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Sprayer rebellieren gegen gestiegene Polizeipräsenz

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Von: Miriam Keilbach

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Das Bahnhofsviertel soll wieder sicher, sauber und vorzeigbar werden. Doch nicht alle Anwohner sind mit den städtischen Maßnahmen einverstanden.

Eine Schönheit ist es nicht, das Trafohäuschen am Karlsplatz an der Kreuzung von Karl- und Niddastraße. Aber seit der Künstler Levent Kunt die Wände jeden Monat in einer anderen Farbe streicht, immerhin ein farblicher Hingucker. Im Moment ist es rot. War es zumindest bis vor einigen Tagen und ist es jetzt wieder. Dazwischen stand dort „ACAB“ („All cops are bastards“) und „Fuck BAO“ geschrieben.

„Das ist nicht nur eine Beleidigung für die Polizisten, die hier gute Arbeit machen, da geht es auch um die Sauberkeit im Ortsbezirk“, sagt Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD) im Bezug auf die Einheit BAO, die seit gut drei Monaten mit 100 Polizisten im Bahnhofsviertel stationiert ist und verschärft Kontrollen etwa im Drogenmilieu durchführt. Strank legte also selbst Hand an und entfernte zusammen mit Kerry Reddington von der kommunalen Ausländervertretung die Schmierereien und tünchte das Häuschen wieder rot. Seit 2015 wird das Trafohäuschen am Karlsplatz jeden Monat bemalt. Eigentlich war die Kunstaktion auf ein Jahr begrenzt, doch da sich die Umgestaltung des Karlsplatzes verzögert, finanziert die Stabstelle „Sauberes Frankfurt“ das Projekt bis 2018.

Der Karlsplatz ist einer der wenigen freien Flächen im Bahnhofsviertel, der Umbau soll im Jahr 2018 beginnen. Bereits vor zwei Jahren wurden die Pläne der Öffentlichkeit vorgestellt, angepeilt war einst ein Baubeginn 2016. „Wir sind in der Entwurfsplanung, wo es darum geht, welches Material wir für die Oberfläche verwenden und wie die Leitungsführung verlaufen soll“, sagt Klaus Peter Kemper, Projektplaner bei der Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung.

Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernats, hofft, die Bau- und Finanzierungsvorlage noch in diesem Jahr vorlegen zu können. Mit der Zustimmung von Magistrat, Ortsbeirat und Stadtparlament könnte dann die Ausschreibung erstellt werden. „Die Leute denken, dass es bei solch einem Platz mit Vorplanung schnell gehen müsste. Aber wir haben überall Leitungen im Untergrund, das muss nachher millimetergenau passen.“ Die Karlstraße ist einer der Internetknotenpunkte für die Innenstadt, das Trafohäuschen dient als Stromverteiler.

Insgesamt 1,7 Millionen Euro sollen aus dem Investitionsprogramm „Schöneres Frankfurt“ in den Umbau fließen. Vorgesehen ist, Fahrspuren in Karl- und Niddastraße zu reduzieren, die Niddastraße soll Richtung Moselstraße Einbahnstraße werden. Entlang der Karlstraße entstehen Park- und Taxiplätze.

Der Karlsplatz soll etwas größer werden, er wird von Fahrradwegen umrahmt. Auf dem Platz werden mehr als ein Dutzend Bäume gepflanzt, um das Kleinklima zu verbessern. Angrenzenden Gastronomen sollen den teils asphaltierten, teils mit Natur- oder Betonstein versehenen Karlsplatz für ihr Angebot nutzen können. Das alte Trafohäuschen wird abgerissen und ein paar Meter weiter neu aufgebaut – nach dem Entwurf eines Künstlers.

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