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Start ins Unileben wie vor der Pandemie

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Von: Ramona Wessmann

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Sieht alles ganz locker aus: Semesterbeginn in der Goethe-Uni auf dem Campus Westend. C. Boeckheler (2)
Sieht alles ganz locker aus: Semesterbeginn in der Goethe-Uni auf dem Campus Westend. C. Boeckheler (2) © C. Boeckheler

Trotz Normalbetrieb im Wintersemester befürchten viele Studierende der Goethe-Uni erneute Einschränkungen wegen Corona.

Es wirkt wie der ganz normale Trubel auf dem Campus Westend der Goethe-Universität. Ein sonniger Oktobertag, blauer Himmel und viele junge Menschen, die sich sonnen, mit Kommiliton:innen unterhalten, Kaffee trinken. Am Montag begannen die Vorlesungen und Seminare des Wintersemesters 2022/23.

Corona-Regeln spielen keine Rolle mehr. Auch wenn es vereinzelt noch Maskentragende gibt. Eine Maskenpflicht gibt es weder in Gebäuden noch beim Besuch von Veranstaltungen. Abstandsregeln und Impf- oder Testnachweise sind Vergangenheit. Eigentlich könnte das Unileben wieder genauso sein wie vor Pandemiezeiten.

Und trotzdem fällt es vielen schwer, dies zu glauben. So geht es auch der 21-jährigen Amani und ihrer 25-jährigen Kommilitonin. Die beiden studieren im dritten Semester Islamische Studien im Hauptfach, haben jedoch beide vorher schon andere Fächer ausprobiert. „Die digitalen Semester waren für mich ein Alptraum“, sagt Amani. Sie habe die Uni nicht ein einziges Mal betreten, das Starren auf die schwarzen Kacheln auf dem Bildschirm war für sie eine Katastrophe und führte zu enormen Studienzweifeln.

Sogar den Abbruch erwägte Amani damals. Durch das Zusammenwohnen mit der Großfamilie war Online-Uni für sie noch schwieriger, da sie keinen Rückzugsort hatte, und selbst die Webcam anschalten beinahe unmöglich war.

Jetzt wo es wieder möglich ist, sind Amani und ihre Freundin beide fünf Tage die Woche in der Uni, teils mehr. Allein die Nutzung der Bibliothek erleichtert so viel für sie, denn zu Hause lernen funktioniere einfach nicht.

Sorgen um das kommende Semester machen sie sich trotzdem. Amanis 25-jährige Freundin hat einen Risikopatienten zu Hause, trägt deshalb durchgehend Maske und ist sehr vorsichtig. Für sie ist Corona noch nicht vorbei. Die beiden Studentinnen haben eher gemischte Gefühle, was das Semester angeht. Es seien einfach zu viele negative Assoziationen da, so Amani. Sie hatte sich das Studium anders vorgestellt. Eher so wie auf den Bildern der Homepage: Studierende sitzen auf einer der Campuswiesen und lachen. Doch das sei eher eine romantisierte Vorstellung, befindet Amani.

Auch die Freundinnen Celine (22) und Ruth (24) haben ähnliche Befürchtungen. Sie studieren empirische Sprachwissenschaften im siebten Semester, und sind mit ihrem Fach erst dieses Semester an den Campus Westend gekommen. Vorher waren sie in Bockenheim. Wenn wieder Personenbeschränkungen in Räumen gelten, glauben die beiden, dass sie sofort wieder online gehen müssen, weil sie neu am Campus sind. Ein Corona-freies Semester hatten die Freundinnen zum Glück, konnten Kontakte knüpfen und sich in die Uni einleben. Für dieses Semester erwartet Ruth Enttäuschungen. Schließlich, so sagt sie, wurden auch letztes Wintersemester nach wenigen Wochen Präsenzbetrieb alle Pläne über den Haufen geworfen.

Auch wenn man weiter fragt, wird es nur noch klarer, dass sich Studierende weiter Sorgen wegen Corona machen. Vielleicht auch, weil sie oft diejenigen sind, an die als Letztes gedacht wird.

Aber wer weiß schon, ob Corona wieder alles durcheinanderbringt?
Aber wer weiß schon, ob Corona wieder alles durcheinanderbringt? © C. Boeckheler

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