Laut Experten sollte in Klassenzimmern alle 20 Minuten gut gelüftet werden, um eine Ausbreitung von Corona zu vermeiden.
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Laut Experten sollte in Klassenzimmern alle 20 Minuten gut gelüftet werden, um eine Ausbreitung von Corona zu vermeiden. Auch die Stadt Frankfurt setzt darauf.

Corona-Pandemie

Schutz gegen Corona: Stadt Frankfurt setzt aufs Lüften in Schulen

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Eine Studie der Goethe-Universität Frankfurt zeigt: Luftreiniger wirken im Klassenzimmer, aber das Lüften ist immer noch nötig. Die Stadt schafft nun CO2-Ampeln an. Für jede Schule vier Stück.

Frankfurt – Noch sind Herbstferien. Doch viele schauen sorgenvoll auf die Zeit danach. Wenn es draußen immer kälter wird. Wenn dann nicht mehr so einfach die Fenster im Klassenzimmer ständig offen stehen können. Die Frischluft verringert schließlich bisher die Infektionsgefahr durch virenhaltige Aerosole in den Klassenzimmern. Doch Lüften ist im Winter eine kalte Herausforderung.

Als Alternative wird immer wieder über Luftreinigungsanlagen diskutiert. Eine Vorab-Studie der Frankfurter Goethe-Universität hat nun gezeigt, dass Luftreiniger die Aerosolkonzentration in einem Klasenzimmer stark senken können – und damit auch die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus deutlich verringert wird.

Lüften gegen Corona: Uni Frankfurt macht Tests an Schule

Joachim Curtius, Professor für Experimentelle Atmosphärenforschung an der Goethe-Universität, hat zusammen mit seinem Team eine Woche lang vier Luftreiniger in einer Schulklasse mit Lehrerinnen und Lehrern und 27 Schülerinnen und Schülern getestet. Die Luftreiniger verfügten über einen einfachen Vorfilter für groben Staub und Flusen sowie über einen HEPA- und einen Aktivkohlefilter. Das Ergebnis: 30 Minuten nach dem Anschalten hatte der Luftreiniger 90 Prozent der Aerosole aus der Luft entfernt. Selbst die Ansteckungsgefahr durch eine „hoch infektiöse Person, einen Superspreader“, werde in einem geschlossen Raum durch Luftreiniger sehr deutlich reduziert, sagte Curtius.

Die Wissenschaftler empfehlen daher in diesem Winter den Einsatz von Hepa-Luftreinigern in Klassenräumen. „Ein Luftfilter ersetzt allerdings nicht das regelmäßige Öffnen des Fensters“, sagt Curtius. Denn durch das Lüften werde die CO2-Konzentration im Raum wieder gesenkt. Ein erhöhter CO2-Wert schränkt die Konzentrationsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler ein. „Unsere Messungen in den Klassenzimmern haben gezeigt, dass die Werte häufig über den empfohlenen Grenzwerten lagen.“

Frankfurt: Luftreiniger helfen nicht gegen Corona

Die Stadt Frankfurt ist aufgrund der bisherigen Forschungsergebnisse zu dem Schluss gekommen, dass Luftreiniger im Klassenzimmer gegen die Viren nicht weiterbringen. Regelmäßig tagt ein Arbeitskreis aus Vertretern von Stadtschulamt, Amt für Bau und Immobilien und Gesundheitsamt und berät über Schulbelange in Corona-Zeiten. Etwa übers Lüften. „Letzter Stand war, dass Luftreiniger nicht sinnvoll sind“, sagt Günter Murr, Sprecher von Baudezernent Jan Schneider (CDU). Aber sicher müssten wissenschaftliche Erkenntnisse immer neu bewertet werden.

Das sagt auch Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). Man müsse nun mit dem Gesundheitsamt gemeinsam sehen, ob Hepa-Filter ausreichend seien, die Luft zu reinigen. „Wenn man ohnehin zusätzlich die Fenster öffnen muss, weil sie nicht alles herausfiltern, dann kann man es auch gleich beim Lüften belassen.“ Darüber müssten aber nun Experten beraten. „Bisher hat es keine Alternative zum Lüften gegeben“, sagt Weber. Zwar werden etwa in Operationssälen Luftreinigungsanlagen eingesetzt, die wirklich hundertprozentig rein filtern würden, „aber die sind wahnsinnig teuer“. 20 000 Euro kostet das Stück. Und in Frankfurt gibt es rund 4000 Klassenzimmer.

Stadt Frankfurt setzt aufs Lüften in Schulen

Die Stadt hat daher erst einmal aufs Lüften gesetzt. Der Flyer „Frische Luft für frisches Denken“ ging etwa an die Schulen. Mindestens alle 45 Minuten soll es eine Stoßlüftung oder Querlüftung über mehrere Minuten durch vollständig geöffnete Fenster geben – wenn möglich auch öfter während des Unterrichts. Damit regelmäßig in den Räumen gelüftet wird, schafft die Stadt CO2-Ampeln an. Sie messen nicht die Viruslast in der Luft. Sie zeigen aber an, wie viel Kohlendioxid in der Luft eines Raumes ist – wann also dringend Frischluft nötig ist. „So kann man einüben, wann gelüftet werden muss“, sagt Weber. In dem einen Raum vielleicht alle 15 Minuten in dem anderen alle 20.

Beim Amt für Bau und Immobilien können jetzt schon CO2-Ampeln ausgeliehen werden. Aber die Stadt beschafft nun für nach den Herbstferien weitere Ampeln für insgesamt rund 90 000 Euro. Jede Schule erhält vier Stück. „Sie sollen dann von Klassenraum zu Klassenraum weitergegeben werden“, sagt die Bildungsdezernentin. „So bekommt jede Klasse ein Gefühl dafür, wann gelüftet werden muss.“ (Von Sandra Busch)

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