Behindertenhilfe

Stadt will Cebeef nicht übernehmen

  • schließen

Das Sozialdezernat nennt eine Umwandlung in einen Eigenbetrieb „ungewöhnlich“. Aber die Lebenshilfe hat Interesse, bei dem insolventen Träger der Behindertenhilfe einzusteigen.

Beim Neujahrsempfang des Deutschen Gewerkschaftsbundes am Samstag hatten Beschäftigte des Clubs Behinderter und ihrer Freunde (Cebeef) die Bühne betreten und auf ihre Situation aufmerksam gemacht: Nach der sogenannten Schutzschirminsolvenz sei das Schicksal des Cebeef weiter ungewiss. Durch die Insolvenz seien alle Überstunden verfallen, jüngst wurde das Weihnachtsgeld gestundet. Wie schon in der Vergangenheit sei auch in den fast drei Jahren Dauer der Insolvenz ein „dickes Minus“ eingefahren worden. Jetzt befürchten viele Mitarbeiter, dass der Verein zerschlagen und die lange erkämpfte Tarifbindung aufgegeben wird. Deshalb stellten sie im Gewerkschaftshaus die Forderung auf, dass die Stadt aus dem Cebeef einen kommunalen Eigenbetrieb machen solle.

Das wäre ausgesprochen ungewöhnlich, erklärte Manuela Skotnik vom Sozialdezernat am Montag. Ein vergleichbarer Fall sei nicht bekannt. Außerdem sehe der Gesetzgeber vor, dass sich der Staat zurücknehmen soll, wenn freie Träger zur Verfügung stünden. Und für den Cebeef gebe es durchaus Interessenten. Gleichzeitig machte Skotnik deutlich, dass das Sozialdezernat die Arbeit und das Engagement der Mitarbeiter des Cebeef sehr schätze. Man wisse, wie wichtig es für die behinderten Menschen sei, zu ihren Betreuern ein vertrauensvolles Verhältnis zu haben.

An einer Übernahme des Cebeef sind dem Vernehmen nach zwei Anbieter interessiert: das Pflegewerk Berlin und die gemeinnützige Lebenshilfe. Deren Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender Volker Liedtke-Bösl bestätigte auf Anfrage, dass die Lebenshilfe ein „großes Interesse“ daran habe, dass die Angebote des Cebeef weitergeführt würden. So passe etwa die Schulassistenz sehr gut zu dem Vorhaben seines Vereins, die Inklusion in Schulen voranzutreiben. Auch die Versorgung mehrfach behinderter Menschen rund um die Uhr stimme mit dem Konzept der Lebenshilfe überein. Die Frist, ein Angebot zu machen, laufe aber erst am 18. Februar ab.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare