+
Gegen den Stalker Stefan B. lag ein Annäherungsverbot vor.

Landgericht

Stalker ersticht Ex-Freundin

  • schließen

Vor dem Landgericht beginnt der Prozess um den grausamen Tod einer Bockenheimer Ärztin.

Der 35 Jahre alte Stefan B. muss sich seit Dienstag wegen Mordes vor dem Landgericht verantworten. Er soll seine ehemalige Freundin, die 32 Jahre alte Ärztin Ines T., am 17. Februar dieses Jahres vor deren Wohnung in Bockenheim mit außergewöhnlicher Brutalität ermordet haben – die Anklage nennt als Mordmerkmale Heimtücke und niedere Beweggründe. Ebenfalls angeklagt sind Körperverletzung, Nötigung und Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz. Angesichts der Mordanklage fällt das strafrechtlich kaum ins Gewicht – doch die Vorgeschichte ist nicht weniger schaurig als die Tat selbst.

Im Oktober 2018 hatte sich B., so die Anklage, von seiner Freundin getrennt – das aber kurz darauf wieder bereut. Ganz im Gegensatz zu der Frau, die wohl froh gewesen war, ihn los zu sein. Am 2. Dezember lauert er seiner Ex-Freundin vor deren Wohnung auf, dringt in die Wohnung ein, als sie die Tür aufschließt, und nimmt der Frau Handy, Laptop und Tablet ab, um diese nach eventuellen Kontakten zu anderen Männern zu durchsuchen. Er schmeißt die Frau auf die Couch, reißt sich das T-Shirt vom Leib und droht der Frau, dass er sie „heute Abend fressen“ werde.

In Todesangst lügt die Frau ihm vor, sie bereue die Trennung, an der sie alleine Schuld trage, und dass sie ihn noch immer liebe. Er will die Versöhnung sofort im Bett feiern, als es an der Tür klopft. Die Frau gibt vor, kurz nachschauen zu wollen, und nutzt die Gelegenheit zur Flucht. Am Tag darauf erwirkt sie am Amtsgericht ein Annäherungsverbot gegen ihren Stalker.

Stefan B. hält sich nicht daran. Immer wieder versucht er, Kontakt aufzunehmen, wird laut Staatsanwaltschaft „zunehmend eifersüchtig“, ist „besessen von der Idee, dass beide als Paar zusammengehören“. Am 17. Februar fährt der Pfungstädter nach Bockenheim, um ein finales Beziehungsgespräch zu führen. Dessen Scheitern kalkuliert er wohl ein, er hat ein Küchenmesser mit einer Klingenlänge von zwölf Zentimetern eingesteckt.

Drei Stunden gewartet

Nachdem er knapp drei Stunden gewartet hat, kommt Ines T. nach Hause, er verbirgt das Messer in der Jacke und nötigt seinem Opfer ein Gespräch auf, das eine vermutlich quälend lange Stunde dauert. Als T. sich schließlich mit der Bemerkung abwendet, sie werde die Beziehung niemals wieder aufleben lassen, weil er „nicht der Richtige“ sei, hat sie damit laut Anklage „ihre letzte Chance auf ein Weiterleben vertan“. Er sticht von hinten auf sie ein, steigert sich in einen Blutrausch, schneidet der Frau die Kehle durch und lässt sich auch nicht von einem Passanten stoppen, der der sich verzweifelt wehrenden Frau zur Hilfe eilt und B. zwei Mülltonnen an den Kopf wirft. Ines T. stirbt noch vor dem Eintreffen des Rettungswagens. Ihr Körper weist 18 Schnittverletzungen auf. Stefan B. flüchtet heim nach Pfungstadt, will sich mit Alkohol und Tabletten umbringen, aber dazu fehlt ihm letztlich der Mut.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare