Stephan Ernst, der des Mordes an dem Politiker Walter Lübcke angeklagt ist, steht bei seinem Prozess vor dem Oberlandesgericht Frankfurt.
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Stephan Ernst legt ein Geständnis ab.

Lübcke-Prozess

Stephan Ernst gesteht tödlichen Schuss auf Lübcke und belastet Mitangeklagten

Der Hauptverdächtige im Mordfall Lübcke räumt erstmals vor Gericht die Tat ein. Damit kehrt er zu seinem ersten, widerrufenen Geständnis zurück. 

  • Stephan Ernst gesteht den tödlichen Schuss auf Walter Lübcke
  • Hauptangeklagter zeigt Reue für Mord und bezeichnet Tat als „feige und grausam“
  • Für die aussagen von Stephan Ernst sind drei Verhandlungstage angesetzt

Update, 14.00 Uhr: Im Prozess um den Mordfall Walter Lübcke hat der Hauptangeklagte Stephan Ernst den Mitangeklagten Markus H. belastet. Dieser wird der Beihilfe beschuldigt. H. sei in einer schwierigen psychischen Phase von Ernst sein „Mentor“ gewesen, ließ der Hauptangeklagte nun erklären: „Er hat mich radikalisiert und aufgehetzt.“ Demnach war H. es, der Lübcke als Ziel ins Spiel brachte. Bei Schießübungen habe H. eine Zielscheibe mit dem Bild von Angela Merkel gehabt und erklärt, dass er auch eine Zielscheibe von Lübcke machen wolle. Im Gegensatz zur Kanzlerin „sei Lübcke jemand, an den man rankommen könnte“. Zudem habe H. den Regierungspräsidenten als „Volksverräter“ bezeichnet.

Nach einer Bürgerversammlung 2015, bei der sich Lübcke für die Aufnahme von Flüchtlingen einsetzte, habe H. erklärt, dass man dem CDU-Politiker einen „Besuch“ abstatten solle. Laut der Erklärung verabredeten sich Ernst und H. 2019 dazu. Ziel sei nicht ausdrücklich gewesen, Lübcke zu töten. Aber: „Der Einsatz der Waffe war auf jeden Fall eine Alternative, die wir in Betracht zogen.“ Als Ernst und H. Lübcke auf der Terrasse seines Wohnhauses bedrohten, habe er auf einem Stuhl gesessen. Der Politiker habe aufstehen wollen, da habe Ernst abgedrückt. „Vielleicht habe ich auch nur auf eine solche Reaktion des Herrn Lübcke gewartet, um zu schießen“, ließ Ernst erklären.

Mord an Walter Lübcke: Stephan Ernst bezeichnet Tat als „feige und grausam“

Erstmeldung: Im Prozess um den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) hat der Hauptangeklagte Stephan Ernst den tödlichen Schuss auf den Politiker gestanden. „Ich habe geschossen“, ließ Ernst am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main von seinem Anwalt erklären. Ernst zeigte Reue für die Tat. „Was ich und H. ihnen angetan haben, wird immer unentschuldbar bleiben“, erklärte er an die Familie Lübcke gerichtet und bezog dabei seinen mitangeklagten mutmaßlichen Komplizen Markus H. ein.

„Was wir getan haben, war falsch“, fügte Stephan Ernst hinzu. „Niemand sollte sterben, weil er eine andere Meinung hat.“ Er habe sich von „falschen Gedanken“ leiten lassen und übernehme dafür Verantwortung. Die Tat bezeichnete er als „feige und grausam“.
Insgesamt sind drei Verhandlungstage für die Aussage von Ernst und Rückfragen angesetzt. Die Einlassung verschob sich durch die Abberufung von Ernsts Verteidiger Frank Hannig.

Schon in einer ersten Vernehmung hatte Stephan Ernst wenige Tage nach seiner Festnahme den Mord an Lübcke gestanden. Dabei gab er an, allein gehandelt zu haben. Kurze Zeit später widerrief er sein Geständnis. Im Januar ließ sich Ernst erneut zu den Tatvorwürfen ein, beschuldigte jedoch seinen mitangeklagten mutmaßlichen Komplizen Markus H., Lübcke im Streit versehentlich erschossen zu haben.

Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni 2019 tot auf der Terrasse seines Wohnhauses im nordhessischen Wolfhagen-Istha gefunden worden. (afp/dpa)

Namensnennung

Der Angeklagte Stephan Ernst wird in unserer Berichterstattung mit vollem Namen genannt, der zweite Angeklagte Markus H. mit abgekürztem Namen. Grundsätzlich gilt die Unschuldsvermutung, daher werden in der Regel keine vollen Namen genannt. Dies gestaltet sich anders, wenn eine Tat außergewöhnlich schwer wiegt und der Angeklagte oder sein Verteidiger den Schutz der Identität durchbrechen. So ist es im Fall von Stephan Ernst.

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