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Dicht an dicht sitzen die Menschen auf der Bühne, die sich dreht. Rolf Oeser

Gala Oper Frankfurt

Stargast Pretty Yende singt bei feierlichen Operngala in Frankfurt

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Spendenaktion erbrachte fast 800 000 Euro. Yende tritt ohne Gage auf.

Was für ein Fest! Die Oper Frankfurt lud zur Gala und bot den geladenen Gästen ein Programm mit zahlreichen Höhepunkten bis weit nach Mitternacht. Die Herren waren im Smoking erschienen, wie es die Einladung forderte, die Frauen im Abendkleid, wobei Glitzerndes in diesem Jahr in Mode zu sein scheint.

Exakt 917 Gäste schritten am frühen Abend über den roten Teppich. Hostessen brachten Häppchen mit Frischkäse, Fischtartar, Blätterteig. Rotwein, Weißwein, Bier und Sekt flossen an den Bars. Und das war erst der Empfang.

Ab halb acht tummelten sich die Gäste bei freier Platzwahl im Opernsaal, wo Intendant Bernd Loebe mit Witz und Charme durch den Abend führte. „Ich habe vor einigen Tagen eine kleine Niederlage erlebt, als ich den Smoking hineinrutschen wollte.“ Jedes Jahr nehme er ein Kilogramm zu, was daran liege, dass er „für Sie, liebes Publikum“ so oft essen gehe, um neue Talente anzuwerben.

Wie Florina Ilie, die die Arie der Gilda aus dem zweiten Akt von Verdis „Rigoletto“ sang. Sie arbeite im Opernstudio, der Talentschmiede, der Oper Frankfurt, wo sie „1400 Euro“ verdiene, wie Loebe sagte, „da muss man die Oper wirklich lieben“. Er kündigte an, sie in das Ensemble übernehmen zu wollen.

Überhaupt setze sich das Ensemble mit seinen derzeit 42 Stimmen zu 25 Prozent aus früheren Mitgliedern des Opernstudios zusammen.

Ein weiteres Talent, den Tenor Long Long, brachte Loebe vom Gesangswettbewerb „Neue Stimmen“ mit, welchen der Sänger gewonnen hatte. Long Long sang „L’ultima canzone“ von Francesco Paolo Tosti und „Dein ist mein ganzes Herz“ aus Lehárs Operette „Das Land des Lächelns“. „Diesem Mann steht eine große Zukunft bevor“, vermutet Loebe.

Dann kam der Stargast des Abends, so spontan, dass sie es nicht mehr ins Programmheft geschafft hatte, die südafrikanische Opernsängerin Pretty Yende, die bereits auf der ganzen Welt auftrat, unter anderem an der Metropolitan Opera in New York. In Frankfurt sang sie „ohne Gage“, wie Loebe sagte, der sie mit einem guten Argument nach Frankfurt lockte. Ihre jüngere Schwester, Nombulelo Yende, hatte beim Wettbewerb „Neue Stimmen“ das Finale erreicht, war dann aber nur auf dem vierten Platz gelandet. Und so bot Loebe den beiden einen gemeinsamen Auftritt an. Die Yende-Schwestern sangen, vom Publikum gefeiert, aus Strauss Operette „Die Fledermaus“.

Ein weiterer Höhepunkt war das Bankett auf der Opernbühne. Die Gäste nahmen gegen halb zehn Platz, um mit einer Vorspeise aus „Blumenkohl, Raps, Lemon, Hafermilch Panna Cotta, wilder Brokkoli“ verwöhnt zu werden, gefolgt von „Artischocke, Mais im Duett, Mille Feuille geflämmt, Popcorn und Crunch, grüner Anis“, wahlweise mit dem „besten Stück vom Rind“. Im Foyer wurden später noch Nachspeisen aufgetischt.

Am Tisch unterhielt man sich über Cum-Ex-Geschäfte, die Studiengebühren an privaten Eliteuniversitäten in den Vereinigten Staaten, die landschaftliche Schönheit des Vordertaunus, bis der Boden anfing, sich unter den Füßen zu bewegen. Was nicht am Alkohol lag. Die Bühne drehte sich.

Genau 775 000 Euro kamen bei der Spendenaktion, getragen vom Patronatsverein der Oper, zusammen, etwas weniger als in den Vorjahren (rund 900 000 Euro), doch genug, um zwei Produktionen zu finanzieren. Und schon jetzt ist klar, dass die Oper für einen Neubau großzügige Geldgeber benötigen wird.

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