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Hilke Steinecke führt durch die Steppe im Palmengarten.

Palmengarten in Frankfurt

Steppenwiese im Palmengarten blüht

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Die Steppenwiese im Frankfurter Palmengarten zeigt derzeit ihre volle Farbenpracht und sagenumwobene Pflanzen, die nützliche Eigenschaften für den Menschen haben..

Wer das Wort Steppe hört, der denkt womöglich an einen einsamen Wolf, der durch die karge Wüstenlandschaft zieht. Alles andere als karg ist jedoch die Steppenwiese im Palmengarten, die derzeit in vollster Farbenpracht blüht. Gelbe Scharfsgarbe, lila Blauraute und rote Spornblumen ranken zwischen allerlei Gräsern und Kräutersträuchern empor. Es riecht nach Salbei und Thymian, eine Hornisse summt, ein Schmetterling hat sich fürs Päuschen auf einer Lauchblüte niedergelassen. Trotz grauen Himmels und typisch deutscher Sommerregenluft kommt Urlaubsstimmung auf an diesem Donnerstagmorgen.

„Jetzt im Sommer ist es hier eine wahre Pracht“, sagt Hilke Steinecke beim Spaziergang durch den Garten, der durch die Steppenlandschaften verschiedener Regionen führt. Von Europa schlängelt sich der Weg in die nordamerikanische Prärie. Steppen sind baumlose Gras- und Strauchlandschaften, die meist in trockenen Gebieten zu finden sind. Praktisch ist, dass die Gewächse dort wenig Wasser brauchen und somit sehr pflegeleicht sind. Denn alle Pflanzen, die auf der Steppe wachsen, würden theoretisch auch im eigenen Garten gedeihen, sagt Steinecke. Damit kann man sich nicht nur Urlaubsflair ins traute Heim schaffen – viele Steppenpflanzen haben auch nützliche Eigenschaften.

Kräuter und Gewürze können zum Kochen verwendet werden. Um das zu demonstrieren, hat Steinecke einen Tee aus Minze, Thymian und Salbei mitgebracht, die alle auf der Steppenwiese sprießen. Gesüßt wurde der Tee mit Agave, die ebenfalls im Grasland wächst. „Viele wissen gar nicht, dass Agavenpflanzen draußen überwintern können“, sagt Steinecke. Andere Steppengewächse haben heilende Wirkung, etwa Mönchspfeffer, der den Hormonhaushalt von Frauen ausgleichen soll. Seinen Namen verdankt die Pflanze der Sage, dass sie im Mittelalter Mönchen verabreicht wurde, um deren sexuelle Gelüste zu lindern.

Das ein oder andere Gelüst vermag auch die alte Heilpflanze Artemisia zu stillen, deren Blätter den Geruch von Coca-Cola verströmt, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt. Überaus nützlich ist zudem die lilafarbene Wegwarte, der man starke Liebeszauberkräfte nachsagt. Unter dem Kopfkissen soll sie einer schlafenden Jungfrau im Traum den zukünftigen Ehemann erscheinen lassen. Hinter vielen Pflanzen stecken Mythen und Geschichten. Die gelbe Weinraute heißt so, weil sie im Mittelalter als Zauberpflanze galt, die man in einen Weinkelch tunkte, um zu prüfen, ob der Wein vergiftet war.

So viele sagenumwobene Pflanzen wie im Palmengarten findet man auf Steppenwiesen in freier Natur nur noch selten. Selbst in ihren Heimatregionen büßten die Grasländer meist an Vielfalt ein, weil sie für die Landwirtschaft zu Monokulturen umgebaut würden, sagt Steinecke. „In so ausgeprägter Form wie hier gibt es Steppen höchstens in Naturschutzgebieten“, so die Botanikerin.

Der Spaziergang endet im mediterranen Trockengebiet, wo der Duft eines Pinienbaums wieder an Urlaub im Süden denken lässt. Die Sträucher und Kräuter hier stammen überwiegend aus dem Mittelmeergebiet. Beim Streifzug durch die Steppenlandschaft fühlt man sich wahrlich nicht wie ein einsamer Wolf, der durch die karge Wüste streift. Eher ist man beflügelt, im Sommer auf dem eigenen Balkon schnell noch die ein oder andere Zauberpflanze zu züchten.

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