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Ausstellung "Hans Traxler: Zum Neunzigsten", Caricatura Museum Frankfurt, Hans Traxler nach der PK mit seinen Werken in der Ausstellung.

Kultur

Frankfurt: Stadt stärkt Caricatura

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Das Museum für Komische Kunst erhält drei neue Stellen.  Für eine Selbstständigkeit sind aber mehr nötig.

Mit der Ausstellung zum 90. Geburtstag von Hans Traxler verbucht das Caricatura Museum in Frankfurt am Weckmarkt 17 gegenwärtig einen Publikumserfolg. Rund 4500 Menschen sind seit dem 26. Mai gekommen. Doch der lange Kampf um Selbstständigkeit der international renommierten Institution ist noch nicht entschieden. Sie braucht dringend mehr Personal und größere finanzielle Unterstützung. Beides steht bisher in keinem Verhältnis zum Ansehen des Hauses über Frankfurt hinaus.

Jetzt gibt es ein erstes positives Signal aus dem Römer. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) kündigt die Schaffung von drei zusätzlichen Stellen für das kleine Team der Caricatura an. Wie ihre Sprecherin Jana Kremin berichtet, ist bereits im April eine Kuratorenstelle eingerichtet worden. Darüber hinaus sollen im nächsten Jahr eine Position für die Verwaltung und eine Volontariatsstelle für die wissenschaftliche Arbeit entstehen. Damit würde das Team des Museums von vier auf sieben Köpfe anwachsen. Hartwig macht deutlich, dass sie damit einen Arbeitsplatz mehr für das Haus durchgesetzt habe, als von ihr selbst erwartet.

In den zurückliegenden Wochen hatte Bürgermeister und Kämmerer Uwe Becker (CDU) mit allen Magistratsmitgliedern sogenannte Chefgespräche über den kommenden städtischen Doppelhaushalt 2020/2021 geführt. Dabei ist es der Kulturdezernentin offenbar gelungen, den finanziellen Spielraum für das Caricatura Museum etwas zu erweitern.

Doch die zentrale Frage bleibt bisher unbeantwortet: Gewinnt das Museum für Komische Kunst tatsächlich seine Eigenständigkeit, für die sein Direktor Achim Frenz seit Jahren engagiert kämpft? Bisher hat er nur erreicht, dass sein Haus aus dem früheren organisatorischen Verbund mit dem Historischen Museum herausgelöst wird. Die Caricatura ist jetzt direkt an das städtische Kulturamt und dessen Leiterin Sybille Linke angedockt. Mit den Worten der Kulturdezernentin: Frenz werde „im administrativen Bereich durch das Kulturamt unterstützt und gestärkt“.

Diese Konstruktion ist entstanden, weil es nach wie vor keinen Beschluss der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen für eine Selbstständigkeit gibt. Am 27. September 2018 hatten die Koalitionsfraktionen im Stadtparlament lediglich die Prüfung der Frage beschlossen, was für eine Autarkie der Caricatura erforderlich sein würde.

Jetzt hat Hartwig diesen Bericht vorgelegt. Das Ergebnis: Für eine organisatorische Selbstständigkeit wären jährlich 400 000 Euro mehr nötig. Gegenwärtig liegt das gesamte Jahresbudget des Hauses lediglich bei 857 000 Euro. Davon entfallen 380 000 Euro auf das Personal, 315 000 Euro auf den Betrieb und den Unterhalt des Gebäudes.

Für Ausstellungen und Projekte bleiben Direktor Frenz gerade einmal 162 000 Euro im Jahr. Den zusätzlichen Mitarbeiterbedarf für ein eigenständiges Museum beziffert Hartwig auf „mindestens vier Stellen“. Das betreffe die wissenschaftliche Mitarbeit, Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit sowie Haus- und Betriebstechnik. Mit den drei jetzt von ihr angekündigten Stellen wäre der größere Teil dieses Bedarfs abgedeckt.

Obwohl er nur über sehr wenig Geld für Ausstellungen verfügt, verwirklicht Frenz wegen seiner guten Verbindungen zu den Künstlern über Deutschland hinaus immer wieder bemerkenswerte Projekte. Gegenwärtig arbeitet er mit Hochdruck an der großen Jubiläumsausstellung für die Satiremonatszeitschrift Titanic. Die gegenwärtig mit knapp 100 000 Exemplaren auflagenstärkste Satirepublikation in Deutschland ist im November 1979 zum ersten Mal erschienen. Frenz will die Jubiläumsausstellung 40 Jahre Titanic in der Caricatura am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, eröffnen.

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