Umweltdezernentin Heilig (rechts) gießt mit Baumpatinnen ein Beet am Rottweiler Platz. 
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Umweltdezernentin Heilig (rechts) gießt mit Baumpatinnen ein Beet am Rottweiler Platz.

Baumpatenschaften

Stadt Frankfurt sucht Paten und Patinnen für Straßenbäume

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Die Stadt will Patinnen und Paten gewinnen, die den Baum vor ihrer Haustür gießen. Denn viele Bäume geraten bei anhaltender Trockenheit in Not.

Die Robinie sieht ganz gut aus, unter der Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) am Dienstagnachmittag steht. Schön grün, volles Blätterdach. Dem Bergahorn ein paar Meter weiter am Rottweiler Platz im Gutleutviertel geht es offenbar nicht ganz so gut. Lichte Krone, braune Blätter – und an diesem Tag sind es 28 Grad. Trockenheit ist wieder angesagt. Mehr als 40 Grad wie in den vergangenen Jahren seien ein Novum, sagt Heilig. „Nicht nur der Stadtwald stirbt, auch den Bäumen in der Stadt geht es schlecht.“ Und die Robinie am Rottweiler Platz hat einfach Glück: Sie wird gegossen. Von Baumpatinnen.

Anwohnerinnen kümmern sich um den Baum. Sie gießen ihn, sie haben ein Beet um ihn herum angelegt. Die Stadt will noch mehr Paten und Patinnen für ihre Bäume, Baumbeete und Blumenkübel gewinnen. Mit der Kampagne „Stadtgrün sucht Dich“ möchte sie Bürgerinnen und Bürger an der Pflege beteiligen. Denn wegen der Trockenheit müssen inzwischen von den Straßenbäumen nicht mehr nur 1500 pro Jahr gefällt werden, sondern mehr als 3000. „Sie brauchen Pflege“, sagt Simone Jacob, stellvertretende Leiterin des Grünflächenamts. „Wir freuen uns über jeden, der den Baum vor der Haustür gießt.“

Patenschaften

Es gibt rund 220 000 Bäumeim öffentlichen Raum. 54 000 davon sind Straßenbäume, teilweise mit Baumbeet.

40 Paten und Patinnenwurden seit 2000 für 67 Bäume registriert.

Wer den Baum vor seiner Haustür, das Baumbeet oder den Blumenkübel pflegen will, soll sich per E-Mail melden: mitmachen.amt67@stadt-frankfurt.de

Oder auch die Blumenkübel auf den Gehwegen bepflanzt. Das macht die Stadt nicht mehr. Zum Teil wurden die Kübel vor Jahrzehnten aufgestellt, doch es gebe nicht genügend Leute und finanzielle Mittel zur Pflege, sagt Jacob. Mit Flyern und Merkblättern will die Stadt nun auf die Möglichkeit der Patenschaft aufmerksam machen. Die ersten 200 neuen Paten und Patinnen sollen ein Starterpaket mit Handschuhen, Samentütchen und Infobroschüren mit Tipps zum Pflanzen erhalten.

80 bis 100 Liter Wasser benötigt ein Baum in Trockenperioden pro Woche. Das sind zehn große Gießkannen mit Wasser, die Baumleben retten können. Kosten dafür: 30 Cent. Die Kosten könnten also nicht von einer Patenschaft abhalten, sagt Heilig. Auch nicht die Wassermenge, die zum Gießen benötigt wird. Oft werde die Stadt kritisiert, weil sie die Jungbäume mit Trinkwasser gieße, doch die neu gepflanzten Bäume bräuchten diese Pflege in den ersten Jahren. 2018 seien 0,046 Prozent des in der Stadt verbrauchten Wassers fürs Gießen der Jungbäume verwendet worden. „Es ist also nur ein kleiner Betrag“, sagt Heilig.

Im Baumbeet der Robinie am Rottweiler Platz wachsen nun Schafsgarbe, Malven, Rosen, Kapuzinerkresse. „Extra für die Bienen haben wir viele Pflanzen, die blühen“, sagt Anwohnerin Grudrun Kortas. „Früher war es ein Hundeklo.“ Und Nachbarin Cornelia Stark hat die Erfahrung gemacht, dass das Beet inzwischen als bepflanzte Fläche voll akzeptiert wird: „Ich musste noch nie einen Hundehaufen, Müll oder Zigarettenkippen wegmachen.“

Vor einem Jahr fingen mehrere Anwohnerinnen an, diese Fläche zu bepflanzen. Damals noch nicht als offizielle Patinnen. Guerillagärtnern nennt das Jacob. „Das gibt es unter vielen Bäumen in der Stadt.“ Da wird sich ums Baumbeet vor der Haustür gekümmert, und die Stadt weiß nichts davon. Problem: Firmen sind beauftragt, die Baumbeete zu pflegen. „Aus Unwissenheit werden sie dann zerstört“, sagt Jacob. „Das wollen wir mit den Patenschaften auch in den Griff bekommen.“

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