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Umgestaltet mit neuem Farb- und Lichtkonzept ist der Sammlungsbereich Alte Meister wieder dem Publikum zugänglich.
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Umgestaltet mit neuem Farb- und Lichtkonzept ist der Sammlungsbereich Alte Meister wieder dem Publikum zugänglich.

Frankfurter Museen

Städel öffnet die Sammlung „Alte Meister wieder fürs Publikum

Seit vorigem Jahr wurde der Sammlungsbereich „Alte Meister“ dank vieler privater Spenden für rund 750 000 Euro neu geplant, umgestaltet und umgebaut. Nun wird er wieder für das Publikum mit neuem Farb- und Lichtkonzept geöffnet.

Vielleicht erinnert der eine oder die andere sich noch an das brombeerfarbene Treppenhaus, an das satte Königsblau und das dunkle Rot an den Wänden der zweiten Etage im Städel-Museum. Ein Spiel der knalligen Sekundärfarben trat fast in Konkurrenz zu dem Prunk der altehrwürdigen Meister wie Tizian, Botticelli, Vermeer und Poussin.

Doch nach zehn Jahren war buchstäblich der Putz ab – physisch und ästhetisch. So beschreibt es der Sammlungsleiter für die italienische, französische und spanische Malerei vor 1800, Bastian Eclercy, und fügt hinzu: „Wir wollten den Modus ändern und unterschiedliche Dinge ausprobieren. Das Ziel ist es, zu animieren, neu auf die Bilder zu schauen.“ Seit vorigem Jahr wurde der Sammlungsbereich „Alte Meister“ dank vieler privater Spenden für rund 750 000 Euro neu geplant, umgestaltet und umgebaut. Nun wird er wieder für das Publikum geöffnet.

Wenn man in dem Treppenhaus an der Schwelle zu Barockzeit und Renaissance steht, ist von dem Brombeerviolett der Wand nichts mehr zu erahnen. Vielmehr begrüßt einen ein nüchternes „Staubschwarz“. Direktor Philipp Demandt betont die Rückbesinnung auf den Wiederaufbau des Städels in den 50er Jahren. Der Architekt Johannes Krahn hatte damals schlichte Eckbauten angefügt und sich nicht am historischen Vorbild orientiert. Auch diese Ästhetik spielte bei der Umgestaltung eine Rolle.

Die kühle und dezente Nüchternheit der neuen Farbgestaltung setzt sich in den folgenden Räumen fort: Es dominiert grau, manchmal gemischt mit etwas blau oder grün. Auch das Licht wirkt gedeckt, so dass man intuitiv einen Lichtschalter betätigen möchte. Keine Leuchtröhren, keine Spots, keine Scheinwerfer: Nur die milchigen Lichtkacheln an der Decke lassen gedämpftes Tageslicht hinein, das in den Seitenkabinetten mit LED-Leuchten simuliert wird. „Wir möchten die Bilder zum Strahlen bringen“, betont Demandt.

Und wenn man dann endlich den Blick von der Suche nach künstlichem Licht, das einen führen soll, abwendet und auf die Bilder lenkt, erkennt man, was er meint: Leuchtende Himmelsfetzen, aufgebrochene Wolkenfelder, weiße Mühlsteinkragen, glänzende Gesichter, weite Landschaften, goldene Ornamente – das Licht leuchtet aus den Bildern heraus, ohne offenkundig in Szene gesetzt zu werden.

Deutlich wird das auf Gemälden wie Nicolas Poussins „Gewitterlandschaft mit Pyramus und Thisbe“ (1651). Auf dem Bild stellt er die Vorläufergeschichte von Romeo und Julia nach Ovid dar. Eine düstere Szenerie, auf der das Heraneilen der verzweifelten Thisbe zum toten Pyramus im Hinblick auf den großflächigen Gewitterhimmel eher ein Nebenschauplatz zu sein scheint. Die Lichtspiele, die das Dunkel durchbrechen, sind dezent; die Blitze ziehen sich wie dünne Fäden durch den düsteren Himmel und wirken gleichzeitig so eindrücklich, als würden sie die Wolken zerreißen. Auf den Gemälden der venezianischen Malerei schillert der blaue Himmel wie auf Giovanni Battista Tiepolos „Die Heiligen der Familie Crotta“ (1750). Nur ein Fenster im Bildhintergrund macht ihn sichtbar und lenkt durch seine Farben dennoch den Blick auf sich.

Doch auch die Hängung gibt mehr Raum für die Bilder. Jochen Sander, stellvertretender Direktor und Sammlungsleiter der holländischen, flämischen und deutschen Malerei vor 1800, betont, man habe auf die Petersburger Hängung verzichtet, bei der die Bilder eng aneinander und übereinander angeordnet werden. „Da geht jedes einzelne Bild unter“, erläutert er. In der reduzierten Raumgestaltung gibt es nun genügend Abstand zwischen den einzelnen Werken. Auch den üppigen Altären wird dadurch der Raum zuteil, dass man sie in Ruhe betrachten kann.

Im dezenten Dekor der umgestalteten Räume erstrahlen die alten Farben der Meister noch einmal im neuen Licht. So steht jedes Bild für sich und lädt dazu ein, sein zeitloses Leuchten neu zu entdecken. (Eileen Kelpe)

Oberlicht im ersten Raum der Sammlung.

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