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Sporthilfe-Chef: „Die Vorfreude auf Frankfurt ist riesig“

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Von: Timur Tinç

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Die letzten Handgriffe vor dem Ball des Sports am Kletterturm.
Die letzten Handgriffe vor dem Ball des Sports am Kletterturm. © Michael Schick

Thomas Berlemann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Sporthilfe über das Wirken und die Ziele der Stiftung sowie über die Rückkehr des Balls des Sports nach Frankfurt.

Herr Berlemann, der Ball des Sports kehrt nach 2006 in die Festhalle zurück. Welche Argumente haben für Frankfurt als Austragungsort gesprochen?

Nachdem klar war, dass wir mit Wiesbaden nicht weitermachen, haben wir eine Ausschreibung in ganz Deutschland gemacht. Insgesamt haben sich zwölf tolle Städte beworben. Danach haben wir anhand von vordefinierten Kriterien einen Auswahlprozess gestartet.

Welche waren das?

Standortfaktoren wie Infrastruktur, Sportaffinität und wie gut die Eventlocation geeignet ist. Dazu natürlich finanzielle Themen, was die Unterstützung der jeweiligen Städte angeht. Zum Schluss waren zwei Städte übrig und Frankfurt hat anhand der Kriterien das Rennen gemacht. Das war eine sehr strukturierte Entscheidung nach einem Punktesystem. Neben den Standortfaktoren waren auch echtes Interesse seitens der Stadt und die gute Zusammenarbeit riesengroße Faktoren, dass wir nach Frankfurt zurückgekehrt sind.

Konnten Sie verstehen, dass die Stadt Wiesbaden den Ball nach all den Jahren nicht mehr finanziell unterstützen wollte?

Wir haben das ein Stück weit bedauert, weil wir uns in Wiesbaden sehr wohl gefühlt haben und das Rhein-Main Congress-Center ein toller Standort ist. Wir müssen solche politischen Entscheidungen am Ende respektieren. Insofern geht man mit einem lachenden und weinenden Auge. Mittlerweile herrscht eine riesige Vorfreude auf Frankfurt. Wir sind ausverkauft und freuen uns auf 1500 Gäste aus Sport, Politik und Wirtschaft, die sportlichen Darbietungen im Programm und die Stimmung in der Festhalle.

Stichwort Darbietungen: Warum haben Sie sich für Sportakrobatik und Sportklettern als Showprogramm entschieden?

Das sind unfassbar tolle Athletinnen und Athleten. Wir wissen, dass wir bei der Eintracht eine tolle Gruppe in der Sportakrobatik haben, der viel mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. Die haben eine unglaubliche Präsenz und Ausstrahlung. Es ist eine Sportart, die im Kommen ist. Und Klettern war mit seinen drei Disziplinen Bouldern, Lead und Speed bei den European Championships in München ein Highlight. Die Sportart ist olympisch und wir haben tolle Athletinnen und Athleten, die in Paris Medaillenchancen haben.

Sie sind am 1. April 2020 Vorstandsvorsitzender der Sporthilfe geworden. Drei Wochen vorher kam der erste Lockdown. Was haben Sie in ihrer Anfangszeit überhaupt gemacht?

Ich war schon vorher da und wir haben mit meinen Kollegen entschieden, dass wir Mitte März in den Lockdown gehen. Am Anfang habe ich alles aus dem Homeoffice gemacht. Ich habe jeden einzelnen Mitarbeiter und die Organisation virtuell kennengelernt. Das gleiche galt für Partner und Athletinnen und Athleten.

Mit welchen Sorgen haben sich die Sportlerinnen und Sportler an Sie gewendet?

Sie konnten nicht trainieren, keine Wettkämpfe bestreiten und hatten Verdienstausfälle. Das war für sie und uns eine schwierige Zeit. Wir wussten auch nicht, wie lange es dauert und wie sich unsere Partner verhalten.

Zur Person

Thomas Berlemann , 59, ist seit 2020 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Sporthilfe. Der gebürtige Hammer und frühere Wasserball-Nationalspieler hat an der Wirtschaftsakademie der Mannesmann AG studiert und arbeitete unter anderem zehn Jahre bei der Telekom.

Wie haben die sich verhalten?

Die haben sich ganz hervorragend verhalten. So, wie man das von Partnern in schwierigen Zeiten erwartet. Die sind uns alle treu geblieben. Es ist uns gemeinsam im Team gelungen, zwei neue Nationale Förderer an Bord zu holen. Jetzt haben wir sechs, das gab es noch nie in der Sporthilfe. Wir haben die Zeit genutzt, uns in der Pandemie weiterzuentwickeln

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Zum Beispiel?

Wir sind das ganze Thema Digitalisierung angegangen, um beim Athlet im wahrsten Sinne des Wortes 24 Stunden auf dem Smartphone in der Tasche zu sein, damit er Zugang zu uns hat. Das haben wir mit der App ,Meine Sporthilfe‘ als Teil der digitalen Plattform für den Spitzensport sichergestellt. Wir haben viele interne Prozesse optimiert und digitalisiert.

Sehen Sie an einigen Stellen schon die Folgen der Pandemie im Leistungssport?

Das ist ein bisschen zeitversetzt zu erwarten. Wenn ich mit unseren Olympiakaderathleten rede, sagen sie mir, dass ihnen der Nachwuchs in den jeweiligen Sportarten wegbricht. Weil in der Zeit ein großes Maß an Unsicherheit herrschte, haben sich einige von ihnen für 100 Prozent Studium oder gegen den Sport entschieden. Von pandemiebedingten Karriereabbrüchen von Athletinnen und Athleten, die Chancen hätten, Paris 2024 zu erreichen, habe ich aber nicht gehört. Der Nachwuchs ist das Thema. Da müssen wir, die Vereine, Verbände und der DOSB, uns drum kümmern. Corona hat eine Delle im Sport hinterlassen, wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen auch.

Was können Sie als Sporthilfe denn da tun - oder liegt das eher in der Verantwortung der Vereine?

Wir sind bekanntermaßen fokussiert auf die 4000 Athletinnen und Athleten, die die besten in ihren Disziplinen sind. Da ist ein Stück weit der Nachwuchs dabei. Es ist Aufgabe der Vereine und Eltern, dass die Kinder wieder in den Sport gehen. Und dass es an den Schulen genügend Sportlehrer gibt und der Unterricht nicht ausfällt. Da muss viel Basisarbeit geleistet werden.

Sie wollen die Deutsche Sporthilfe präsenter machen. Wieso ist das nötig und wie wollen Sie das erreichen?

Wir wollen mehr Erlöse erzielen, um mehr Geld für die Athleten und für deren Karrieren im sportlichen und beruflichen Bereich zur Verfügung zu haben. Je mehr Geld wir haben, desto erfolgreicher werden die Athleten in beiden Kategorien. Die Sportbegeisterung in Deutschland ist da, wie wir in München gesehen haben. Wir müssen die Sportbegeisterten dazu animieren, uns zu unterstützen. Die Chance, das mit diesen Vorbildern zu schaffen, ist da, wenn wir die Reichweite entwickeln, um über die sozialen Medien und PR-Kampagnen die Breite der Gesellschaft zu erreichen. Wenn uns 60 Millionen Sportbegeisterte nur einen Euro im Jahr geben würden, hätten wir viel erreicht.

Interview: Timur Tinç

Thomas Berlemann – Vorstandsvorsitzender der Deutschen Sporthilfe
Thomas Berlemann – Vorstandsvorsitzender der Deutschen Sporthilfe © ChrisChristes

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