Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Christof Heinickel fährt seit einigen Jahren direkt zu den Erzeugern in Fernost. Die Tees, die er dort für die Kunden kauft, trinkt er auch gerne selbst.
+
Christof Heinickel fährt seit einigen Jahren direkt zu den Erzeugern in Fernost. Die Tees, die er dort für die Kunden kauft, trinkt er auch gerne selbst.

Tee- und Gewürzhaus Schnorr

Auf den Spuren des besonderen Geschmacks

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
    schließen

Der Frankfurter Christof Heinickel liebt Tee. Um dessen Geheimnisse noch besser zu verstehen, fliegt er in ferne Länder, um von den Besten zu lernen.

Mit geschultem Auge misst Christof Heinickel etwas Oolong-Tee aus der kleinen Packung ab. Von dem kleinen Holzbrett, auf dem die getrockneten schwarzen Stücke liegen, schüttet er sie in eine kleine, gläserne Kanne. Anschließend gießt er heißes Wasser darüber. Nur kurz lässt er ihn ziehen, dann werden auch schon die Tassen mit dem kräftigen Tee gefüllt. Ein Kürbissieb verhindert, dass kleine Schwebeteile in die Tasse gelangen. Noch sechs- bis achtmal kann der 40-Jährige aufgießen, ehe der Tee seinen Geschmack verliert.

Christof Heinickel arbeitet im Gewürz- und Teehaus Schnorr in Frankfurt. Seit mehr als zwölf Jahren ist er dort. Anfänglich nur für Internet und Telefonie zuständig, übernahm er bald auch mehr Verantwortung bei den Tees. „In Malaysia hatte ich vor Jahren ein taiwanesisches Teehaus entdeckt – das war wie eine Initialzündung für mich“, erinnert sich der Frankfurter. In jener Woche im Ausland habe er viel über Tee gelernt. Auch deshalb reisen Heinickel und Inhaber Kai Alexander Schnorr immer wieder nach Asien, um die Teekultur vor Ort zu ergründen.

Dabei besuchen sie die Erzeuger auf ihren Feldern und lernen die aktuelle Ernte direkt kennen. „Wir sehen dann, wo der Tee wirklich herkommt, wissen um seine Qualität und lernen noch neue Sachen hinzu“, sagt der 40-jährige Heinickel. Bei Teemeistern in Fernost beispielsweise könne man sich einige Handgriffe und Verfahren abgucken – wahres Wissen über Tee gebe es nicht in Büchern. „Die Herstellungsart eines Tees kann an einem anderen Ort schon wieder ganz anders sein – aber keine davon ist falsch.“

Vielmehr sei Tee eine Philosophie, Heinickel spricht gern von einer „Teereise“. „Es ist, als ob man auf einen Berg steigt. Man freut sich, wenn man oben ist, dann schaut man sich um und bemerkt noch viele andere Gipfel.“

Der 40-jährige Frankfurter bemerkt, dass viele Leute sich von den Tees der Supermarktketten abwenden und wieder mehr Kontrolle über das eigene Trinken und auch Essen erlangen möchten. „Vielleicht hat es mit der Slow-Food-Bewegung zu tun, aber auf alle Fälle wünschen sich die Leute nicht mehr dieses Einerlei.“

Im Discounter zielen die Tees darauf, immer gleich zu schmecken. Bei den Produkten aus dem Teehaus ist es anders. „Eine Ernte von einem Feld umfasst nur ein paar Kilogramm. In der Regel schmecken die anders als die im Jahr zuvor oder im folgenden Jahr.“ Heinickel arbeite daran, den Leuten zu vermitteln, das Tee Genuss sein kann – und eben nicht nur ein Produkt für den Winter oder bei Krankheit.

Der Großteil der Kunden im Teehaus schwört seit Jahrzehnten auf die gleiche Sorte. Ein kleinerer Anteil sei experimentierfreudiger. Für ihn darf es jede Woche ein anderer Tee sein. Wann der jeweilige Käufer den Tee schließlich trinke, sei sehr verschieden. „Einige trinken ihn früh oder in der Mittagspause. Wir haben aber auch Kunden, die ihn zur Meditation trinken oder ihn am Nachmittag ostfriesisch mit Milch bevorzugen.“

Wer sich im Teehaus Schnorr nicht sicher ist, ob der ausgewählte Tee auch der richtige ist, kann einfach die Probe aufs Exempel machen. Jeder Tee kann im Laden gekostet werden. „Ich halte es für wichtig, vorher zu probieren. Gerade wer am Anfang seiner Teereise steht, sollte hinterher die Wahl nicht bereuen und von Tee abgeschreckt werden“, erklärt der Frankfurter. Generell müsse jeder schauen, welcher Geschmack einem am ehesten entspräche.“

Obwohl das Hauptgeschäft mir aromatisierten Tees gemacht werde, bleibe im Teehaus kein Wunsch offen. Oolong-Tee, Rösttee, Rauchtee, japanischer Tee, Matcha und seit neustem auch wieder Pu-Erh-Tee. Dieser sei früher schon einmal im Trend gewesen – damals als Schlankmacher. Die Besonderheit beim Pu-Erh-Tee liegt im langen Reifungsprozess. Je nach Methode braucht der Tee entweder wenige Monate oder – bei natürlicher Fermentation – mindestens fünf Jahre. Dadurch gewinnt er an Qualität und Geschmack. „Bei vielen Tees ist es wie mit Wein, je älter sie sind, desto besser werden sie“, sagt der Experte und zeigt auf eine Vitrine. Dort lagert eine einzelne Packung „Quingching Oolong“ aus Taiwan. Der Tee darin wurde 1999 auf den Feldern des Bergs Alishan geerntet. Die 50 Gramm in dem orangefarbenen Päckchen kosten 50 Euro. Manche Tees im Geschäft liegen sogar bei über 100 Euro. Geschmack hat seinen Preis.

Berichtigung: Der Name des Frankfurter Tee- und Gewürzhauses war im Artikel durchgehend falsch geschrieben worden. Der Name lautet „Schnorr“ und nicht „Schnoor“, wie fälschlich geschrieben. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare