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Im kühlen Schatten der Kasematten: Das Archäologische Museum bietet Führungen an.
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Im kühlen Schatten der Kasematten: Das Archäologische Museum bietet Führungen an.

Steingang

Stabil seit dem Dreißigjährigen Krieg

  • Nadine Benedix
    VonNadine Benedix
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Die Kasematten sind Zeugen einer wenig friedlichen Vergangenheit. Das Archäologische Museum bietet Führungen an.

Vier Meter hoch und vierzig Meter lang ist der Steingang unterhalb des Gebäudes der Stiftung Waisenhaus in der Bleichstraße 10. Es ist düster hier unten, von den dicken Basaltmauern tropft es. Die Kasematten, so heißt der mysteriöse Steingang, wurden Anfang des 17. Jahrhunderts errichtet. Wiederentdeckt wurden sie erst 2009, bei Umbauarbeiten auf dem Gelände der Stiftung Waisenhaus. Als dort eine Tiefgarage gebaut wurde, fand man nicht nur den geheimnisvollen Gang, sondern auch Teile der Friedberger Bastion – einem Verteidigungswall aus dem Dreißigjährigen Krieg. Kasematten und Wallüberreste sind nun restauriert und einmal wöchentlich zu besichtigen.

Simone Ganss, die Führungsleiterin des Archäologischen Museum, lobt das Engagement der Stiftung Waisenhaus: „Es ist nicht unbedingt die Regel, dass wir gefundene Relikte auf Privatgrundstücken ausstellen dürfen“, sagt sie.

Der heute unterhalb des Verwaltungsgebäudes der Stiftung sowie des St. Katharinenstifts liegende Gang ist Zeuge der Kriege, die Frankfurt durchlebt hat. Gebaut wurden die Kasematten einst zum Schutz vor feindlichen Soldaten; ihre Mauern sind so massiv, dass kein Geschoss sie durchdringen konnte.

Mit Beginn des von 1618 bis 1648 dauernden Krieges beschlossen die Frankfurter, einen Schutzwall rund um die damaligen Stadtmauern zu errichten. Da sie zunächst auf die Billigvariante setzten, scheiterten die ersten beiden Versuche, eine Bastion zu errichten. Mit Unterstützung des schwedischen Königs Gustav Adolf beauftragten sie schließlich den Festungsbaumeister Johann Wilhelm Dilich mit dem Bau der Bastion, erzählt Simone Ganss. Neben elf Bastionen baute dieser auch die damals im unteren Teil des Walls liegenden Kasematten. Aus kleinen Fenstern im Gang konnten die Verteidiger auf die Angreifer schießen.

Bis zur Fertigstellung des Walls 1667 war der Dreißigjährige Krieg zwar längst vorbei, die Struktur des Schutzwalls prägt das Stadtbild indes bis heute. Auf seinen Überresten wurde 1827 der Anlagenring errichtet – nach wie vor dient er als grüne Lunge rund um die Innenstadt. Teile der Kasematten blieben auch beim Bau des Anlagenrings erhalten; im Zweiten Weltkrieg schützten sie Frankfurter Bürger erneut vor Beschuss. Während der Bombardierungen 1944 und 1945 versteckten sich die Anwohner des benachbarten Scheffel-ecks hinter den dicken Mauern der Kasematten.

Am 25. September 1944 kam es Zeitzeugenberichten zufolge jedoch zu einem tragischen Unglück: Zwar blieb bei einem Bombenabwurf genau über den Kasematten der Gang stehen, aber oberhalb liegende Gasleitungen wurden zerstört – das Gas breitete sich in dem schmalen Tunnel aus, die Schutzsuchenden erstickten. Viele verendeten in den Kasematten.

Überbleibsel wurden bei den Ausgrabungen 2009 gefunden: Ein Gartentisch und zwei Stühle sowie ein russischer Fronthelm sind bei der Führung zu besichtigen.

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