Schon seit Jahren wird über die Zukunft der Städtischen Bühnen diskutiert. Michael Schick
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Schon seit Jahren wird über die Zukunft der Städtischen Bühnen diskutiert. Michael Schick

Oper und Schauspiel

Städtische Bühnen Frankfurt: Entscheidung gegen die Sanierung

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Die Stadtverordneten legen sich bei der Zukunft der Bühnen auf die Neubau-Lösung fest.

Die Stadtverordneten haben am Donnerstag im Stadtparlament einen Antrag der Koalition aus CDU, SPD und Grünen beschlossen, eine Sanierung der Theater-Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz nicht weiter zu verfolgen. Ein Vorschlag zur Vorgehensweise für einen Neubau von Schauspiel und Oper soll erarbeitet werden. „Die Sanierung ist vom Tisch“, sagte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). „Das ist nicht zukunftsfähig, nicht nachhaltig und teuer.“

Zuvor war vergangene Woche das Ergebnis einer einjährigen Prüfung der Stabstelle „Städtische Bühnen“ der Kommune vorgelegt worden. Danach würde eine Sanierung 918 Millionen Euro kosten. Für einen Neubau am Willy-Brandt-Platz errechnete die Stabsstelle Kosten von rund 875 Millionen Euro. Wirtschaftlicher wäre die Errichtung von zwei getrennten Neubauten an unterschiedlichen Standorten: Dies koste 809 Millionen Euro. So empfahl Hartwig auch zwei Neubauten an zwei Orten, „wobei der Willy-Brandt-Platz weiterhin mindestens eine Bühne haben muss“. Es mache traurig, vom Bau Abschied zu nehmen, denn er stehe für den demokratischen Aufbruch nach dem Zweiten Weltkrieg. „Wir müssen den Geist überführen ins 21. Jahrhundert.

Die CDU plädierte dafür, an anderer Stelle einen gemeinsamen Neubau zu errichten. Thomas Dürbeck (CDU) sagte: „Interimsanlagen sollen vermieden werden.“ Denn man mache sich Sorgen, dass genügend Zuschauerplätze vorhanden seien, und wie es künstlerisch in dem Provisorium weitergehe. Nun müssten Standorte für die Bühnen untersucht werden. „Wir sind offen für Vorschläge.“ Man könne sich die Bühnen am Osthafen vorstellen.

Das kann die SPD nicht. Renate Wolter-Brandecker (SPD) warf Baudezernent Jan Schneider (CDU) wegen des CDU-Vorschlags vor, er wolle „keinen Erfolg der Kulturdezernentin“. Die SPD möchte den Willy-Brandt-Platz auf jeden Fall als „kulturelles Herz“ der Stadt erhalten, sagte Wolter-Brandecker. Eine Vermarktung komme nicht infrage. „Der Willy-Brandt-Platz darf nicht zum Spekulationsobjekt werden.“

Für die Grünen ist „der Willy-Brandt-Platz die Adresse der Wahl“, sagte Sebastian Popp (Grüne). Weitere Planungsschritte sollten sich darauf konzentrieren. Popp rief dazu auf, auch eine Debatte über Inhalte und Räume zu führen. Ob etwa mit einer Ballettsparte geplant werden solle. „Vielleicht hat das in 50 Jahren eine große Bedeutung – darüber müssen wir uns jetzt Gedanken machen“, sagte Popp. Eine Interimslösung müsse zeitlich minimiert und künstlerisch sinnvoll sein.

Für Baudezernent Jan Schneider (CDU) wird an dem Abend zu wenig über mögliche Standorte diskutiert. Es gebe nur den CDU-Vorschlag für den Osthafen. „Wir müssen ganz konkret über Flächen sprechen, die uns zur Verfügung stehen“, sagte er. „Und dann können wir überlegen, was das Beste ist.“ Er forderte die anderen Fraktionen auf, Ideen vorzustellen. Die Osthafen-Idee stößt bei Planungsdezernent Mike Josef (SPD) nicht auf Zustimmung. Das Grundstück sei von einem großen Unternehmen belegt, das dann abgefunden werden müsste. „Sobald wir das beschließen, wird das Unternehmen anfangen zu zocken“.

Für Stefan von Wangenheim (FDP) ist der Bühnenbau „ein alter liebgewonnener Kasten“. Diese emotionale Bindung an den Ort könne nicht einfach in den Osthafen verschoben werden. Die FDP erwägte, eine Oper in den Wallanlagen zu bauen. Für Popp kommt das nur infrage, wenn die Größe der Wallanlagen-Fläche durch Tausch gesichert oder größer werde. „Die Wallanlagen sind ein hohes Gut.“

Manfred Zieran (Ökolinx) lehnte einen Eingriff in die Wallanlagen ab. „Das ist angesichts der Klimakrise unmöglich.“ Wolter-Brandecker schloss das nicht aus. „Das Wallservitut lässt Ausnahmen zum Wohle der Stadt zu“, sagte sie. Und das derzeitige Schauspiel sei eine solche Ausnahme.

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