Alle 20 Minuten soll gelüftet werden – aber was ist, wenn die Fenster nicht zu öffnen sind?
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Alle 20 Minuten soll gelüftet werden – aber was ist, wenn die Fenster nicht zu öffnen sind?

Luft

Stadt Frankfurt denkt über Lüfter in Klassenzimmern nach

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Ob in Frankfurt Luftreinigungsgeräte an Schulen eingesetzt werden, ist noch nicht klar. CO2-Ampeln wollte die Stadt, doch die sind knapp. Und nicht in allen Schulen gehen die Fenster auf.

In manchen Klassen klingelt nun der Wecker. Alle 20 Minuten. Dann werden die Fenster aufgerissen. Frische Luft rein, Timer auf fünf Minuten stellen, der Pandemie und der Kälte trotzen. Beim Klingeln Fenster wieder schließen, den Timer erneut auf 20 Minuten stellen – klingeln, Fenster aufreißen und so weiter, den ganzen Schultag lang. Diesen Rhythmus empfiehlt das Umweltbundesamt. Das empfiehlt auch das hessische Kultusministerium. Und durch den Wecker in so manchem Klassenzimmer kann eben keiner das derzeit Wichtigste im Unterricht vergessen: das Lüften.

Eigentlich wollte die Stadt Frankfurt dafür auch CO2-Ampeln anschaffen. Sie messen zwar nicht die Viruslast in der Klassenraumluft, aber den Kohlendioxidgehalt, und sind so ein Indikator für verbrauchte Luft. Spätestens wenn die Ampel auf Rot steht, ist Zeit fürs Lüften. „Sie sind gut zur Erinnerung“, sagt Rüdiger Niemann, Referent von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). Aber so viele CO2-Ampeln, wie die Stadt für die Zeit nach den Herbstferien kaufen wollte, werden es nicht sofort werden. „Es gibt Probleme, sie zu beschaffen“, sagt Niemann. CO2-Ampeln seien nur nach und nach zu bekommen. „Ganz Deutschland will sie im Moment, große Mengen sind nicht auf dem Markt zu haben.“

Er befürchtet, dass es dasselbe Problem mit Luftreinigungsgeräten geben wird. „Eine Menge Städte wollen das jetzt machen.“ Klassenräume mit Lüftungsanlagen ausstatten, die Aerosole aus der Luft herausfiltern sollen. Aber ob die Stadt Frankfurt Luftreiniger in ihren rund 4000 Klassenzimmern einsetzen möchte, steht noch nicht fest.

Am Montag tagt dazu eine Arbeitsgruppe mit Beteiligten aus Gesundheitsamt, Stadtschulamt, Amt für Bau und Immobilien und Bildungsdezernat. Und es zeichnet sich ab, dass das alles nicht so einfach werden würde mit den Luftreinigern. „Die kann man in der Klasse nicht einfach aufstellen wie zu Hause, das ist ein technischer Aufwand“, sagt Niemann. Da geht es um Brandschutz und um Kabel, die unfallsicher im Raum verlegt werden müssen. Außerdem wird „die Funktionalität der Luftreiniger auf den Kubikmeter gerechnet“, sagt Niemann. Je größer der Raum, desto leistungsfähigere oder desto mehr Luftreiniger sind nötig. Und mehr Kabel. Und mehr Strom. Und mehr Geld.

Wegfallen würde das Lüften trotzdem nicht. Frischluft ist auch mit den Geräten nötig. Sie könnten aber vielleicht eine Ergänzung zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung und zum Lüften sein, sagt Niemann. Außerdem ist richtiges Lüften gar nicht in allen Klassenzimmern möglich. Nicht überall gehen die Fenster auf. Und da vermutlich ohnehin für 4000 Klassenräume keine Luftreiniger zu bekommen seien, „müssten wir dann priorisieren“, sagt Niemann. Schulen mit Klassenräumen, die schlecht zu lüften sind, bekämen dann die Luftreiniger.

In wie vielen Schulen Fenster nicht geöffnet werden können, weiß man im Baudezernat nicht. „Wir wissen das nur, wenn die Schulen sich melden“, sagt Günter Murr, Sprecher von Baudezernent Jan Schneider (CDU). Und das machen Schulen derzeit. „Aber auch nicht massenhaft“, sagt Murr. Die Schulhausverwaltungen seien jetzt an allen Schulen gebeten worden, sich die Lage vor Ort genau anzusehen. Ob es irgendwo mit den Fenstern Probleme gibt.

Es gibt verschiedene Gründe, warum sich Fenster nicht öffnen lassen. Weil es so gewollt ist und der Luftaustausch über eine Lüftungsanlage stattfinden soll. Das kann in einem Passivhaus der Fall sein. Oder es gibt Sicherheitsgründe wie an der Panoramaschule, einer Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Auch da gibt es dann Lüftungsanlagen. Manchmal sind die Fenster nicht zu öffnen, weil sie so niedrig sind und „sonst einer rausfallen könnte“, sagt Murr. Und es gibt auch welche, die sind schlicht kaputt.

Nun muss jeder Fall angeschaut werden. An niedrigen Fenstern könnte eine Absturzsicherung angebracht werden. Und kaputte Fenster könnten repariert oder ausgetauscht werden.

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