warum sie ihre Zivilcourage mit dem Leben habe bezahlen müssen.

Frank Goldberg, seit fast 20 Jahren Leiter des städtischen Präventionsrates, antwortete wie immer sehr bedächtig. Dass Tugçe eingeschritten sei, verdiene höchste Anerkennung. Womöglich aber, so formulierte der 60-Jährige vorsichtig, habe sie sich nicht an die Opfer der

Auseinandersetzung gewandt, sondern an den Täter. Ob das ein Fehler gewesen sei? Nein, dieser Begriff verbiete sich in diesem Zusammenhang, doch einen hochaggressiv auftretenden Täter direkt anzusprechen, sei nun einmal gefährlich. Deshalb rate der Präventionsrat in seiner Kampagne „Gewalt, Sehen, Helfen“ immer dazu, sich ausschließlich an das Opfer zu wenden.

#textline[0]

Am heutigen Freitag verlässt Goldberg den Präventionsrat und geht in den Ruhestand. Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) wird ihn im Römer verabschieden. Mehr als 30 Jahre lang war der studierte Jurist im Auftrag der Stadt tätig. Erst als Referent im Schuldezernat, dann im Rechtsamt, schließlich als Büroleiter von Ordnungsdezernent Udo Corts (CDU). Im Jahr 1995 kam Corts von einer Besprechung mit der gerade gewählten Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU). Corts hatte zwei Botschaften für Goldberg. Erstens: Die Stadt Frankfurt gründet einen Präventionsrat. Zweitens: Sie kümmern sich drum.

Frank Goldberg ist niemand, der lange fackelt. Man müsse die Dinge schnell angehen, sonst sei der Elan der Beteiligten schnell verpufft. Also präsentierte er wenige Monate später ein Konzept für einen Präventionsrat, in dem viele Ämter und Behörden zusammenarbeiten. „Das war zu einer Zeit, in der in Frankfurt niemand wusste, wie Prävention geschrieben wird“, erinnert er sich.

Erste Aufgaben in Sossenheim

Doch Goldbergs Plan ging auf. Jugendamt, Sozialamt, Ordnungsamt, Polizei und Staatsanwaltschaft rückten zusammen, gingen Probleme gemeinsam an. Seine erste Herausforderung meisterte die neue Einrichtung in Sossenheim. „Mitte der 90er Jahre war der Stadtteil am Kippen“, sagt Goldberg. Jugendgangs zogen um die Häuser und terrorisierten die Bewohner. Die Polizei nahm die Anführer der Banden in Haft. Gleichzeitig kümmerten sich die städtischen Ämter um die Mitläufer, vermittelten ihnen Ausbildungsplätze und/oder Zimmer in betreuten Wohngemeinschaften, weil sie in ihren problembeladenen Familien nicht bleiben sollten. Nach einigen Monaten hatte sich die Situation beruhigt.

Goldberg kümmerte sich um gewalttätige Fußballfans, um Schlägereien auf Bolzplätzen, er nahm sich des Themas häusliche Gewalt an, ging gegen Kioskbesitzer vor, die Schnaps an Jugendliche verkaufen – und er förderte mit „Gewalt, Sehen, Helfen“ die Zivilcourage der

Frankfurter. Anlass für die Kampagne war der brutale Überfall auf eine ältere Frau am Roßmarkt im Jahr 1997. Dutzende standen dabei, niemand schritt ein.

Sein schönster Arbeitstag wird der heutige Freitag mit Sicherheit nicht werden. „Ich gehe mit sehr viel Wehmut“, sagt Goldberg. Man glaubt es ihm.

Auch interessant

Kommentare