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Städtische Bühnen in Frankfurt am Main.

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SPD baut politische Brücke

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Im Streit über die städtischen Bühnen ist ein Kompromiss zwischen SPD, CDU und Grünen noch vor der Kommunalwahl 2021 zweifelhaft.  

Mehr als 5300 Architekten, Planer, Historiker und andere Akteure aus Kultur und Wissenschaft haben mittlerweile einen bundesweiten Aufruf zur Zukunft der Städtischen Bühnen in Frankfurt unterschrieben. Der Appell fordert, dass wesentliche Teile der Theaterdoppelanlage aus dem Jahr 1963 erhalten bleiben sollen. Insbesondere ist da von dem langgestreckten, verglasten Wolkenfoyer am Willy-Brandt-Platz die Rede. Und genau diesen historischen Bestandteil wollen die städtische Stabsstelle sowie Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) und Planungsdezernent Mike Josef (SPD) nun tatsächlich erhalten.

Zum ersten Mal bekommen also das architektonische und das zeitgeschichtliche Erbe, das die Städtischen Bühnen verkörpern, tatsächlich Gewicht. Und die Kommunalpolitiker besinnen sich spät auf diese Aspekte, die bisher in der politischen Debatte kaum eine Rolle spielten. Das ist gut und richtig so. Mit der Aktion der 5300 Unterzeichner hat das freilich weniger zu tun.

In Wahrheit bauen Hartwig und Josef da gerade an einer politischen Brücke, über die am Ende auch CDU und Grüne, die Partner in der Römer-Koalition, gehen sollen. Dass Teile der alten Theaterdoppelanlage Denkmalwert besitzen, ist nicht neu. Schon 2016 hatte es das Landesamt für Denkmalpflege in der FR dargelegt. Jetzt bekräftigen die Kuratoren ihre Haltung noch einmal. Und verdeutlichen damit, dass ein schnöder Abriss der Bühnen für die Stadt schwierig werden würde. Der Kompromiss, der den drohenden Konflikt erspart, könnte ein Neubau am Willy-Brandt-Platz sein, der einen wichtigen Teil des alten Bauwerks integriert.

Damit wäre der Ort des Neubaus am Brandtplatz fixiert, auch das ist gut und richtig. Nach der SPD hätten wohl auch die Grünen kein Problem, diese politische Brücke zu betreten. Sie wollten den Platz im Herzen der Stadt schon immer als Standort des städtischen Theaters. Der CDU böte das Argument des Denkmalschutzes die Möglichkeit, ihr Gesicht zu wahren und auf ihren Vorschlag zu verzichten, die Bühnen am Osthafen neu zu bauen. Die Römer-Koalition könnte sich auf diesem Wege über den Standort eines weitgehenden Neubaus verständigen. Der Weg für einen Architektenwettbewerb wäre frei, der wegweisend sein könnte für einen Theaterbau im 21. Jahrhundert.

Ob diese Konstruktion allerdings politisch tatsächlich trägt, ist eher zu bezweifeln. Es steht zu befürchten, dass weniger als ein Jahr vor der Kommunalwahl im Frühjahr 2021 die parteipolitischen Fronten zu verhärtet sind für Kompromisse.

Claus-Jürgen Göpfert

Die Frankfurter SPD attackiert Baudezernent Schneider, die CDU kontert mit einem Angriff auf Planungsdezernent Josef. Die Koalition im Frankfurter Römer zerfällt politisch.

In Frankfurt hat Baudezernent Jan Schneider (CDU) Michael Simon, den Leiter des zentralen Bauamts, freigestellt und will seine Ablösung. Recherchen der FR ergeben: Das Verhältnis zwischen Schneider (39) und Simon (41) ist heillos zerrüttet.

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