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Der Bunker am Glauburgplatz ist ein markantes Bauwerk.

Nordend

Ein Stadtteilzentrum schaffen

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Ulrich Rathgeb und die Initiative Glauburgbunker möchten den Bau für kulturelle und soziale Zwecke nutzen. Die Stadt schaue bei der künftigen Nutzung zu sehr auf den Geldbeutel, moniert die Initiative.

Ulrich Rathgeb, 56, ist der Sprecher der Bunker-Initiative, die zum Ziel hat, den Abriss des Glauburgbunkers zu verhindern. Er wurde in Buenos Aires geboren und lebt seit 1988 in Frankfurt, seit 2012 im Nordend. Rathgeb arbeitet als Anwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht.

Herr Rathgeb, glauben Sie noch daran, dass der Glauburgbunker stehen bleiben darf?
Natürlich, warum nicht? Nach unseren Informationen hat der Käufer noch keinen Antrag auf Abriss des Bunkers gestellt. Es gibt zwar eine Bauvoranfrage, die den Abriss des Bunkers und einen Neubau beinhaltet, aber darüber wurde seitens der Stadtverwaltung noch nicht entschieden. Auch der Ortsbeirat 3 hat sich in seiner letzten Sitzung ausdrücklich für den Erhalt des Bunkers ausgesprochen. Wir haben daher die Hoffnung keineswegs aufgegeben.

Falls der Abriss kommt: Was schwebt Ihnen für den Neubau vor?
Dass zumindest das Erdgeschoss des Neubaus für kulturelle und soziale Zwecke genutzt wird. Wir wünschen uns eine Begegnungsstätte für die Bürger des Stadtteils. Diese könnte für Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen oder Kinoabende genutzt werden. Zudem denken wir an Sprach- und Musik-Workshops, außerdem sollen die Räume von Vereinen und Gruppen angemietet werden können, etwa für Senioren- oder Jugendtreffs. All das wäre aber viel leichter umsetzbar im jetzt bestehenden Bunker. Es gibt viele Städte, in denen Bunker kulturell genutzt werden, zum Beispiel Köln-Mühlheim oder Duisburg. Auch in Frankfurt, etwa der Germaniabunker in Bornheim oder der Leunabunker in Höchst.

In der Bauvoranfrage ist neben 43 Wohnungen auch „eine Anlage für kulturelle Zwecke“ vorgesehen. Könnten Sie mit diesem Modell leben?
„Kulturelle Zwecke“ ist natürlich sehr vage. Stadt und Investor müssten zunächst einmal aushandeln, was sie denn eigentlich darunter verstehen. Der Käufer des Bunkers wird im Hinblick auf den von ihm geplanten Wohnungsbau sicherlich auch seine Vorstellungen haben, die kennen wir aber nicht. Wenn sie sich mit unseren Ideen decken, dann wäre das natürlich zu begrüßen, was aber an unserer Zielsetzung – dem Erhalt des Bunkers – nichts ändert.

Für wie realistisch halten Sie es, dass Ihre Ideen für ein Stadtteilzentrum umgesetzt werden?
Das hängt maßgeblich davon ab, ob die Stadtverwaltung die Interessen der Anwohner endlich ernst nimmt. Die Stadt hat nach den uns vorliegenden Informationen im Jahr 2003 die Grünflächen rund um den Bunker an den damaligen Eigentümer verkauft, sich aber ein Rückkaufsrecht zusichern lassen, falls die Museumsnutzung nicht aufrechterhalten wird. Damit hätte sie also ein gewisses Druckmittel bei Verkaufsverhandlungen gehabt. Offensichtlich hat die Stadt aber nie daran gedacht, ein eigenes Kaufangebot für den Bunker abzugeben, was wir nicht verstehen können. Vielmehr geht es ihr augenscheinlich nur darum, eine möglich hohe Entschädigungszahlung für den Verzicht auf das Rückkaufsrecht zu erzielen. Wir sehen bei der Stadt insoweit ein rein kommerzielles Interesse. Dem Magistrat scheinen die Sorgen und Interessen der Anwohner und Gewerbetreibenden, der angrenzenden Schwarzburgschule und der Kita ziemlich gleichgültig zu sein.

Welche Konsequenzen erwarten Sie für die Anlieger?
Wenn es zum Abriss kommt, ist das keine Sache von zwei, drei Monaten. Das wird sich sicherlich über mehrere Jahre hinziehen. Sie können sich vorstellen, mit welchen Beeinträchtigungen die Betroffenen dann leben müssen: mit höllischem Lärm, Erschütterungen, Staub, Schmutz, Straßensperrungen, massivem Lkw-Verkehr. Der Magistrat setzt sich hiermit nicht auseinander und verschließt bewusst die Augen.

Wie bewerten Sie es, dass die Stadt sich das Rückkaufrecht abkaufen lässt?
Das zeigt mit aller Deutlichkeit, dass es der Stadt in erster Linie um kommerzielle Interessen geht. Mit dem Verzicht auf das Rückkaufsrecht gibt sie schlicht das Heft des Handelns aus der Hand. Es gab ja Anfang 2017 bereits einen Kaufinteressenten, der während der Verhandlungen abgesprungen ist. Das ist jetzt reine Spekulation, aber ich könnte mir vorstellen, dass die Höhe der Entschädigung eine nicht unerhebliche Rolle dabei gespielt hat. Wir haben das Gefühl, dass sich die Stadt nur für diese sogenannte Entschädigung interessiert

Haben Sie Angst, dass diese Entschädigung auf die Nordend-Bewohner zurückfällt?
Die Entschädigung wird sicherlich vollständig auf den Verkaufs- oder Mietpreis der Wohnungen umgelegt werden. Es ist mit sehr hochpreisigen Wohnungen zu rechnen.

Was wünschen Sie sich von der Stadt für die weiteren Verhandlungen mit dem Investor?
Wir fordern, dass man seitens der Stadtverwaltung den Ortsbeirat und die BI bei den Gesprächen einbezieht. Und dass man die kulturelle Nutzung vertraglich festklopft. Außerdem appellieren wir an die Stadt, dass sie die Interessen der Anwohner vertritt und sich nicht darauf beschränkt, eine Verhandlung über eine Entschädigungszahlung zu führen. Wir verlangen, dass sie das Bestmögliche für den Stadtteil herausholt und sich für den Erhalt des Bunkers einsetzt.

Warum liegt Ihnen der Bunker überhaupt so am Herzen?
Weil wir die Möglichkeit sehen, eine prägende kulturelle und soziale Institution im Nordend zu schaffen. Das könnte etwas ganz Besonderes werden. Der Bunker hat schon von seinem Äußeren her eine sehr markante Wirkung. Ihn aufzugeben wäre ein weiterer Schritt, das Nordend zu einem Stadtteil zum Wohnen für Gutverdienende absinken zu lassen, in dem kulturelle und soziale Aktivitäten keine Rolle spielen.

Interview: Manuel Schubert

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