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Stadtpolizei Frankfurt stöhnt über Pandemie und wilden Sperrmüll

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Von: Oliver Teutsch

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Die Stadtpolizei hat viel kontrolliert im vergangen Jahr. Rolf Oeser
Die Stadtpolizei hat viel kontrolliert im vergangen Jahr. Rolf Oeser © ROLF OESER

Das Jahr 2021 hat der Behörde einige traurige Rekorde beschert. Bahnhofsviertel und Plätze im Nordend als größte Problemzonen. Keine Musik mehr auf der Haupwache, weil Anwohnerin klagte.

Berge von Sperrmüll, renitente Feierwütige, ein Bahnhofsviertel im Ausnahmezustand, eine Pandemie und eine Rekordzahl an Anrufen beim Sicherheitstelefon: Die Stadtpolizei hat auch 2021 alle Hände voll zu tun gehabt. Bei der Präsentation der Zahlen stellte Steffen Gransow, der stellvertretende Leiter der Stadtpolizei, zunächst das Thema „Umwelt“ in den Vordergrund. Die Ablagerung von wildem Sperrmüll ist seit Jahren ein massives Problem, das während der Pandemie noch zugenommen habe, weil viele womöglich ihre Wohnungen renoviert hätten, vermutet Gransow.

Die Stadtpolizei hat auf die Entwicklung reagiert und ihre Ermittlungsgruppe Müllsünder verstärkt. Zwar sei es sehr schwer, solche Vergehen nachzuweisen. Aber immerhin in 1818 Fällen konnten die Schuldigen ermittelt und zur Kasse gebeten werden. (2012: 1109). Ordnungsdezernentin Annette Rinn verdeutlichte an einem Beispiel, wie wenig Unrechtsbewusstsein die Menschen in der Sache hätten. So zeigte sich ein Mann, der in den westlichen Stadtteilen bei der Ablagerung erwischt wurde, laut Rinn verwundert: „Nein ,nein, das ist legal, die Nachbarn machen das auch immer, die FES holt das alle zwei Wochen ab.“

Im Bahnhofsviertel indes räumt die Stadtreinigung den Sperrmüll nur noch in Begleitung der Stadtpolizei weg. „Im Bahnhofsviertel haben die Probleme durch Corona nochmal zugenommen“, räumte Rinn ein. Sichtbarer würden die Missstände auch dadurch, dass die meisten Abgänge zur B-Ebene des Bahnhofs wegen des Umbaus geschlossen sind. Es brauche im Bahnhofsviertel auch dringend mehr öffentliche Toiletten, forderte Rinn.

Digitalfunk

Frankfurts Stadtpolizei wird als erste bundesweit an den Digitalfunk der Behörden mit Sicherheitsaufgaben angeschlosen. Damit können Stadtpolizei und Landespolizei bei größeren Lagen künftig auf einer Welle funken und müssen nicht mehr den Umweg über das Telefon nehmen.

Für das Pilotprojekt stehen 150 000 Euro zur Verfügung. Damit sollen 100 Bedienstete im uniformierten Außendienst mit Handfunkgeräten und 26 Dienstfahrzeugen ausgestattet werden. Nach einer Schulung soll die Stadtpolizei voraussichtlich im Herbst erstmal digital funken. ote

Klage gegen Musik

Die Beschwerden am Sicherheitstelefon drehen sich in vielen Fällen genau darum: Urinieren oder Drogenkonsum im öffentlichen Raum, Ablagerung von wildem Sperrmüll. Die Anzahl der Anrufe habe aber auch aufgrund der Pandemie einen neuen Höchststand erreicht, da häufig Maskenverstöße gemeldet würden. Lag die Zahl der Anrufe 2012 noch bei 14 786, waren es im vergangenen Jahr 23 419.

Viele Anrufe gibt es auch immer zum Thema Ruhestörung, insbesondere auf den öffentlichen Plätzen im Nordend. Der Friedberger Platz sei seit zehn Jahren eine Anlaufstelle zum Feiern, durch die Pandemie habe die Problematik „nochmal massiv verstärkt“, so Gransow. Es sei mittlerweile auch deutlich schwieriger Plätze zu räumen, weil mehr Aggressionen im Spiel seien. Auch die Anzahl derer, die eine Pizzaschachtel „einfach unter sich werfen, hat leider deutlich zugenommen“, so Rinn.

Die Stadtpolizei hat das Besucheraufkommen an Spitzentagen dokumentiert. So sollen sich am 3. September 2021 bis zu 3000 Menschen auf dem Friedberger Platz aufgehalten haben. Am selben Abend sollen 800 Menschen auf dem Luisenplatz gewesen sein. Der Merianplatz war im Sommer kurz ein Hotspot, am 13. August versammelten sich dort 1000 Menschen.

Mit dem Wegfall vieler Corona-Maßnahmen habe sich die Lage entspannt. So habe in diesem Jahr die Polizei noch nicht um Hilfe bei der Räumung eines Platzes gerufen werden müssen. Der Druck auf die Plätze im Nordend könnte aber bald wieder steigen. Denn eine Anwohnerin hat gegen die Musik auf der Hauptwache erfolgreich geklagt, wodurch die Attraktivität der Ausweichfläche deutlich abgenommen hat.

FWilden Sperrmüll, wie hier in der Nordweststadt, gibt es leider sehr häufig in Frankfurt. Foto: Rolf Oeser
FWilden Sperrmüll, wie hier in der Nordweststadt, gibt es leider sehr häufig in Frankfurt. Foto: Rolf Oeser © ROLF OESER

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