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Wohnungsgenossenschaften würden gern noch mehr bezahlbaren Wohnraum in Frankfurt schaffen.

Wohnungsgenossenschaften

Stadt soll Erbpachten senken

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Die Frankfurter Wohnungsgenossenschaften fordern ein neues Modell für Erbbauzinsen. Eine Senkung des Zinssatzes halten sie nicht für ausreichend.

Die Kooperation von zehn der größten Frankfurter Wohnungsbaugenossenschaften wirbt für ein neues Modell für die Vergabe städtischer Grundstücke per Erbpacht. Bisher verlangt die Stadt einen Erbbauzins von 2,5 Prozent des Bodenrichtwerts. Weil die Bodenrichtwerte in Frankfurt aber seit Jahren stark steigen, sei es selbst für Genossenschaften nicht mehr möglich, günstigen Wohnraum zu schaffen, sagte Ulrich Tokarski, der Sprecher der Kooperation, am Mittwoch.

Die Entwicklung der Bodenrichtwerte sei „zum Haareraufen“, sagte der Vorstand des Volks- Bau- und Sparvereins. So habe dieser Wert etwa für ein Grundstück an der Reichelstraße in Ginnheim im Jahr 2014 noch bei 570 Euro pro Quadratmeter gelegen, inzwischen sei er auf 1400 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Das exponentielle Wachstum der Bodenrichtwerte führe dazu, dass die Grundstückskosten massiv stiegen.

Als Beispiel nannte Tokarski im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau das Areal der Akademie der Arbeit in Bockenheim, das die Stadt per Konzeptverfahren an gemeinschaftliche Wohnprojekte oder Genossenschaften vergeben will. Obwohl die Stadt den Bieter:innen finanziell etwas entgegenkomme, verlange sie einen jährlichen Erbbauzins von 140 000 Euro für das 1423 Quadratmeter große Grundstück. Samt dem Kaufpreis für die Gebäude auf dem Areal seien die Kosten für Grund und Boden so hoch, dass es auch für Akteure ohne Renditeinteresse nicht möglich sei, dort Wohnungen mit Mieten von weniger als 15 Euro pro Quadratmeter zu errichten. Das sei aber weit weg von dem, was für Mieter:innen bezahlbar sei, so Tokarski. Schon deshalb sei ihm keine Genossenschaft bekannt, die sich für das Projekt bewerbe. Schon länger klagen Wohnprojekte über die sehr hohen Grundstückskosten, die sie aufbringen müssen. Das Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen kämpft für eine deutliche Reduzierung des Zinssatzes. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) hält eine Senkung des Zinssatzes auf 1,5 Prozent oder weniger für sinnvoll. Auch SPD und Grüne im Römer werben für einen niedrigeren Satz.

Runder Tisch gefordert

Tokarski unterstützt diese Forderungen. Zugleich hält er eine Senkung des Zinssatzes aber angesichts der stark steigenden Bodenrichtwerte nicht für ausreichend. Der Sprecher der Kooperation, der zusammen mehr als 12 000 Wohnungen in Frankfurt gehören, schlägt daher vor, dass der Erbpachtnehmer der Stadt künftig einen festen Betrag pro Quadratmeter entstehender Wohnfläche bezahlt und sich im Gegenzug verpflichtet, günstigen Wohnraum zu schaffen. Als Beispiel nannte er einen Erbbauzins von jährlich 1,50 Euro pro Quadratmeter und eine festgeschriebene Miete von höchstens zwölf Euro pro Quadratmeter. Das Netzwerk will das Modell nun zunächst Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) vorstellen. Tokarski wirbt zudem für einen Runden Tisch zur Erbpacht.

Der Verband der südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW) unterstützt den Vorstoß. „Auf teurem Grund und Boden kann kein günstiger Wohnraum entstehen“, sagte VdW-Vorstand Axel Tausendpfund. Den Fokus auf den Erbbauzinssatz zu lenken, greife aber zu kurz. Er hoffe, dass die Stadt das Modell prüfe und in einem Pilotprojekt ausprobiere. Er regt zudem an, dass die Stadt ihren Baulandbeschluss so modifiziert, dass von dem Anteil von 15 Prozent für gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen, der in neuen Baugebieten entstehen muss, jeweils die Hälfte für Genossenschaften reserviert wird. Sonst kämen diese teilweise nicht zum Zuge.

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