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Stadt setzt auf die Datenautobahn

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Verkehrsleitzentrale IGLZ. Hoyer
Verkehrsleitzentrale IGLZ. Hoyer © Renate Hoyer

Digitalisierungskonzept soll den Verkehrsfluss in Frankfurt optimieren

Staus, Lärm, Abgase. Das ist der Preis, den die Menschen in Frankfurt für verfehlte Stadtplanung der Nachkriegszeit bezahlen. Die City ist autofreundlich auf- und umgebaut worden. „Heute fehlt es an geeigneter Infrastruktur für den Fahrrad- und Fußverkehr sowie an Kapazitäten im öffentlichen Verkehr.“ Das schreibt die Stadt in ihrem Digitalisierungskonzept. Das soll Abhilfe schaffen: mit Verkehrsleitsystemen, Stauvorhersagen, Car- und Bikesharingangeboten, effizienterem öffentlichem Nahverkehr.

Was nutzt eigentlich Digitalisierung? Autos oder Züge sind doch analoge Verkehrsmittel.

Bei der Digitalisierung geht es um den Fluss von Informationen. Mehr Daten und Vernetzung sollen ermöglichen, die vielen Verkehrsströme in Frankfurt besser lenken zu können. 2019 sind mehr 387 500 Menschen täglich nach Frankfurt eingependelt, weist die städtische Statistik aus. Rund 35 Prozent aller in der Stadt zurückgelegten Wege sind das Werk des motorisierten Individualverkehrs.

Woher kommen denn die Daten, die helfen, Verkehrsströme zu leiten?

Die liefern Sensoren an allen Knotenpunkten in der Stadt, also an den größeren Kreuzungen. 2187 solcher Zählschleifen gibt es. Sie messen mittels Magneten, wie viele Fahrzeuge vorbeirollen. Auf der Plattform www.mainziel.de lassen sich jederzeit Daten in Echtzeit abrufen. Den Verkehrsplanerinnen und -planern stehen zudem Aufnahmen von 98 Kameras zur Verfügung, die den Verkehr beobachten.

Kann ich auch unterwegs schauen, wie die Lage derzeit ist?

Die Daten fließen auch an Mobilitätsapps, wie etwa Traffic Pilot. Auch mit dem Navi-Anbieter Tomtom gibt es einen Austausch, das Navi nutzt die Info aus den städtischen Schleifen, die Stadt bekommt dafür anonymisiert die Daten, wie viele Autos unterwegs sind. So lässt sich auch in Versuchsanordnungen berechnen, wie die Ampeln der Stadt geschaltet sein müssen, damit der Verkehr möglichst fließt.

Aber warum stehe ich dann immer noch im Stau?

Weil schlicht zu viele Autos unterwegs sind. Die Straßeninfrastruktur in Frankfurt sei maximal belastet, heißt das offiziell. Darum möchte die Stadt den ÖPNV stärken.

Auch da sind die Möglichkeiten endlich.

Es gibt sie aber. So investiert die VGF rund 250 Millionen Euro in eine digitale Zugsicherung für Tram- und U-Bahnen. Im Vergleich zur bisherigen Zugsicherung sollen Züge künftig in kürzeren Abständen rollen. Anfahren und Bremsen soll automatisch geschehen. Fahrerinnen und Fahrer nur noch im Notfall eingreifen. Das soll eine deutliche Erweiterung des Angebots ermöglichen, ohne Strecken oder Stationen ausbauen zu müssen.

Wer hat eigentlich Vorfahrt? Bahn oder Auto?

Natürlich die Bahn. Zu beobachten etwa auf der Eschersheimer Landstraße. Die neue digitale Zugsicherung soll dann künftig über den zentralen Verkehrsrechner der Stadt mit dem Individualverkehr verknüpft sein.

Gibt es auch Digitalisierung im Fußverkehr?

Ja, auch da. Die Stadt testet derzeit in den Wallanlagen Laternen, die über Sensoren merken, wie viele Passanten gerade vorbeispazieren. Entsprechend regelt sich das Licht. Das soll aber weniger den Spaziergängerinnen und Spaziergängern den Fußweg erleichtern, sondern helfen, Strom einzusparen und nachts Flora und Fauna der Stadt weniger mit Licht zu belästigen.

Fragen Zusammengestellt von George Grodensky

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