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Stadt hilft Frankfurter Bahnhofsviertel

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Von: Steven Micksch

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Mit verbesserten Angeboten im Bahnhofsviertel möchte die Stadt unter anderem obdachlosen Menschen helfen.
Mit verbesserten Angeboten im Bahnhofsviertel möchte die Stadt unter anderem obdachlosen Menschen helfen. © Michael Schick

Ausgeweitete Angebote sollen die Situation im Frankfurter Bahnhofsviertel kurzfristig verbessern. Eine langfristige Strategie ist noch in der Planung. Doch die Stadt braucht Unterstützung von höherer Ebene.

Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer und Sozialdezernentin Elke Voitl (beide Grüne) haben konkrete kurzfristige Maßnahmen für das Bahnhofsviertel angekündigt, um die Menschen vor Ort zu unterstützen. Hierzu zählen laut Pressemitteilung die zusätzliche Öffnungszeiten des Nachtcafes während des Tages, das Bereitstellen von Tagesruhebetten und verlängerte Öffnungszeiten von Tagesaufenthaltsmöglichkeiten, zusätzliche Dusch- und Waschmöglichkeiten, das Aufstocken der vorhandenen Notschlafplätze in den Einrichtungen im Bahnhofsviertel und im Eastside in der Schielestraße sowie zwei zusätzliche Stellen für Ossip Streetwork.

Geplant ist, dass die Angebote so schnell wie möglich, spätestens aber ab Januar, umgesetzt werden. Die Koordinierungsstelle Jugendhilfe vom Jugend- und Sozialamt habe im Bahnhofsviertel bereits zwei Stellen eingerichtet, die sich gezielt um Minderjährige auf der Straße kümmern. Die angestrebten Erweiterungen sollen gemeinsam mit den Maßnahmen der Polizei und der Ordnungsbehörden zu einer spürbare Entlastung für alle Menschen im Viertel führen.

„Unser Hauptproblem in der Drogen- wie Obdachlosenhilfe sind aber nicht fehlende Angebote, sondern es fehlt die Bereitschaft der Menschen, diese auch anzunehmen. Wir können und wollen niemanden von der Straße in unsere Einrichtungen zwingen, das Viertel gehört allen Menschen“, sagt Majer. Voitl ergänzt: „Unsere Mitarbeitenden vor Ort suchen aber immer wie-der Kontakt, um so Betroffene zu überzeugen, Hilfen anzunehmen und zu einer Verbesserung ihrer Situation beizutragen.“ Beide betonen, dass es für das Viertel „nicht die eine und vor allem keine schnelle und einfache Antwort“ gebe.

Großes Ziel sei deshalb weiter eine langfristige Strategie für das Bahnhofsviertel zu erarbeiten. Seit Amtsantritt der Römer-Koalition sei man dezernats- sowie ämterübergreifend in der Planung. Nur gemeinsame Aktionen könnten zu einer nachhaltigen Verbesserung der Situation führen. Daher arbeite die städtische Arbeitsgruppe bereits seit einem Jahr daran, bestehende Strukturen zu analysieren und alle Akteur:innen miteinzubeziehen. Begleitet wird dieser komplexe Prozess von einer in diesem Bereich erfahrenen externen Beratungsagentur. Ein langfristiges Ziel ist die Einrichtung eines Koordinierungsbüros im Bahnhofsviertel, das bei der Aktivierung und Vernetzung mit den unterschiedlichen Gruppen im Viertel helfen soll.

Wann die langfristige Strategieerstellung abgeschlossen sein soll und welche weiteren Punkte sie beinhaltet, wird bisher noch nicht konkretisiert.

Die Probleme und Interessen, die beachtet werden müssen, seien mannigfaltig, komplex und stetig im Wandel. Sie reichen von Ausgehen und Wohnen in einem Szene-Stadtteil bis zu Problemen mit hohem Verkehrsaufkommen, vielen Betrunkenen, Partyleben, Prostitution, Drogenkonsum, Obdachlosigkeit, nicht gesteuerter Essensverteilung und Verschmutzung.

Majer und Voitl weisen auch darauf hin, dass die Verantwortung für Verbesserungen im Viertel nicht bei Frankfurt allein liege. Man stoße auf erhebliche rechtliche, organisatorische und finanzielle Grenzen. Hier müssten der Bund aber auch das Land Hessen Unterstützung leisten.

Das Thema Waffenverbotszone wurde in der Mitteilung nicht thematisiert. Das Ordnungsdezernat steht der Forderung der Polizei nach einer solchen Zone im Bahnhofsviertel „grundsätzlich positiv“ gegenüber. Der Vorschlag werde geprüft, allerdings könne das nicht alleine, sondern nur in Absprache mit den anderen Parteien entschieden werden, sagte ein Sprecher von Dezernentin Annette Rinn (FDP). Auch die Gewerkschaft der Polizei Hessen bezeichnete den Vorstoß als folgerichtig und sinnvoll. „Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist nicht nur Hotspot von Auseinandersetzungen mit Messern, sondern auch ein Raum, in welchem Gewalttaten zunehmen.“ Die CDU-Fraktion im Römer spricht sich auch für die Pläne aus und möchte das Ganze im Sicherheitsausschuss am Montag diskutieren. mit dpa

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