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Robert Hertel ist immer viel am Laufen und unterwegs bei seinem Job.  

Porträt der Woche

Netflix-Serie Skylines: Frankfurter ist Motiv-Aufnahmeleiter

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Robert Hertel ist der Motiv-Aufnahmeleiter der neuen Netflix-Serie Skylines.

Dass Robert Hertel überhaupt in der Fernseh-, Film- und Netflix-Welt gelandet ist, hat mit Mali zu tun. „Mit 13 machte ich dort mit meiner Familie Urlaub, weil wir dort, bis ich fünf Jahre alt war, gelebt hatten“, erzählt der 35-jährige Frankfurter beim Interview im Strandcafé. Mit einem Jahr zieht er mit seiner Familie nach Mali, weil der Vater in der Entwicklungshilfe arbeitet. Dann, als Hertel fünf Jahre alt ist, kehrt die Familie nach Frankfurt zurück. „Das war also ein sehr besonderer Urlaub, so kauften wir uns eine Videokamera, um ein Urlaubsvideo zu machen. Das war der Moment, wo ich das Filmen für mich entdeckte.“

Er hat eine ruhige, angenehme, hörspieltaugliche Stimme. Hertel ist Motiv-Aufnahmeleiter der in Frankfurt gedrehten Netflix-Serie „Skylines“, die in der Hip-Hop-, Finanz- und Drogenwelt spielt. „Ich kümmere mich um die gesamte Organisation und Logistik rund um die Drehorte und bin das Sprachrohr der Produktion.“ Konkret, wenn beispielsweise ein Café als Drehort ausgesucht wurde, sei er derjenige, der mit den Cafébesitzern spreche, ob überhaupt und wann gedreht werden könne und zu welchen Konditionen. „Und immer, wenn in einer Szene Schauspieler über die Straße gehen, brauche ich dafür eine Straßensperrung. Ich bin derjenige, der Genehmigungen einholt.“

Aber Hertel kümmert sich auch um: Wo parkt der riesige Fuhrpark der Filmcrew? Wo geht das Team auf die Toilette? Wo bekommt man Strom oder Wasser her? Hertel ist regelmäßig beim Frankfurter Tatort als Aufnahmeleiter engagiert. „Aber bei Netflix war der Aufwand noch viel größer. Denn sie produzieren einen Kinofilm in Serienformat.“ Drei Monate lang wurde im vergangenen Winter gedreht.

Die Allerheiligenstraße unweit der Konstablerwache behandelte er vorab besonders sensibel. „In den Wochen bevor wir da gedreht haben, war ich fast jeden Abend für eine halbe Stunde dort“, erzählt Hertel. „Ich habe mit den Leuten dort gequatscht, so dass sie auf unsere Filmteamhorde vorbereitet waren“, so Hertel.

Die in Frankfurt gedrehte Netflix-Serie „Skylines“ können sich ab diesem Freitag (27.September) weltweit 151 Millionen Menschen anschauen.

Die Crime-Drama-Serie spielt in der Hip-Hop-, Finanz- und Drogenwelt. Neben den Schauspielern Edin Hasanovic und Richy Müller gehören Rapper wie Azad und Olexesh zum Cast. rose

Aber zurück zu Hertels Anfängen. Als er damals nach seinem Mali-Urlaub zurückkommt, entschließt er sich an seiner Schule, der IGS Nordend, der AG „Schüler machen Filme“ beizutreten. Dort lernt er auch Hannes Weiß kennen und gemeinsam drehen sie Kurzfilme. „Wir nahmen bei Filmfestivals wie der Visionale, das hessische Kinder- und Jugendfestival, teil und haben dort auch gewonnen.“

Aber all das sei eben noch mehr Hobby gewesen. In der Schulzeit sei er wegen seiner Kleinwüchsigkeit nie gemobbt worden. „Aber in der achten, neunten Klasse, durchlebte ich eine blöde Phase“, sagt Hertel. „Mir war natürlich schon vorher bewusst, dass ich jetzt nicht der Norm entspreche, aber speziell in dem Alter wachsen alle Jungs enorm. Es ist ja auch die Phase, in der man anfängt, sich für Mädchen zu interessieren.“ Gerade in der Pubertät sei aber eben das Optische ausschlaggebend: „Ah, du bist schon ganz witzig, aber leider ein bisschen klein.“

Den Satz habe zwar kein Mädchen laut ausgesprochen. „Aber ich habe es eben gespürt und ich habe mit mir selbst gekämpft, weil ich dachte: Was ist eigentlich mit mir?“ Nach der zehnten Klasse beschließt er, ein Highschooljahr in den USA zu machen. Und zwar in Kansas „in the middle of nowhere“ („mitten im Nirgendwo“). Die Zeit dort stärkt sein Selbstvertrauen. „Dort habe ich gelernt, ich zu sein.“ Denn in den USA seien die Leute ihm anders begegnet. „Dort ist es egal, ob du groß, klein, dünn, dick bist, oder ob du im Rolli sitzt, zuerst wirst du erst mal als Mensch wahrgenommen.“ So sei das zumindest bei ihm gewesen. Er trainierte mit dem Footballteam, spielte Theater und Baseball.

Zurück in Deutschland macht er eine Ausbildung zum Bürokaufmann bei einem Busunternehmen. Mehr für seine Eltern als für sich. Mit seinem Freund Hannes dreht er weiter Filme. Ende 2008 gründen sie relativ spontan ihr Unternehmen „Goldhamster Film“. Fast sieben Jahre gibt es die Filmproduktion, sie machen vor allem Werbung und Image- sowie Webfilme. „Wir merkten aber, wir sind keine Unternehmer im klassischen Sinne, und ich wollte auch lieber freiberuflich arbeiten und vor allem lieber Spielfilme machen.“

Wenig später wird Hertel Motiv-Aufnahmeleiter der Kinokomödie „Männerhort“ mit Elyas M’Barek und Christoph Maria Herbst, die vor allem am Riedberg gedreht wird. Darauf folgt ein Taunus-Krimi. „Und irgendwann rief der Hessische Rundfunk an und fragte mich, ob ich Zeit hätte, den Frankfurter Tatort zu machen. Das war toll.“ „Wendehammer“ wird sein erster Frankfurter Tatort.

Und wie war der Kontakt mit den Schauspielern von Skylines? Der Hauptdarsteller der Serie, Edin Hasanovic, sei immer supernett zu ihm gewesen und Tatortkommissar Richy Müller, der einen fiesen Immobilienmakler mimt, sehr höflich und aufmerksam. Mit Rapper Celo von Celo & Abdi, die auch mitspielen, hat Hertel früher mal Hockey gespielt. „Er hat mich sogar wiedererkannt“, sagt er und lacht.

Die in Frankfurt gedrehte Serie „Skylines“ soll bald auf Netflix starten. Rapper Jan Lehmann klagt gegen ihre Veröffentlichung und meldet sich jetzt zu Wort.

Übrigens: am Freitag geht die Netflix-Serie, die in Frankfurt spielt, an den Start.

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