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Stefanie Minkley: Wenn eine Ärztin lieber in die Politik will

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Von: Timur Tinç

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Stefanie Minkleys letzter Arbeitsmonat als Ärztin ist zu einem Dokumentarfilm geworden.
Stefanie Minkleys letzter Arbeitsmonat als Ärztin ist zu einem Dokumentarfilm geworden. © Rolf Oeser

Stefanie Minkley hat nach sechs Jahren als Chirurgin aufgegeben und will als SPD-Landtagskandidatin für den Wahlkreis 39 in Frankfurt das System ändern. In einem Dokumentarfilm berichtet sie über ihren letzten Arbeitsmonat.

Stefanie Minkley sitzt am Donnerstag frisch und voller Tatendrang in einem Café in Bergen-Enkheim. Vor kurzem hat sich die 33-Jährige bei der Kandidatur für den Wahlkreis 39, im Frankfurter Nordosten, durchgesetzt und wird für die SPD gegen Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) ins Rennen um das Direktmandat gehen. „Ich freue mich schon auf den Austausch“, sagt die Fachärztin für Chirurgie. Dass sie wieder Kraft für eine neue Aufgabe hat, hat in erster Linie mit dem Ausstieg aus ihrem Beruf im Juli zu tun.

Vor einer Woche ist der Dokumentarfilm „My doctor’s life – Tagebuch einer Ärztin, die aussteigt“ im Hessischen Rundfunk ausgestrahlt worden und nun in der ARD-Mediathek abrufbar. Minkley hat im letzten Arbeitsmonat ihren Alltag mit dem Handy gefilmt, um auf die Missstände im Gesundheitswesen aufmerksam zu machen.

27-Stunden-Schichten und permanenter Personalmangel haben zu einem Zustand der Dauererschöpfung geführt. Hinzu kamen Entscheidungen nach ökonomischen statt nach medizinischen Gesichtspunkten, die sie nicht mehr mittragen konnte. Sie liebt den Job eigentlich, mit Patient:innen zu arbeiten, die Vielseitigkeit, die Nähe. „Aber als einzelne Ärztin kann ich das System nicht ändern. Deswegen glaube ich, dass ich in der Politik mehr helfen kann“, sagt Minkley. So wie das Gesundheitswesen jetzt aufgebaut sei, könne sie sich eine Rückkehr in den Beruf, den sie schon mit 13 Jahren ausüben wollte, nicht vorstellen. „Hauptursache ist die Ökonomisierung“, meint Minkley. Solange Krankenhäuser immer Zahlen vorlegen müssten, gäbe es Operationen, die eigentlich nicht nötig sind, und es würden manche Dinge groß abgerechnet, obwohl sie nur viel kleiner gemacht worden seien. Auf Bundesebene sei zwar die Reformbedürftigkeit erkannt worden, aber was dabei herauskomme, sei noch offen.

Minkley ist als Tochter einer Chemielaborantin und eines Industriemeisters der Chemie in Liederbach und Kelkheim aufgewachsen. Bereits in der Schulzeit engagiert sie sich politisch, 2007 tritt sie den Jusos bei und studiert an der Frankfurter Goethe-Universität Medizin. Der Einstieg in den Beruf fängt schon schwierig an. Nach einem Tag der Einarbeitung in einem Krankenhaus saß sie anderntags alleine in der Notaufnahme. Sechs Monate später wurde ihr gekündigt, weil es hieß, sie sei nicht fit genug für den Chirurgen-Job. Auch während ihrer Facharztausbildung habe es nie eine theoretische Begleitung oder ähnliches gegeben.

„Auf Landesebene geht es vor allem um das Thema Krankenhausplanung. Die Landesregierung hat sich da sehr zurückgezogen.“ Der Zusammenschluss des Klinikums Höchst und der Main-Taunus-Kliniken habe nicht zu etwas Gutem geführt. „Es herrschen katastrophale Zustände.“ Man müsse überlegen, wie man welche Kliniken mit welchem Schwerpunkt erhalte, findet Minkley, die seit vier Jahren im Vorstand der Frankfurter SPD und seit drei Jahren im Vorstand der Hessen-SPD ist. Es gebe einen Konkurrenzkampf der Krankenhäuser. „Das ist nicht Sinn der Daseinsvorsorge.“

Auch bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sieht sie Versäumnisse bei der Ausstellung von Kassensitzen, insbesondere in der Psychotherapie, bei Kinderärztinnen und Kinderärzten. „Da muss das Land in Verantwortung gehen und die KV an einen Tisch holen. Das Land hat da eine Kontrollaufgabe, die es nicht wahrnimmt“, sagt Minkley.

Als Landtagsabgeordnete will sie sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen, die 24-Stunden-Schichten entweder ganz abschaffen oder kontrollieren und sich auf Bundesebene für die Systemveränderung stark machen. Außerdem will sie sich für Klimagerechtigkeit und Antidiskriminierung einsetzen. Auf kommunaler Ebene hat Minkley den aktuellen Koalitionsvertrag für die Themen Gesundheit und Soziales mitverhandelt. Dass es nun mehr Geld für das Geburtshaus gibt, habe sie dezidiert eingebracht, um die Hebammen zu unterstützen.

Für die großen Änderungen im Gesundheitswesen wird Minkley einen längeren Atem brauchen. Nach einem langen und erholsamen Urlaub und viel Zeit für ihre Hobbys Radfahren und Calisthenics sprüht Stefanie Minkley jedenfalls vor Energie für die kommenden Aufgaben.

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