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Klar markiert: Schutzstreifen für Radler am Willy-Brandt-Platz Ecke Neue Mainzer Straße.

Radfahren in Frankfurt

Stadt schildert Radwege aus

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Insgesamt 270 neue Abstellanlagen für Fahrräder stellt die Stadt auf, an 36 Stationen. Die größte Aufgabe ist es aber, das Radnetz komplett auszuschildern.

Die Hände frieren nicht mehr, wenn man sich aufs Rad schwingt. 14 Grad Außentemperatur reichen. Schon ist die Stadt voll mit Radlern. Einige strampeln ans Ziel, andere steigen auf Bus oder Bahn um. Alle brauchen solide Abstellplätze, wenn sie angekommen sind. Damit das Rad nicht geklaut wird

Da fängt das Problem an. Rund um U-Bahn- und S-Bahn-Stationen parken in der Stadt etwa tausend Fahrräder „frei“, so das städtische Referat für Mobilitätsplanung. Das heißt: Sie sind irgendwo angeschlossen, an Masten und Zäunen. Oder lehnen an Mauern und Bäumen. Böswillige könnten sie leichterhand wegtragen.

Sie stehen nur da, weil es nicht genug Bügel gibt. Beispiel Westbahnhof: Das quetschen sich Dutzende Velos in unterdimensionierte Abstellhäuschen.

Das soll sich nun ändern. „Wir wollen die Infrastruktur in diesem Jahr deutlich verbessern“, sagte Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne). An zahlreichen Stationen des Nahverkehrs werden neue Bügel montiert. In der Innenstadt etwa am Dom/Römer, Alter Oper, Willy-Brandt-Platz, wo U-Bahnen und teils auch Straßenbahnen halten.

An S-Bahn-Stationen wie Eschersheim, Galluswarte oder Westbahnhof. Insgesamt 270 neue Abstellanlagen stellt die Stadt auf, an 36 Stationen. Das ist Inhalt des neuen Bike-and-Ride-Konzepts. „Jedes Jahr kommen zusätzlich tausend Bügel hinzu“, sagte Ingmar Bolle, Referent von Stadtrat Majer. Überall, wo sie fehlten, nicht nur in der Nähe von Bahnhöfen.

Am Hauptbahnhof, wo täglich 450 000 Menschen ein und ausgehen, gebe es bald „ein Highlight“, so Bolle. Das neue Parkhaus südlich des Bahnhofs, mit 350 Stellplätzen für Fahrzeuge, bietet auch Platz für 300 Räder.
Eröffnet wird es „voraussichtlich am 18. April, plus/minus zwei Tage“, sagte Markus Diekow, Sprecher des Immobilienkonzerns CA Immo, der das Gebäude errichten lässt.

Auch in der Nähe der Wohnung sollte man sein Rad abschließen können. Fehlende Abstellmöglichkeiten seien das „Haupthemmnis“, um das Rad regelmäßig im Alltag zu nutzen, so das städtische Radfahrbüro. Dabei überwiegen in Frankfurt zahlenmäßig längst die Fahrräder. Auf 1000 Frankfurter kommen 830 Räder, aber nur 465 Autos, weiß das Radfahrbüro.

Wie in Hamburg oder Dortmund können Privatleute sich nun auch in Frankfurt zusammentun, um ein eigenes Fahrradhäuschen vor der Haustür aufzustellen. Die Stadt gibt eine Zuwendung, den Rest zahlen die Interessenten, die auch die Kosten für Wartung, Reinigung, Versicherung tragen. Im Häuschen haben zwölf Räder Platz. Je mehr Bürger sich dafür entscheiden, umso günstiger wird es. Zwei Unterstände sind in der Greifstraße und am Kirchplatz in Bockenheim vorgesehen. Um zu sehen, wie es ankommt.

Der Anteil des Radverkehrs hat sich seit 1988 vervierfacht, weiß Majer. Doch immer noch müssten die Radfahrer über viele Straßen und Kreuzungen, die nicht für den Radverkehr ausgerichtet seien, weil die Stadt jahrzehntelang autogerecht gebaut habe.

Das Radfahrbüro hat mehr als hundert Netzlücken ausgemacht. Auch in diesem Jahr würden wieder einige behoben. „Die Fördermittel vom Land sind beantragt“, sagte Referent Bolle. Weil viele Schulkinder in Hausen eine Abkürzung durch den Friedhof Westhausen nehmen, und dass die Friedhofsruhe störe, baue die Stadt nun einen Radweg östlich der Ruhestätte. Außerdem seien Lückenschlüsse an der Pfaffenwiese/Höhe Silostraße (Sindlingen), an der Ludwig-Landmann-Straße/Höhe Biegweg (Rödelheim) sowie an der Farbenstraße/Höhe Westenberger Straße (Höchst) geplant.

Die größte Aufgabe ist es aber, das Radnetz komplett auszuschildern. In Zeilsheim und Sindlingen hat die Stadt begonnen, Verkehrszeichen für Radler aufzustellen. Sie weisen zu Ausflugszielen, Orientierungspunkten, dem nächsten Stadtteil. In diesem Jahr soll der komplette Westen und Norden der Stadt beschildert werden, im kommenden Jahr der Süden und Osten, 2018 dann die Innenstadt.

„Wir wären schon zufrieden, wenn die Stadt umsetzt, was sie sich vorgenommen hat“, sagte Bertram Giebeler vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Frankfurt: Netzlücken schließen, Radwege beschildern. Spannend bleibe, wie sich die neue Stadtregierung zum Radverkehr positioniere. „Leuchtturmprojekte“ wie der Radschnellweg von Frankfurt nach Darmstadt könnten gerne folgen.

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